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Fokus Osteuropa

Tadschikistan will Energieproduzent werden

In der zentralasiatischen Republik hat die große Suche nach Öl und Gas begonnen. Damit will Tadschikistan sich aus der Abhängigkeit vom Ausland befreien. Geologen und Investoren vermuten reiche Vorkommen.

Gasförderung von Gazprom in Tadschikistan, Juli 2013 (Foto: DW)

Erkundungsbohrungen des russischen Energieriesen Gazprom in Tadschikistan

Seit Monaten herrscht in Tadschikistan extremer Energiemangel. Dutzende große Unternehmen mussten inzwischen ihre Produktion einstellen. Seit dem 1. Januar dieses Jahres liefert Usbekistan kein Gas mehr an sein Nachbarland. Grund seien nicht beglichene Schulden, heißt es aus Taschkent.

In der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe will man die bestehende Energieabhängigkeit von Usbekistan überwinden. Die Hoffnung richtet sich auf die Erschließung eigener Erdöl- und Erdgasvorkommen. Wie viel Gas und Öl in Tadschikistan lagern, sollen unter anderem die geologischen Forschungen zeigen, die der Gazprom-Konzern auf tadschikischem Territorium betreibt. Im August beginnt der russische Energieriese mit der Prüfung der Ergebnisse von Erkundungsbohrungen in Sarikamisch, das 40 Kilometer von Duschanbe entfernt liegt. Dabei entstand mit fast 6.500 Metern das tiefste Bohrloch in Zentralasien.

Azim Ibragim Leiter der Organisation Tajikgeolog (Foto: DW)

Asim Ibragim: "Es gibt optimistische Öl- und Gasprognosen für Tadschikistan"

"Wir wollen den Ergebnissen nicht vorauseilen, aber es gibt ziemlich optimistische Prognosen", so Asim Ibragim, Leiter der Hauptabteilung für Geologie bei der tadschikischen Regierung gegenüber der Deutschen Welle. Ihm zufolge könnten allein die Vorkommen in Sarikamisch etwa 20 Milliarden Kubikmeter Ergas und ungefähr 17 Millionen Tonnen Erdöl betragen. Doch dies müsse bei der Auswertung der gesammelten Daten noch endgültig bestätigt werden, so Ibragim.

Reges Interesse bei Investoren

Neben Gazprom haben sich in Tadschikistan rund zehn weitere ausländische Unternehmen auf die Suche nach Erdöl und Erdgas gemacht. Im Juni wurde bekannt, dass zwei weitere Großunternehmen in den tadschikischen Markt eingetreten sind: China National Petroleum Corporation (CNPC) und die französische Total. Sie beteiligen sich am "Bokhtar Production Sharing Contract" (PSC), einem Vertrag, den Duschanbe im Jahre 2008 mit Tethys Petroleum Limited abgeschlossen hat. Die private kanadische Firma geht auf ihrer Webseite von "gigantischen" Erdöl- und Erdgasvorräten in Tadschikistan aus.

In dem Vertrag sind die Zuständigkeiten der drei ausländischen Investitionsgesellschaften bei der Suche und Förderung von Erdgas in der Region Bokhtar nahe der tadschikisch-afghanischen Grenze geregelt: Der tadschikische Staat hält 30 Prozent der Anteile, die restlichen 70 Prozent verteilen sich gleichmäßig auf CNPC, Total und Tethys.

Förderung schwierig und teuer

portrait von Georgij Koschlakow (Foto: DW)

Georgij Koschlakow setzt auf geologische Forschungsdaten aus der Sowjetzeit

Bereits in der Sowjetzeit wurden in Tadschikistan mehr als 20 Lagerstätten ausgebeutet. Gefördert wurden dort rund eine halbe Million Tonnen Erdöl und ungefähr 300 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Jahr. Diese Quellen sind längst versiegt. Tadschikische Experten sind sich jedoch sicher, dass es in ihrem Land noch Vorkommen gibt. Dabei stützen sie sich auch auf Forschungsdaten aus der Sowjetzeit.

Georgij Koschlakow, ehemaliger tadschikischer Vizepremierminister und gelernter Geologe, schätzt die Vorräte für möglichen Brennstoff allein im Süden Tadschikistans sogar auf 800 Millionen Tonnen. "Das ist eine realistische Zahl. Wenn man sich ernsthaft an die Arbeit macht, kann man sie erreichen", sagte er der DW. Jedoch werde es schwierig und teuer sein, an die Ressourcen heranzukommen. Denn 98 Prozent der Vorräte lägen in einer Tiefe von fünf und mehr Kilometern. "Die Bohrungen kosten viel Geld. Deswegen ist es zu begrüßen, dass Total und CNPC nach Tadschikistan gekommen sind", so Koschlakow.

Für die Arbeit von Gazprom in Tadschikistan findet er ebenfalls Lob. Koschlakow betonte, dass es bei den Bohrungen in Sarikamisch keine Unfälle gegeben habe. Das Bohrloch habe in kürzester Zeit für Tests zur Verfügung gestanden. "Ich bin mir absolut sicher, dass dort Gas lagert. Aber noch ist es schwierig, etwas über die Menge, die Zusammensetzung und den Druck zu sagen. Das alles wird sich im Laufe der Auswertungen klären", sagte der tadschikische Geologe.