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Wirtschaft

Türkische Unternehmen als Brückenbauer

Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan war zu Besuch in Deutschland. Der Anlass war ein Fußballspiel. Aber die wirtschaftlichen Beziehungen sind ein genauso wichtiges Thema zwischen beiden Ländern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan unterhalten sich (Foto: dpa)

Besuch in Berlin: Premier Erdogan und Bundeskanzlerin Merkel

Die Türkei und Deutschland sind füreinander unverzichtbare Geschäftspartner. Der Grund dafür ist zum einen, dass immer mehr deutsche Firmen in der Türkei investieren. Zum anderen sind es die türkischen Unternehmen in Deutschland. Rund 80.000 Selbstständige mit türkischen Wurzeln gibt es in Deutschland. Ihr Umsatz beträgt immerhin jährlich 40 Milliarden Euro. Recep Keskin, der Vorsitzende des Verbandes türkischer Unternehmer und Industrieller in Europa, (ATIAD) ist der Meinung, dass diese wirtschaftlichen Erfolge nicht genug gewürdigt werden. "Es wurde immer nur gesagt: Das sind nur ein paar Döner-Läden oder Gemüseläden. Aber die machen noch nicht mal zehn Prozent von diesen 40 Milliarden aus." Türkische Unternehmen seien in über 100 Bereichen tätig. "Was auch wichtig ist, dass sie über 400.000 Menschen beschäftigen, und die Zahlen werden immer größer", sagt er.

Öger-Tours-Zentrale in Hamburg (Foto: dpa)

Zentrale in Hamburg: Türkeireisen-Anbieter Öger Tours

Beeindruckende Zahlen

Die Zahl der Unternehmerinnen und Unternehmer mit türkischem Migrationshintergrund sieht Keskin in den kommenden zehn bis 15 Jahren auf 130.000 steigen. Das zeige ihr bedeutendes Potential als Wirtschafts- und Integrationsfaktor. Dem stimmt auch Guntram Schneider zu, der Integrationsminister des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Hier habe sich in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der türkeistämmigen Selbstständigen mehr als verdreifacht. "Sie führen inzwischen allein in Nordrhein-Westfalen 24.000 Firmen. Das sind Fakten, die für sich sprechen", sagt er.

Allerdings hätten diese Unternehmen auch eine große Verantwortung. Guntram Schneider appelliert an sie, mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund auszubilden. Denn nur so könnten diese jungen Menschen am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben.

"Mehr Investition in der Türkei"

Die türkischen Firmen haben aber nicht nur einen regen Anteil am deutschen Wirtschaftsleben. Sie spielen auch im Handel zwischen beiden Ländern eine große Rolle. Die Türkei kommt in diesem Jahr auf zweistellige Wachstumsraten. In der ersten Jahreshälfte verzeichnete die türkische Wirtschaft ein Wachstum von elf Prozent. Das ist neben China das beste Ergebnis unter Schwellenländern. Die wirtschaftliche Erholung beeinflusst auch den privaten Konsum und den Außenhandel positiv. Deutschland ist nach wie vor der wichtigste Handelspartner der Türkei in der EU. "Die türkischen Firmen in Deutschland übernehmen eine Brückenfunktion", sagt Ziya Altunyaldız, Vize-Staatssekretär im türkischen Handelsministerium. Er appelliert an die türkischen Firmen in Deutschland, mehr mit deutschen Unternehmen zu kooperieren. Andererseits sollten die Deutschen den Mut haben, in der Türkei zu investieren.

Erwartungen an Deutschland

Ein türkischer Junge schwenkt im Rahmen des größten türkischen Kulturfestes Europas eine deutsche und eine türkische Fahne vor dem Brandenburger Tor in Berlin (Foto: dpa)

Gelungenes Beispiel für Intergration

Jedoch hat die Türkei auch einige Erwartungen an Deutschland. Das wichtigste wäre die Abschaffung der Visumspflicht für Unternehmer. "Während sich türkische Güter aufgrund der Zollunion in Europa frei bewegen können, ist es nicht akzeptabel, dass die Freizügigkeit der Menschen, die diesen Handel betreiben, eingeschränkt wird", sagte Ziya Altunyaldız. Auch Kemal Sahin, einer der bekanntesten türkischen Unternehmer in Deutschland, betont, dass die geltenden Visa-Vorschriften den freien Handel behindern.


Der Beitritt der Türkei in die Europäische Union hätte deshalb eine besondere Bedeutung in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern. "Der Verhandlungsprozess sollte so schnell wie möglich abgeschlossen werden, damit diese unfaire Konkurrenzsituation abgeschafft werden kann" sagte Ziya Altunyaldız. Die EU führt seit 2005 die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, diese kommen aber nur sehr langsam voran. Viele Politiker in Europa meinen, dass die Verhandlungen "ergebnisoffen" geführt werden sollten und nicht unbedingt mit einer Vollmitgliedschaft enden müssten. Die Türkei lehnt dies und alle Formeneiner sogenannten "privilegierten Partnerschaft" ab und besteht auf Vollmitgliedschaft. Denn nur eine Vollmitgliedschaft, die der Türkei alle Freizügigkeitsrechte gewährt, würde beiden Seiten wirtschaftliche Vorteile bringen.

Autorin: Basak Özay
Redaktion: Henrik Böhme