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Deutsch-türkisches Verhältnis

Türkischer Präsident Erdogan wettert gegen Bundesregierung

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat kurz vor dem G20-Gipfel den Ton verschärft, und pocht darauf, in Deutschland auftreten zu dürfen. Kanzlerin Angela Merkel will Erdogan noch vor dem Gipfel treffen.

In einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" kritisierte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor allem, nicht vor seinen Landsleuten in Deutschland sprechen zu können: "Was ist das bitte schön für eine Geisteshaltung? Das ist sehr hässlich", sagte er und fügte hinzu: "Deutschland begeht Selbstmord. Das ist politischer Selbstmord. Deutschland muss diesen Fehler korrigieren." Die Bundesregierung hatte einen von Erdogan gewünschten öffentlichen Auftritt vor Anhängern am Rande des G20-Gipfels untersagt.

Kein Verständnis für Deniz Yücel

In dem Interview warf Erdogan der Bundesregierung auch Terrorunterstützung vor. Dabei bezog zog er sich auf die deutsche Ablehnung türkischer Forderungen, Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen auszuliefern. Die türkische Regierung macht die Gülen-Bewegung für den gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli in der Türkei verantwortlich. Früheren Angaben des Bundesnachrichtendienstes (BND) zufolge gibt es darauf aber keine Hinweise.

Über die Bemühungen Berlins im Fall des seit mehr als 140 Tagen in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel sagte Erdogan in dem Interview, er könne nicht verstehen, dass man sich so sehr für eine Person einsetze.

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Ausweitung der europäisch-türkischen Zollunion geplant

Keine Probleme mit Merkel

Gleichzeitig betonte Erdogan, dass ihm die türkisch-deutschen Beziehungen angesichts der gemeinsamen Mitgliedschaft in der NATO wichtig sind: "Wir brauchen einander", sagte er. "Wir müssen das bewahren." Dann setzte er hinzu, er habe sich nicht mit Bundeskanzlerin Angela Merkel überworfen. "Ich habe kein Problem mit der Kanzlerin."

Merkel will sich vor dem G20-Gipfel mit Erdogan treffen. Der Wunsch dazu sei von türkischer Seite geäußert worden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Wie auch die Begegnung mit US-Präsident Donald Trump wird das Gespräch vermutlich am Donnerstag stattfinden. Der Gipfel selbst findet am Freitag und Samstag in Hamburg statt. Im Anschluss wollte Erdogan in einer deutschen Stadt vor Anhängern eine Rede halten. Die Bundesregierung hatte dies mit der Begründung abgelehnt, angesichts der Konfliktlage mit der Türkei sei dies momentan nicht angemessen.

uh/kle (dpa, afp)

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