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Politik

Türkische Truppen dringen in den Irak ein

Im Kampf gegen die kurdische PKK ist die türkische Armee in den Nordirak eingerückt. Etwa 300 Soldaten sind an dem Einsatz beteiligt. Zu Gefechten kam es offenbar noch nicht.

Türkischer Soldat an der Grenze zum Irak (24.10.2007, Quelle: AP)

Schon im Oktober hatte die türkische Armee ihre Truppen in Stellung gebracht

In ihrem Kampf gegen kurdische Rebellen sind türkische Soldaten am Dienstag (18.12.2007) in den Norden des Irak eingerückt. Das sagte der Sprecher der kurdischen Peschmerga-Kämpfer, Dschabbar Jawar, der Nachrichtenagentur AFP. "Sie sind in eine verlassene Zone eingedrungen, wo keine irakischen oder kurdischen Truppen stationiert sind", sagte Jawar weiter. Die etwa 300 Soldaten seien bis zu drei Kilometer hinter die Grenze in die Region Gali Rasch vorgerückt. Sie seien nur leicht bewaffnet.

Berichte über Kämpfe gebe es nicht. Bei den Soldaten handele es sich um Verstärkung für die Truppen, die bereits seit längerem im Nordirak operierten, erklärte Jawar. Der Fernsehsender CNN-Türk berichtete, die Operation richte sich gegen kurdische Rebellen, die einen Anschlag geplant hätten. Im Nordirak sind mit Zustimmung der örtlichen Behörden derzeit rund 1.200 türkische Soldaten im Einsatz.

Irak: Einsatz inakzeptabel

Der türkische Präsident Abdullah Gül erklärte, von jetzt an werde alles getan, was im Kampf gegen den Terrorismus notwendig sei. Zugleich hob er die guten Beziehungen zu Bagdad hervor. "Der Irak ist ein Bruderland", sagte Gül, der sich in der zentraltürkischen Stadt Konya aufhielt. Der Irak reagierte mit scharfer Kritik: Regierungssprecher Ali al Dabbagh nannte den Einsatz inakzeptabel. Dieser werde nur zu weiteren Problemen führen. Der Sprecher der kurdischen Regionalregierung sagte, die Probleme zwischen der Türkei und den Rebellen der dort verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK seien nicht durch militärische Einsätze zu lösen.

Zerstörtes Dorf im Nordirak (16.12.2007, Quelle: AP)

Mehrere Dörfer hatte die türkische Armee am Wochenende angegriffen

Als Folge der Attacken auf mutmaßliche PKK-Stellungen sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Wochenende etwa 1800 Menschen geflohen, darunter auch ganze Familien. Die Menschen hätten ihre Dörfer Hals über Kopf verlassen, erklärte eine Sprecherin in Genf. Eine Frau sei ums Leben gekommen, mehrere seien verletzt worden. Nach Angaben von Dorfältesten wurden sechs Brücken zerstört. Auch am Montag habe es Angriffe in der Region gegeben.

Größte Luftoffensive seit Jahren

Die türkische Armee hat im Kampf gegen Rebellen der Kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Region bis zu 100.000 Soldaten zusammengezogen. Die Rebellen nutzen den Nordirak als Rückzugsgebiet, um Angriffe auf die Türkei vorzubereiten. Bereits am Wochenende hatte die Türkei Angriffe auf den Nordirak geflogen und mehrere Dörfer bombardiert. Es war die größte türkische Luftoffensive gegen die Kurdische Arbeiterpartei seit Jahren.

Ziel waren nach Militärangaben Stellungen der PKK in der Grenzregion und in den Kandil-Bergen, mehrere Menschen wurden bei den Angriffen getötet. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Attacke als Erfolg. Die EU und die UNO reagierten besorgt auf das militärische Vorgehen der Türkei im Nachbarland.

Rice in der Region

US-Außenministerin Condoleezza Rice ist unterdessen zu einem aus Sicherheitsgründen vorab nicht angekündigten Besuch in die nordirakische Vielvölkerstadt Kirkuk gekommen. Dort traf sie sich mit 35 Vertretern aller ethnischen und religiösen Gruppen der Stadt. Auf der Tagesordnung stehen das geplante Referendum über die Eingliederung der Stadt und ihrer Ölfelder in das kurdische Autonomiegebiet, die Gründung eines "Komitees des Erwachens" für den Kampf gegen die El-Kaida-Terroristen sowie der Konflikt zwischen der Türkei und den PKK-Kämpfern.

Lokalpolitiker, die an einem Treffen mit Rice teilnahmen, erklärten, auch sie hätten zunächst nicht gewusst, dass sie die US-Außenministerin treffen sollten. "Wir wurden zu einem Gespräch mit einem hochrangigen US-Beamten eingeladen. Die Araber unter uns wurden gebeten, in traditioneller Tracht zu erscheinen." Rice hatte den Irak zuletzt im vergangenen September besucht. Damals hatte sie gemeinsam mit Präsident George W. Bush Mitglieder des "Komitees des Erwachens" der Anbar-Provinz getroffen. (mg)

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