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Fokus Osteuropa

Tadschikistan: Droht Krise durch Bevölkerungswachstum?

In Duschanbe wurde vor kurzem die Geburt des 7.000.000. Einwohners des Landes gefeiert. Doch die Statistiken sind ungenau. Die stetige Bevölkerungszunahme erschwert die Armutsbekämpfung. Experten befürchten Spannungen.

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Tadschikistan hat unter den GUS-Staaten das niedrigste BIP pro Kopf

Anlässlich der Geburt des 7.000.000. Einwohners des Landes übergab der Bürgermeister von Duschanbe der Mutter des am 13. August geborenen Jungen, einer 27-jährigen Bürgerin der Hauptstadt, die Schlüssel zu einer neuen Wohnung. Den Tag, an dem der 7.000.000. Einwohner des Lands geboren wurde, hatten Experten des Staatlichen Statistik-Komitees errechnet. Die Voraussage fiel nicht schwer, denn in den vergangenen Jahren wuchs die Bevölkerung Tadschikistans jährlich um zwei Prozent.

Diese Zahl ist nach Ansicht des unabhängigen Wirtschaftsexperten Firus Saidow aber ungenau: "Bei uns wird in vielen ländlichen Gegenden das Bevölkerungswachstum nicht genau gezählt. Ja, der 7.000.000. Einwohner ist geboren, aber es ist schwierig, die genaue Bevölkerungszahl festzustellen, weil Neugeborene nicht immer registriert werden. Die Registrierung kostet Geld und deswegen haben nicht alle Kinder eine Geburtsurkunde."

Bevölkerungswachstum bis zum Jahr 2060

Die Tadschiken haben traditionell kinderreiche Familien. In den sechs Jahren seit der letzten Volkszählung ist die Bevölkerung des Landes um mehr als 900.000 gestiegen. Die Geburtenrate ist nach wie vor hoch, obwohl sie im Vergleich zur Sowjetzeit um fast das Doppelte zurückgegangen ist. Experten rechnen mit einem stetigen Wachstum der tadschikischen Bevölkerung bis zum Jahr 2060.

Der Direktor des Instituts für Demografie der tadschikischen Akademie der Wissenschaften, Saadullo Islomow, sagte in diesem Zusammenhang: "Es gibt eine Masse von Faktoren, die zu einer hohen Geburtenrate innerhalb einer Bevölkerung führen. Unter anderem leben 74 Prozent der Menschen auf dem Lande, wo immer ein höherer Bedarf an Arbeitskräften besteht als in der Stadt. Allein dieser Faktor wird die hohe Geburtenrate aufrechterhalten."

Bevölkerung wächst schneller als Wirtschaft

Die Bevölkerung Tadschikistans wächst schneller als die Wirtschaft des Landes, was nach Ansicht von Experten die Armutsbekämpfung behindert und letztendlich zu Spannungen innerhalb der Gesellschaft führen kann. In den 15 Jahren der Unabhängigkeit des Landes nahm die Bevölkerung des Landes um etwa 30 Prozent zu. Der Umfang des Bruttoinlandsproduktes erreicht derzeit aber nur 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes des Jahres 1990.

Der Wirtschaftsexperte Saidow unterstrich: "Nach 1990 ist durchaus ein Wirtschaftswachstum zu beobachten, aber das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes pro Kopf geht im Unterschied zum allgemeinen Wirtschaftswachstum zurück. Wir haben unter den GUS-Staaten das niedrigste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Bei einem solch hohen Bevölkerungswachstum hat das Auswirkungen auf den Lebensstandard und kann soziale Spannungen verstärken. Diese Spannungen innerhalb der Gesellschaft kann nur die Gastarbeit entschärfen, die für die meisten Familien in Tadschikistan zur einzigen Einnahmequelle geworden ist."

Straßenbau als Ausweg?

Der Direktor des Demografie-Instituts, Islomow, meint, dass Tadschikistan eine soziale Krise verhindern wird, da vor allem in den Städten ein Rückgang der Geburtenrate beobachtet werde: "Es wird keine soziale Explosion, keine soziale Krise geben, weil wenn die Straßen einmal gebaut sind und Tadschikistan, vor allem dessen Süden, aus der Transport-Sackgasse herauskommt, dann wird die Bevölkerung mobiler werden und es wird mehr Möglichkeiten für den Handel geben, nicht nur in Richtung Westen, sondern auch nach Osten. Ich denke, das wird uns helfen, die sozialen Probleme zu lösen."

Nigora Buchari-sade, Duschanbe
DW-RADIO/Russisch, 14.8.2006, Fokus Ost-Südost

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