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Fokus Osteuropa

Tadschikistan nähert sich dem Iran an

Tadschikistan sucht international nach Partnern. Neben Russland und China hat das Land dabei vor allem den Iran im Blick. Teheran wiederum baut gerne seine Präsenz in dem zentralasiatischen Land aus.

Mahmud Ahmadinedschad und Emomali Rachmon

Zwei Präsidenten: Ahmadinedschad und Rachmon (Archivfoto)

Anfang September ist in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe viel los. Direkt nach dem GUS-Gipfeltreffen (2.-3.September), bei dem auch der russische Präsident Dimitri Medwedew anwesend war, kommt schon der nächste hochrangige Gast ins Land. Am 4.-5. September besucht der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad Tadschikistan.

Im Vorfeld gab es kleine Verwirrungen bei der Tagesordnung. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass Ahmadinedschad bei der feierlichen Inbetriebnahme des Wasserkraftwerkes Sangtuda-2 zugegen sein sollte. Der Iran soll in dieses Projekt rund 180 Millionen Dollar investiert haben, die Tadschiken sind mit 40 Millionen Dollar dabei. Später gab es die Mitteilung, die Inbetriebnahme müsse verschoben werden, weil noch nicht alles fertig sei. Aber da jetzt der iranische Präsident kommt, werde es wohl doch noch eine feierliche Zeremonie geben, sagt der tadschikische Politikwissenschaftler Raschid Gani Abdullo. "Ich denke, sie werden einfach einen symbolischen Akt machen und später alles fertig stellen, was sie nicht geschafft haben".

Tadschikistan sucht Partner

Wasserkraftwerk Sangtuda, Tadschikistan

Tadschikistan braucht Energie und freut sich über Investitionen

"Dass Tadschikistan bei seinen wirtschaftlichen Problemen, seiner Sicherheitslage und der geopolitischen Lage ständig auf der Suche nach 'Verbündeten' ist, kann ich gut verstehen", meint Beate Eschment, deutsche Zentralasien-Expertin von der Universität Bremen. Einerseits sei eine enge Zusammenarbeit mit dem Iran aufgrund der geografischen Nähe und der sprachlich-kulturellen Gemeinsamkeiten logisch. Andererseits gebe es auch nicht besonders viele Länder, die sich um eine Partnerschaft mit dem armen zentralasiatischen Staat bemühen würden. "Natürlich ist Tadschikistan über jeden Staat froh, der bereit ist, mit ihnen zusammenzuarbeiten und Geld zu investieren. Man kann umso besser verhandeln, je mehr Partner man hat, um sie gegeneinander auszuspielen", meint Beate Eschment.

Eine kritische Haltung oder Bedenken im Hinblick auf die international umstrittene iranische Politik hat man in Tadschikistan nicht. "Für Tadschikistan ist es wichtig, dass die Beziehungen der eigenen Wirtschaft zugutekommen", erklärt Raschid Gani Abdullo. Denn es gebe ja nicht viele Länder, die bereit wären, in Tadschikistan zu investieren. Für die europäischen Länder sei das Land nur im Rahmen der Entwicklungshilfe wichtig, im Sinne: "Wir müssen denen helfen", sagt Beate Eschment. "Ich denke, für viele Europäer ist das Land zu weit weg", fügt sie hinzu.

Konkurrenz mit Russland

Deutsche Zentralasien-Expertin Beate Eschment

Beate Eschment

Traditionell ist Russland das wichtigste Partnerland Tadschikistans. Langfristig könnte sich das ändern. Russland bleibt zwar weiterhin eine wichtige Geldquelle, denn dort arbeiten rund eine Million tadschikische Gastarbeiter, die im vergangenen Jahr über 2 Milliarden Dollar nach Hause geschickt haben. Aber inzwischen baut der Iran seine Präsenz in Tadschikistan aus. Seit der Inbetriebnahme des Wasserkraftwerks Sangtuda-1 hat Russland keine weiteren großen Projekte in Tadschikistan mehr verfolgt. Teheran will nach der Inbetriebnahme von Sangtuda-2 gleich mit einem weiteren Großprojekt, dem Bau des Aini-Wasserkraftwerkes beginnen. Außerdem investieren die Iraner in verschiedene Infrastrukturprojekte in Tadschikistan.

Bei seinen wirtschaftlichen Aktivitäten in Zentralasien achte der Iran darauf, dass er Russland nicht auf die Füße trete, meint Raschid Gani Abdullo. Obwohl Russlands Position zum Iran nicht immer konsequent sei, betrachte Teheran Moskau als einen Interessensvertreter im UN-Sicherheitsrat, so der Politikwissenschaftler. "Deswegen handelt der Iran in Tadschikistan so, dass er den Interessen von Russland und China nicht in die Quere kommt".

Geschäftliche Mentalitäten

Politikwissenschaftler aus Tadschikistan Raschid Gani Abdullo

Raschid Gani Abdullo

Geschäftlich kämen Iraner und Tadschiken gut miteinander zurecht, meint der tadschikische Experte. Allerdings gäbe es doch einige Unterschiede in den geschäftlichen Mentalitäten. "Die tadschikische Geschäftskultur geht auf die sowjetische zurück und ist deshalb näher zur russischen. Die iranische Geschäftskultur ist eher amerikanisch geprägt. Bei dem Zusammentreffen zweier Mentalitäten muss man schon manche Schwierigkeiten überwinden", erklärt Abdullo und setzt fort: "Die Tadschiken haben auch teilweise Vorurteile gegenüber Iranern, die auf die Zeiten in der Sowjetunion zurückzuführen sind. Zum Beispiel gab es früher die Vorstellung, dass alles, was südlich der UdSSR liegt, einen niedrigeren Entwicklungsstand hat". Allerdings meint der Politikwissenschaftler, dass die jüngere Generation solche Vorurteile seltener habe als ältere Leute.

Tadschikistan und der Iran haben ihre Zusammenarbeit in den letzten Jahren stark ausgebaut. 2010 hat der Iran 65,5 Millionen Dollar in die tadschikische Wirtschaft investiert und damit nach Russland und China den dritten Platz belegt. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern betrug im vergangenen Jahr 201,7 Millionen Dollar. Es gibt mittlerweile 150 Unternehmen in Tadschikistan mit iranischer Beteiligung. Es gäbe dort aber noch viel Entwicklungspotenzial, glaubt Abdullo.

Autor: Olga Sosnytska

Redaktion: Bernd Johann / Taube, Friedel

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