1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Türkisch-zyprische Annäherungsversuche

In Ankara kam es in diesen Tagen zu einem historischen Treffen: Zum ersten Mal seit 1963 besuchte ein griechisch-zyprischer Politiker die Türkei. Oppositionspolitiker Nicos Anastasiades glaubt an eine gemeinsame Lösung.

default

Ist ein friedliches Nebeneinander möglich?


Seit türkische Truppen 1974 den Nordteil von Zypern besetzten, ist die Inselrepublik geteilt. Und seitdem sind alle Versuche einer Wiedervereinigung gescheitert. Auch der jüngste Wiedervereinigungsversuch bei einem Referendum im letzten Jahr scheiterte an einem Nein der griechisch-zyprischen Bevölkerung. Der Oppositionspolitiker Nicos Anastasiades, Vorsitzender der rechts-konservativen DISY-Partei, war einer der wenigen Politiker, der damals den Friedensplan des UN-Generalsekretärs Kofi Annan unterstützte. Dieser sah die Schaffung einer Föderation zweier Teilstaaten nach dem Muster der Schweiz vor.

Einladung aus Ankara

Nach über 40 Jahren ist Anastasiades auch der erste Politiker, der zu einem offiziellen Besuch in der Türkei ist: “Makarios war der letzte griechisch-zyprische Politiker der Ankara 1963 besucht hatte. Seitdem hat kein griechisch-zyprischer Parteivorsitzender auch nur einen Fuß in die Türkei gesetzt. Wir sind die erste Delegation, die von einer türkischen Regierung eingeladen wurde. Das ähnelt etwa der Entdeckungsreise von Christoph Columbus”, betonte er. Während seiner fünftägigen Reise wird Anastasiades mehrere Politiker der türkischen Regierungspartei AKP sowie den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan treffen.

Festhalten am Annan-Friedensplan

Im Gegensatz zu vielen anderen Politikern der Inselrepublik und dem zyprischen Präsidenten Tassos Papadopoulus glaubt Anastasiades an eine Lösung in Zypern. Doch dafür müsse man am Annan-Plan festhalten, erklärt Anastasiades. Dies sei der einzige Weg für eine Lösung in der Zukunft und dafür werde er sich einsetzen. Aber auch die Türkei müsse mehr tun, damit die Verhandlungen wieder aufgenommen werden: “Ich muss zugeben, Erdogan hat uns vor dem Referendum gezeigt, dass er bemüht ist, eine Lösung zu finden. Aber einige Themen sind damals in die Verhandlungen nicht eingegliedert worden. Das hat dazu geführt, dass griechische Zyprioten den Plan nicht akzeptiert haben. Das Ziel ist nicht, die Grundsätze des Annan-Plans zu ändern oder den türkischen Zyprioten das Recht auf bestimmte Sachen zu verweigern. Nein, man muss sich auch mit den Bedenken der griechischen Seite auseinandersetzen.”

“Schnelle Lösung finden”

Doch was genau am Annan Plan geändert werden muss - dazu wollte Anastasiades keine Details von sich preisgeben: “Ich bin nicht derjenige der verhandelt. Was wir hier versuchen ist, die Beziehungen beider Seiten zu verbessern und auf beiden Seiten Vertrauen zu schaffen. Und wir wollen auch zeigen, dass wir mit den Politikern der türkisch-zypriotischen Seite zusammenarbeiten können.” Auch betont Anastasiades, dass seine Partei sich für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen einsetzen wird: “Meine Partei wird dies unterstützen. Wir müssen wissen, welche Veränderungen wir wollen und was wir wollen. Um unsere europäischen Partner, die UN und um unsere Bürger zu ermutigen, müssen wir schnellstens damit beginnen. Wichtig ist, dass wir nicht die selben Probleme wie in den 1960er Jahren wiedererleben und dementsprechend eine schnelle Lösung finden.”

Duygu Leloğlu, Brüssel

DW-RADIO/Türkisch, 9.2.2005, Fokus Ost-Südost

Die Redaktion empfiehlt