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Sport

Taekwondo

Sie sind ein junges Mitglied der olympischen Familie – erst seit dem Jahr 2000 ist die koreanische Kampfkunst „Taekwondo“ mit dabei. In Peking wollen die deutschen Starter nun mit Edelmetall für Aufmerksamkeit

Piktogramm für Taekwondo bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking, China. Foto: +++(c) Picture-Alliance / ASA+++

In einem leichten, weißgebleichten Leinenanzug, der aus Jacke, Hose und Gürtel besteht, stehen sich die beiden Kämpfer gegenüber. Die Bewegungen wirken äußerst kontrolliert und von Taktik geprägt, von wildem Aufeinandereinschlagen ist nichts zu sehen. Die koreanische Kampfkunst „Taekwondo“ ist nach ihrem Status als Demonstrationssportart 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona seit Sydney im Jahr 2000 offizielle olympische Disziplin.

Im Schatten der Schläger

In der Bevölkerung ist das noch nicht so richtig angekommen findet Musa Cicek, Olympiateilnehmer von 1988 und Vizepräsident der deutschen Taekwondo-Union „Da wir eine Kampfsportart sind, stehen wir immer im Schatten der Schläger. Taekwondo ist in Europa, insbesondere in Deutschland, nicht sehr populär und das ist unser Nachteil“.

Der Vietnamese Quoc Huan Nguyen (rot) kämpft 2004 in Athen gegen den Russen Seyfula Magomedov (blau) in der Klasse unter 58kg (Foto: Kim Ludbrook/epa/dpa)

Der asiatische Kampfsport bei den Olympischen Spielen in Athen

Und dabei geht es äußerst höflich zu. Frei nach der konfuzianischen Weisheit „Der Edle verbeugt sich, aber beugt sich nicht“, verneigen sich die beiden Kontrahenten vor einander, ehe sie sich mit Füßen und Fäusten attackieren.

„Es ist eine sehr dynamische Sportart. Taekwondo bietet viele Elemente, wie Selbstverteidigung, Dehnung, Beweglichkeit“, schwärmt Cicek. Die Technik der Kampfkunst steckt schon im Namen: Wörtlich übersetzt geht es beim Taekwondo um Tae – Fuß, Kwon – Faust und Do – Weg.

Mit dem Fuß werden dem Gegner Kicks in allen Variationen, in Bauch- oder Kopfhöhe, gedreht, gesprungen, doppelt oder dreifach verpasst. Die Faust dient ebenfalls zu Angriffen, aber auch als Block zur Verteidigung. Der Weg ist zum einen der Weg des Geistes, also die Taktik und die Konzentration, aber zugleich auch die persönliche Entwicklung, die jeder Taekwondoka durchläuft – vom Weißgurt bis zum Schwarzgurt, vom Schüler zum Meister.


21 Trainingseinheiten die Woche

„Also das Geheimrezept ist eigentlich nur trainieren, trainieren, trainieren. Manchmal trainiere ich 14 Mal oder 21 Mal die Woche, täglich zwei bis drei Stunden. Nebenbei gehe ich Laufen, Schwimmen oder zum Krafttraining“, verrät Levent Tuncat, eines der größten deutschen Talente im Taekwondo.

Tuncat wird, falls er sich nicht noch verletzen sollte, mit seinen 19-Jahren in Peking auf die Matte gehen und der ehemalige Bundestrainer und Verbandsvize Cicek baut 2008 auf mehr, als auf den olympischen Gedanken – „Dabei sein ist alles“: „Wir haben auf jeden Fall Medaillenhoffnungen in Peking mit dem Levent Tuncat. Er hat auf der Weltqualifikations-Ebene bewiesen, dass er zu der Weltelite gehört, dem traue ich sogar eine Goldmedaille in Peking zu.“


Der Star kommt aus Amerika

Tuncat kämpft in der Gewichtsklasse Minus-58-Kilogramm und daher hat er das Glück in Peking nicht auf den Top-Star, den Vorzeige-Taekwondoka schlechthin zu treffen. „Das ist ein Amerikaner, Steven Lopez. Er ist vierfacher Weltmeister in Reihenfolge und zweifacher Olympiasieger. Das ist schon ein Ausnahmeathlet wie Lance Armstrong oder Michael Schumacher“, sagt Cicek.

Der Star ist also ein Amerikaner, dass Gros der Medaillen geht allerdings stets an die Asiaten. Die größte Leistungsdichte bei rund 40 Millionen Taekwondoka weltweit gibt es im Mutterland der dynamischen Vollkontakt-Sportart. Musa Cicek: „Als Nation ist natürlich Korea an erster Stelle, dass ist unumstritten. In Europa gehören Spanien, Frankreich, die Türkei und Deutschland zu den Top-Nationen“.

Nach einer deutschen Silbermedaille im Jahr 2000 in Sydney und den verkorksten Spielen 2004 in Athen, für die sich kein deutscher Starter qualifizieren konnte, will die deutsche Takewondo-Union in Peking Edelmetall. Am liebsten natürlich Gold – das gab es in der jungen Olympiageschichte des Taekwondo für Deutschland schließlich noch nie.