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Fokus Osteuropa

Tadschikistan führt Islam-Unterricht in Schulen ein

Mit dem neuen Schuljahr wird in Tadschikistan ein neues Fach eingeführt, und zwar für alle Achtklässler: "Wissen des Islam". Das soll helfen, jungen Menschen ein authentisches Islambild zu vermitteln.

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Das tadschikische Bildungsministerium hat beschlossen, den Islamunterricht erst einmal in tadschikischsprachigen Schulen ab der achten Klasse mit einer Stunde pro Woche einzuführen. Auf lange Sicht soll das Fach auch an russischsprachigen Schulen gelehrt werden. Nach Angaben des Ministeriums sind die Vorbereitungen zur Einführung des neuen Schulfachs fast abgeschlossen: Herausgegeben ist ein Lehrbuch, und auch die Lehrpläne stehen.

"Den Unterricht übernehmen Fachleute, Sprachwissenschaftler, Historiker, die bereits umgeschult werden und ausschließlich nach einem persönlichen Gespräch die Genehmigung erhalten", sagte Mirsoscharif Schodijew vom tadschikischen Bildungsministerium. Ihm zufolge sollen in Zukunft auch Absolventen der Islamischen Universität Tadschikistans das Fach unterrichten. Schodijew betonte, dass nur Lehrer, die auch weltliche Fächer lehren, nach einer entsprechenden Weiterbildung das Fach Islam an Schulen unterrichten dürften. Auf diese Weise solle verhindert werden, dass Personen in Schulen vordringen könnten, die "religiöse Propaganda" betrieben.

Lob und Tadel

Auch Experten sind überzeugt, dass der Islamunterricht verhindern werde, dass junge Tadschiken in die Reihen radikaler religiöser Organisationen geraten. Das neue Schulfach werde dazu beitragen, dass die Schüler authentische Informationen über den Islam erhielten. Die Einführung des Schulfachs "Wissen des Islam" an öffentlichen Schulen sei eine wichtige positive Entwicklung, sagte der tadschikische Sozialdemokrat Schokirdschon Hakimow. Ihm zufolge wird sich die religiöse Erziehung der Kinder dadurch deutlich verbessern. Hakimow betonte: "In jeder Religion gibt es viele Dinge, die die jüngere Generation geistig bereichern können".

Der Vorsitzende der Partei der Islamischen Wiedergeburt Tadschikistans, Muhiddin Kabiri, ist auch der Meinung, dass die tadschikischen Schüler genaue Informationen über die Religion erhalten müssen, damit sie nicht unter den Einfluss radikaler Organisationen geraten. Allerdings sieht Kabiri auch Nachbesserungsbedarf: Der Islam solle nicht erst ab der achten Klasse unterrichtet werden, wenn die jugendlichen Schüler bereits ein Weltbild und eigene Überzeugungen entwickelt hätten, sondern bereits in einem viel früheren Stadium, wenn die Kinder noch keine falschen Kenntnisse über den Islam von außen erhalten hätten.

Kabiri beklagt, dass Vertreter seiner Partei an der Entwicklung der Lehrpläne zum neuen Unterrichtsfach nicht einbezogen worden seien. "Unser Potential wird von den Behörden einfach ignoriert. Wir werden an keinen Projekten beteiligt, die sich mit Religion befassen, und das, obwohl unserer Partei viele Fachleute angehören", sagte Kabiri.

Viele offene Baustellen im Schulsystem

Das Fach "Wissen des Islam" ist in diesem Schuljahr die einzige Neuerung. Bis zum Jahr 2012 soll in Tadschikistan ein 12jähriges Schulsystem eingeführt werden. Laut dem Planungsleiter im Bildungsministerium hat dieses System den Vorteil, dass die Absolventen bestimmte berufliche Qualifikationen erhalten, die sie später im Beruf werden einsetzen können.

Unterdessen fehlen mit Beginn dieses Schuljahres in den tadschikischen Schulen mehr als 3.000 Lehrer. Der Hauptgrund dafür ist, so Experten, dass die niedrigen Löhne in Tadschikistan viele Lehrer, vor allem auf dem Lande zwingen, in Russland zu arbeiten. Zwar wurden in diesem Sommer die Gehälter der Lehrer um 15 Prozent angehoben, aber angesichts der steigenden Inflation haben die Lehrer nicht wesentlich mehr Geld in der Tasche.

Autorin: Nargis Hamrabajewa / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Birgit Görtz

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