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Wissen & Umwelt

Tabubruch? Chinesische Forscher verändern Erbgut von Embryos

Die Nachricht aus China hat Wellen geschlagen: Dort scheint es Wissenschaftlern gelungen zu sein, das Erbgut menschlicher Embryonen zu verändern. Ist das ethisch vertretbar?

Menschliche Embryo-Zellen unter dem Mikroskop (Foto: picture alliance/landov)

Menschliche Embryo-Zellen unter dem Mikroskop

Es waren 86 nicht lebensfähige Embryonen, bei denen chinesische Forscher - nach eigenen Angaben - das Erbgut manipuliert haben. Ziel war es, ein Gen zu verändern, das für eine Blutkrankheit verantwortlich ist. Das renommierte Magazin "Nature" hatte über die Forschungsergebnisse des Teams um den Genforscher Junjiu Huang berichtet. Die Studie war vorher in der Fachzeitschrift

"Protein und Cell" veröffentlicht

worden.

Umstrittene Forschung

"Ich glaube, wenn man das nur als Überschrift liest, ist das Erste zunächst einmal Erschrecken: 'Da greifen jetzt welche ins Erbgut ein'", sagt Peter Dabrock. Er ist Mitglied im

Deutschen Ethikrat

- unter anderem mit dem Schwerpunt "Ethik der humanbezogenen Genomforschung" - und Professor für Systematische Theologie an der

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

. Danach, so Dabrock weiter, sei dann die Aufgabe, sich anzuschauen: "Was machen die genau?"

Die Forscher von der Universität in Guangzhou hatten versucht, ein Gen zu verändern, das für eine Blutkrankheit verantwortlich ist. 71 von den insgesamt 86 Embryonen überlebten, 54 davon haben die Forscher untersucht. In lediglich 28 Fällen sei der Eingriff gelungen, so der Forschungsbericht, und nur ein "Bruchteil von ihnen wies das veränderte genetische Material auf", heißt es darin weiter. Sie hätten die Versuche abgebrochen, so Huang, da die Methode noch nicht ausgereift sei. Wenn man das bei normalen Embryonen versuchen will, sollte die Erfolgsquote bei fast 100 Prozent liegen, so der chinesische Wissenschaftler. Außerdem traten bei den Experimenten verschiedene Mutationen auf, die nicht beabsichtigt waren. Das ist nach Ansicht vieler Wissenschaftler ein weiterer Grund zur Sorge.

Welches Ziel?

Die Methode, die die Forscher angewendet haben, hat die Bezeichnung CRISPR. Damit können komplexe Genome verändert werden. Über die Gene des Embryos kann in das Erbgut sämtlicher Körperzellen eingegriffen werden. Die Erbanlagen können verändert und entsprechend an nachfolgende Generationen weitervererbt werden. Man müsse bei der Bewertung dieser Experimente danach entscheiden, was die Wissenschaftler vorhaben, sagt Dabrock. "Will man die Embryonen implantieren? Das ist schon unter Risikogesichtspunkten schlicht und einfach unverantwortlich, und das zeigen die Experimente der Forscher ja auch. Ein erheblicher Teil der Embryonen hat es ja sozusagen nicht geschafft. Von daher gibt es ein wahnsinnig hohes Risiko für gesundheitliche Schäden. Das ist komplett unverantwortlich."

Aber, so der Theologe, die Aufgabe von Ethikern sei es eben auch Distanz zu wahren. "Ich schaue aber auch immer mit einem kritischen Auge: Werden Grenzen überschritten? Ist es Ausdruck von Machbarkeitswahn? Welche wahnsinnigen Risiken nehmen wir in Kauf, wenn wir wieder einen Schritt weiter gehen?" Andererseits sehe er aber auch, dass man den gesamten medizinischen Fortschritt und auch den naturwissenschaftlichen Fortschritt nur aus einer breiten Fülle sehr unterschiedlicher Experimente generieren werde.

Die Nachricht aus China hat für Wirbel und für heftige Diskussionen gesorgt, nicht nur in der Welt der Wissenschaft. Der Bericht im Magazin "Nature" weist darauf hin, dass Huang und sein Team nicht die einzigen in China sind, die versuchen, das Erbgut von Embryonen zu verändern. Es gibt vier weitere Forschergruppen, die ähnliche Ziele haben.

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