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Fokus Südosteuropa

Türkische "Pufferzone" im Nordirak

Ankara werde auch nach dem PKK-Anschlag die Öffnungspolitik gegenüber den Kurden fortsetzen - davon ist der kurdischstämmige Journalist Nevzat Bingöl überzeugt. Gegen die PKK selbst werde indes hart durchgegriffen.

Journalist Nevzat Bingöl im Porträt (Foto: DW)

Journalist Nevzat Bingöl

DW-WORLD.DE: Wie sieht es aus nach dem jüngsten PKK-Anschlag: Ist die sogenannte "Öffnungspolitik" der türkischen Regierung gegenüber den Kurden am Ende? Regierungskreise behaupten das Gegenteil.

Nevzat Bingöl: Der Parlamentspräsident, aber auch die anderen Regierungsvertreter haben erklärt, dass die Öffnungspolitik fortgesetzt werden wird. "Diese traurigen Vorkommnisse werden unsere Arbeit an der neuen Verfassung nicht aufhalten", sagte der Parlamentspräsident Cemil Cicek. Auch Premier Recep Tayyip Erdogan betonte, das eigentliche Ziel des Terrors sei, die Bemühungen um die neue Verfassung und die Öffnungspolitik zu sabotieren. Diese Erklärungen sind Anzeichen dafür, dass die Öffnungspolitik tatsächlich fortgesetzt wird.

Es gibt weit verbreitete Behauptungen, nach denen der türkische Nachbar Iran ein doppeltes Spiel spielt: Einerseits gehe er im eigenen Land militärisch gegen die mit der PKK-verbündete "PEJAK" vor - andererseits hetze er die PKK gegen die Türkei auf. Gibt es tatsächlich Anzeichen für eine Beteiligung der beiden Nachbarn der Türkei, des Iran und Syriens, an dem jüngsten PKK-Anschlag?

Türkische Soldaten auf Patrouille (Foto: AP Photo/Ibrahim Usta)

Türkische Soldaten patrouillieren an der Grenze zum Irak

In den vergangenen Jahren hatten die Türkei, der Iran und Syrien einen Anti-PKK-Pakt gebildet. Nachdem aber die Errichtung der NATO-Radar-Stützpunkte in der Türkei in Richtung Iran beschlossen wurde, ist daraus eine Allianz zwischen Syrien, der PKK und dem Iran geworden. Andererseits ging der Iran in den Kandil-Bergen im Nord-Irak militärisch gegen die PKK vor - es wurde auch die Verhaftung des dortigen Befehlshabers der PKK, Murat Karayılan, gemeldet. Nach diesem Vorfall ist quasi alles anders geworden: Die PKK hat sich mit dem Iran verständigt und die operativen Handlungen im Iran gestoppt. Sie erklärte, dass auch "PEJAK"-Kräfte sich von Operationen zurückziehen würden. Daraufhin zog auch der Iran seine Kräfte aus den Kandil-Bergen ab. Jetzt gibt es eine Allianz zwischen dem Iran, der PKK und Syrien, die sich gegen die Allianz der Türkei mit den USA richtet. In Folge dessen hatte die Türkei in den letzten Tagen Anschuldigungen gegen Syrien gerichtet. Syrien wiederum beschuldigte die Türkei, dass diese die syrischen Oppositionellen mit Waffen, Logistik usw. unterstützen würde. Auch bei dem jüngsten Anschlag der PKK ist von Hilfe des Irans für die PKK - zumindest von logistischen oder andersartigen Hilfeleistungen - die Rede.

Wie schätzen sie das ein: Wird die türkische Regierung oder das Militär jetzt seine Strategie bezüglich militärischer Operationen im Nordirak ändern?

Man wird sich wohl nicht nur mit Luftangriffen begnügen. Jetzt schon marschierte eine 600köpfige türkische Kommando-Einheit - im Einvernehmen mit den irakischen Machthabern - drei bis vier Kilometer weit in den Nord-Irak hinein. Ferner gibt es ohnehin einige Militärbasen der Türkei in dieser Gegend. Man redet in diesem Zusammenhang davon, dass die türkischen Soldaten fünf Kilometer weit in den Nord-Irak einmarschieren und dort bleiben - also eine Art Pufferzone bilden werden.

Das Interview führte Celik Akpinar.
Redaktion: Mirjana Dikic

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