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Sprachbar

Tüte

Schultüte, Knalltüte, Flüstertüte – in verschiedenen Arten gibt es sie, die Tüte. Die Ursprungsform hat sich jedoch nicht verändert. Dazu zunächst einmal die folgende Sprechübung.

Sagen Sie doch mal "TuuT". Und jetzt bitte noch mal – mit schön langem "u". "Tuuut". Genau! Sie haben soeben das Stichwort der Woche in seiner lautmalerischen Urform von sich gegeben. Wir kennen das Tuten vor allem als Geräusch im Hafen. Wenn die Schiffe rausfahren oder vom Meer zurückkommen, schicken sie als Abschiedssignal oder zur Begrüßung ein Tuten übers Wasser. "Tuthorn" oder "Blashorn" waren die alten Wörter für diese Art von – nennen wir sie – "lautgebenden Signalinstrumenten".

Attraktion zur Schuleinführung

Die Form, ähnlich der einer Tüte oder eines Horns hat sich bis heute erhalten. Man kann das an den Signalhörnern von Rettungswagen und großen LKW sehen. So ein altes Tuthorn erinnert der Form nach auch an einen Trichter oder – jetzt kommt's: an eine Tüte.

Sie werden fragen, weshalb nun ausgerechnet "Tüte" unser Stichwort ist. Nun, die Ferien sind in den meisten Bundesländern zu Ende und viele Kinder müssen nun zum ersten Mal in die Schule.

Die Schultüte

Man erkennt die kleinen Schulanfänger daran, dass die allermeisten mit einer Schultüte unterwegs sind. Oft ist sie größer als die ABC-Schützen selber. Sie ist bunt, oben mit lustigen Schleifen zugebunden – und ja: Was ist drin?

Früher waren es Süßigkeiten, ein paar Buntstifte oder das legendäre "Schulmäppchen", in dem alle Mal- und Schreibutensilien untergebracht waren. Heute sind in den Schultüten immer noch süße Sachen, aber auch schon mal ein kleiner High-Tech-Taschenrechner und Geräte wie "game-boys" finden sich in den Schultüten.

Die Einkaufstüte

Nun aber zu den schlichteren Tüten, zu diesen ganz normalen Behältnissen aus Papier. In einem alten Wörterbuch findet sich eine drollige und gleichermaßen sehr treffende Definition. Danach ist "Tute" beziehungsweise "Tüte" "das trichterförmig aus Papier gedrehte Behältnis für trockene Kaufmannswaren seit dem 16. Jahrhundert".

In Papiertüten lässt sich in der Tat fast alles – außer Flüssigkeiten – verpacken. Die klassische braune dreieckige Spitztüte gibt es immer noch. Das Abfüllen von Waren in solche Spitztüten war typisch für die so genannten Tante-Emma-Läden.

Gefangene mussten Tüten kleben

Die Kleinkaufleute, auch Krämer genannt, wurden oft – man mag sich fragen wieso eigentlich – geringschätzig als Tütchenkrämer, Tütenkleber oder Tütendreher bezeichnet. Das Tütenkleben war früher vornehmlich eine Tätigkeit für Strafgefangene.

Wenn man sagte, "der ist Tüten kleben" war damit gemeint, dass jemand im Gefängnis einsaß. Eine Tüte selber herzustellen, sie zu drehen, ist ganz einfach. Marktfrauen und Französinnen, die in Bäckereien arbeiten, können das noch. Einfach mal zuschauen.

Die Knalltüte

Inzwischen haben die rechteckigen und teilweise sehr stabilen Plastiktüten den guten alten Papiertüten längst den Rang abgelaufen. Allerdings sind Papiertüten aufgrund eines gesteigerten Umweltbewusstseins wieder im Kommen. Tüten sind ideale Werbeträger. "Qualität.

Was anderes kommt nicht in die Tüte" lautet der Slogan einer Bäckerei. Der Ausdruck "Das kommt nicht in die Tüte" ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der deutschen Sprache verbreitet und stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus Berlin. Diese Redewendung ist Ausdruck kategorischer Ablehnung.

"Du Knalltüte"

Möglich, dass auch das Wort "Knalltüte" aus Berlin kommt. Die "Knalltüte" gibt es wirklich. Wir kennen alle den Spaß: Eine Papiertüte aufblasen, sie fest zudrehen und dann auf eine feste Unterlage hauen.

Unter dem Stichwort "mathematische Basteleien" gibt es im Internet eine Anleitung, wie man eine Knalltüte selber falten kann. Wäre doch was für Schulanfänger. Oder? Die "Knalltüte" hat auch eine übertragene Bedeutung. Als Schimpfname für einen Dummkopf oder Spinner sagt man auch: "Der ist vielleicht eine Knalltüte!"

Das Geheimnis der Flüstertüte

Und jetzt wird es höchste Zeit für die "Flüstertüte". Das ist ein Schallverstärker aus Blech, geformt wie eine Tüte, allerdings mit einer kleinen Öffnung am spitz zulaufenden Ende. Die Flüstertüte hat einen Griff, mit dem man sie sich vor den Mund hält. Wenn man in normaler Lautstärke in die Flüstertüte spricht, wird der Schall verstärkt und in eine Richtung gelenkt.

Selbst ein Flüstern ist so deutlich und in größerem Abstand zu hören. Sie liegen mit Ihrer Vermutung richtig. Das Megaphon ist nichts anderes als eine moderne, mit Verstärker und Elektronik ausgestatte Flüstertüte.

Flüstertüte für jedermann

Übrigens: Jeder hat so eine Flüstertüte. Einfach die beiden Hände trichterförmig um den Mund schließen - und dann "Tuuut" machen.

Fragen zum Text

Was kann nicht in Papiertüten verpackt werden?

1. Gebäck.

2. Käse.

3. Flüssigkeiten.

Tüten wurden früher vor allem geklebt von …

1. Kindern.

2. Strafgefangenen.

3. Piloten.

Wenn jemand sagt Das kommt nicht in die Tüte, dann …

1. kauft jemand bestimmte Dinge nicht.

2. benutzt jemand keine Tüten.

3. lehnt jemand etwas ab.

Arbeitsauftrag

Beschreiben Sie, wie Ihr erster Schultag verlaufen ist. War er für Sie und Ihre Familie etwas Besonderes? Hatten Sie auch eine Schultüte?

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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