Türkische Kampfflieger bombardieren kurdische Stellungen in Syrien | Aktuell Europa | DW | 20.01.2018
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Syrien-Konflikt

Türkische Kampfflieger bombardieren kurdische Stellungen in Syrien

Tagelang hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien angekündet. Jetzt werden die ersten Angriffe der "Operation Olivenzweig" gemeldet.

Türkei beginnt Offensive Operation Afrin in Syrien (picture alliance/AA/O. Coban )

Von der staatlichen türkischen Agentur Anadolu verbreitetes Foto aus der Region Afrin

Türkische Kampfflieger hätten kurdische Ziele im Norden Syriens attackiert, teilte Regierungschef Binali Yildirim in einer im Fernsehen übertragenen Rede mit. Laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu waren Beobachtungsstellungen der kurdischen Miliz YPG in der nordsyrischen Region Afrin das Ziel. Auch die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Luftschlägen von mindestens zehn türkischen Kampfflugzeugen. Ein Sprecher der kurdischen Truppen in Afrin, Suleiman Dschafar, sprach von Raketeneinschlägen. Laut türkischen Medienberichten rückten zudem Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA), die die Türkei unterstützen, in die von Kurden kontrollierte Region um Afrin vor.

"Terrorkorridor" soll zerstört werden

Die Bewohner der nordsyrischen Grenzregion sollten durch den türkischen Armeeeinsatz von der "Unterdrückung durch Terroristen" befreit werden, begründete der türkische Generalstab den Militäreinsatz. Die Türkei mache dabei von ihrem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch. Die "Operation Olivenzweig" begann demnach um 15.00 Uhr MEZ.

Türkei Präsident Recep Tayyip Erdogan in Kutahya (picture-alliance/abaca/K. Ozer)

Präsident Recep Tayyip Erdogan in Kutahya

Zuvor hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan auf einer Veranstaltung seiner Regierungspartei AKP im westanatolischen  Kutahya mitgeteilt, dass die Boden- und Luftoffensive gegen kurdische Milizen in der syrischen Region Afrin "de facto" begonnen habe. Danach werde Manbidsch angegriffen. Von Westen her werde der "Terrorkorridor" schrittweise zerstört.

Angst vor Zusammenschluss syrischer Kurdengebiete

Die Türkei verfolgt das Erstarken der kurdischen Milizen YPG und PYD in Syrien schon lange mit Argwohn. Die Regierung in Ankara betrachtet die kurdischen Milizen als Schwesterorganisationen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei seit Jahrzehnten für mehr Autonomie der Kurden kämpft. Afrin und das hundert Kilometer weiter östlich am Euphrat gelegene Manbidsch gehören zur halbautonomen Kurdenregion im Nordwesten Syriens. Ankara will einen Zusammenschluss der Kurdengebiete westlich und östlich des Flusses und damit die Entstehung einer eigenständigen Kurdenregion an der Südflanke der Türkei verhindern. Erdogan hatte in den letzten Tagen wiederholt erklärt, er werde die kurdischen Milizen in Afrin zerschlagen, durch die er die Sicherheit der Türkei bedroht sieht.

Türkische Truppen hatten diese Woche bereits mehrfach Granaten auf mutmaßliche YPG-Stellungen abgefeuert. Die Armee zog in den vergangenen Tagen an der Grenze zu Syrien Panzer und Artillerie zusammen.

Moskau äußert sich besorgt

Die russische Regierung äußerte sich "besorgt" über die Offensive. Das Außenministerium in Moskau rief "die gegnerischen Parteien zur "Zurückhaltung" auf. Russland halte an seiner Position fest, die syrische Krise durch die Bewahrung der territorialen Integrität und die Respektierung der Souveränität Syriens zu lösen.

qu/ml (afp ,rtr, dpa)

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