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Aktuell Europa

Türkische Armee weist Vorwürfe zurück

Verdreckte Unterkünfte und körperliche Übergriffe gegen deutsche Feldjäger in der Türkei? Es gab Klagen über solche Vorfälle beim Patriot-Einsatz der Bundeswehr. Jetzt weist die türkische Armee die Vorwürfe zurück.

Die geäußerten Vorwürfe seien nicht wahr, teilte der Generalstab in Ankara mit. Auch den angeblichen Übergriff eines türkischen Generals gegen deutsche Feldjäger habe es nie gegeben, heißt es in der Erklärung der Armeeführung weiter. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, hatte zuvor von Spannungen zwischen deutschen und türkischen Soldaten im Stationierungsort Kahramanmaras sowie von unzumutbaren hygienischen Zuständen in der Unterkunft der Deutschen in der örtlichen Kaserne berichtet.

Der türkische Generalstab erklärte dazu, für die Reinigung der Toiletten in den Unterkünften der Bundeswehr-Soldaten seien die Deutschen selbst zuständig. Das Bundeswehr-Kontingent habe inzwischen mit Hilfe der türkischen Armee eine zivile Reinigungsfirma mit der Aufgabe betraut. Die vorhandenen Fertighäuser und sanitären Anlagen entsprächen internationalem Standard und seien nicht für die vorhandenen 300, sondern für 400 Personen ausgerichtet, heißt es in der Erklärung des Generalstabs. Sie wären aber von der deutschen Seite noch nicht bezogen worden. Das deutsche Kontingent übernachte stattdessen in vier- bis fünf Sterne-Hotels und mitgeführten Zelten und Containern.

Rangelei oder Warnung?

Zu der angeblichen Rangelei zwischen dem türkischen General und den deutschen Feldjägern erklärte der Generalstab, entsprechende Berichte entbehrten jeder Grundlage. Der türkische General habe die deutschen Soldaten wegen der Sperrung eines Zufahrtsweges bei Ministerbesuchen Ende Februar lediglich gewarnt. Bei einem Treffen beider Seiten am 28. Februar habe die deutsche Seite eingeräumt, es habe Missverständnisse bei der Erteilung des Befehls an die Feldjäger gegeben. Das Bundeswehr-Kontingent habe sich inzwischen bei der türkischen Seite entschuldigt.

Dagegen bestätigte der Kommandeur des deutschen Kontingents für den Patriot-Einsatz in der Türkei, Marcus Ellermann, Probleme bei der Zusammenarbeit mit den türkischen Soldaten. "Wir stellen fest, dass die türkische Seite die eine oder andere Berührungsangst hat", sagte Ellermann dem Radiosender MDR Info. Die Bundeswehrsoldaten wünschten sich, von einem Austausch mit den türkischen Soldaten zu profitieren. Ellermann zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Beziehung zwischen den Truppen besser würden und sich beide Seiten dafür einsetzten.

Ellermann: Vorwürfe sind berechtigt

Ellermann nannte auch die Vorwürfe des Wehrbeauftragten berechtigt. Die sanitären Anlagen seien alt, verdreckt und würden nur unregelmäßig gereinigt. Es müsse jedoch berücksichtigt werden, dass der Einsatz auch für die Türkei recht kurzfristig erfolgt sei. "Die türkische Seite tut aber alles, um die Bedingungen kurzfristig zu verbessern", betonte er. Auch der Wehrbeauftragte blieb bei seiner Darstellung. "Dass die türkische Seite nicht erfreut ist darüber, das kann ich verstehen. Ich habe aber nur beschrieben, wie die Situation ist", sagte Königshaus der Nachrichtenagentur dpa. Die Bundesregierung setzt nun darauf, dass die Probleme gemeinsam mit der türkischen Seite vor Ort ausgeräumt werden.

In einem am Wochenende bekannt gewordenen Bericht hatte Königshaus beklagt, dass die Zusammenarbeit mit türkischen Soldaten von deutscher Seite «überwiegend als problematisch empfunden» werde. Unter anderem wies er auf hygienische Missstände hin. Königshaus hatte die seit gut einem Monat im osttürkischen Kahramanmaras stationierten Bundeswehreinheiten vom 22. bis zum 24. Februar besucht. Sie sollen im Rahmen eines NATO-Einsatzes die Türkei vor einem möglichen Angriff aus Syrien schützen.

mm/sti (dpa, afp)

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