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Fokus Osteuropa

Tadschikischer Oppositionsführer festgenommen

Der Vorsitzende der tadschikischen Demokraten, Machmadrusi Iskandarow, suchte politisches Asyl in Russland. Dort verschwand er unter mysteriösen Umständen. Jetzt soll er sich in einem Gefängnis in Duschanbe befinden.

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Tatort Moskau?

"Machmadrusi Iskandarow ist festgenommen. Er befindet sich in Duschanbe im Gefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Ermittlungen dauern an." Das erklärte überraschend am Dienstag (26.4.) auf einer Pressekonferenz in Duschanbe der tadschikische Generalstaatsanwalt Bobodschon Bobochonow. Der Führer der Demokratischen Partei Tadschikistans, der bei den russischen Behörden politisches Asyl beantragt hatte, war am 15. April in Koroljow bei Moskau spurlos verschwunden. Erst vor anderthalb Wochen war er aus einem Moskauer Gefängnis entlassen worden, in dem er nach seiner Festnahme auf Gesuch der tadschikischen Staatsanwaltschaft einsaß. In seiner Heimat wird ihm Terrorismus, Unterschlagung von Staatsmitteln und andere Straftaten zur Last gelegt. Die tadschikische Opposition meint aber, Iskandarow werde aus politischen Motiven verfolgt.

Staatsanwaltschaft lässt Fragen offen

Das Verschwinden des tadschikischen Oppositionellen in der Nähe von Moskau ist rätselhaft. Aber auch die Erklärungen des Generalstaatsanwalts werfen Rätsel auf. Wie Iskandarow nach Tadschikistan gekommen sein soll, wollte Generalstaatsanwalt Bobochonow den Journalisten nicht sagen: "Er wurde in Duschanbe festgenommen. Er ist verhaftet. Warum er hierher kam, das müssen Sie ihn fragen. Nach ihm wurde gefahndet, deswegen wurde er festgenommen. Jetzt wird er sich verantworten müssen." Auch wollte Bobochonow nicht sagen, von wem und unter welchen Umständen Iskandarow festgenommen wurde.

Warnung an Journalisten

Dem Generalstaatsanwalt zufolge wird man nicht nur Iskandarow zur Verantwortung ziehen, sondern auch die Journalisten, die Äußerungen des Generalstaatsanwalts verdrehen. Bobochonow sagte zu den Journalisten: "Sie werden für jedes Wort Verantwortung übernehmen! Egal wer Sie sind! Es wurde schon geschrieben, dass der tadschikische Generalstaatsanwalt der Russischen Föderation Korruption vorgeworfen hat. Seinen Sie vorsichtig!"

Zweifel an offizieller Version

Der Leiter des Apparats der Partei der Islamischen Wiedergeburt Tadschikistans, Chikmatullo Sajfullosod, meint, Iskandarow sei eher in Moskau festgenommen worden, vom "tadschikischen Geheimdienst" oder mit Hilfe "gewisser Gruppierungen". Dem stimmt auch die stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbandes der Demokratischen Partei Tadschikistans in Duschanbe, Mamlakat Dschajtschijewa, zu. Sie sagte, es sei unwahrscheinlich, dass Iskandarow freiwillig in seine Heimat zurückgekehrt sei: "Ich denke, dass Iskandarow in Moskau festgenommen wurde. Was auch geschehen ist, es geschah in Moskau. Er konnte nicht hierher kommen. Iskandarow wurde festgenommen und von unserer Staatsanwaltschaft nach Duschanbe gebracht. Alles, was nach dem 3. April passierte, trägt die Handschrift unserer Regierung." Dschajtschijewa sagte ferner, die Demokraten wollten ihren Führer auch mit Protestkundgebungen unterstützen.

Anwälte eingeschaltet

Die Parteimitglieder und Iskandarows Angehörige wurden über die Festnahme nicht informiert. Iskandarows Bruder Timurscho sagte, er habe durch die Pressekonferenz des Generalstaatsanwalts erfahren, dass sich sein Bruder Machmadrusi in Duschanbe befinde. Iskandarows Angehörige haben bereits zwei Anwälte beauftragt, die ein Treffen mit dem Inhaftierten fordern werden, weil wahrscheinlich nur Iskandarow selbst Licht in die Umstände seiner Festnahme bringen kann.

Unbehelligt vom russischen Geheimdienst?

Beobachter meinen inzwischen, Iskandarow sei "Opfer der großen Politik" geworden. Mit der Freilassung des tadschikischen Oppositionellen hätten die russischen Behörden der internationalen Gemeinschaft beweisen wollen, sie hielten demokratische Prinzipien ein. Aber es sei unwahrscheinlich, dass Iskandarow unbehelligt vom russischen Geheimdienst nach Tadschikistan gekommen sei. Die Beobachter vergleichen den Fall Iskandarow mit der Auslieferung des ehemaligen tadschikischen Feldkommandeurs der Volksfront, des ehemaligen Innenministers Jakub Samilow, aus Russland an Tadschikistan. Samilow, der einst enger Vertrauter von Präsident Emomali Rachmonow war, wurde vergangene Woche wegen Hochverrats, Banditentums und Amtsmissbrauchs zu 15 Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

Nigora Buchari-sade, Bischkek
DW-RADIO/Russisch, 26.4.2005, Fokus Ost-Südost

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