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Aktuell Europa

Türkinnen kämpfen um Abtreibung

In der Türkei verschärft sich der Streit um Pläne der Regierung, das Abtreibungsrecht zu verschärfen. Tausende Frauen gingen auf die Straße.

In Istanbul versammelten sich 3000 bis 4000 Frauen zu einer Kundgebung und übten scharfe Kritik an der Absicht der konservativ-islamischen Regierung, Abtreibungen weitgehend zu verbieten. Die Frauen trugen Plakate mit Slogans wie "Mein Körper, meine Entscheidung" und "Abtreibung ist ein Recht". Zahlreiche Männer begleiteten ihre Frauen und Freundinnen auf der Kundgebung. Es handelte sich um die bislang größte Protestaktion gegen die Regierungspläne. In der islamisch geprägten Türkei sind Frauendemonstrationen zudem etwas Außergewöhnliches.

Erdogan will schärferes Gesetz

Recep Tayyip Erdogan (Foto: AP/dapd)

Recep Tayyip Erdogan

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Abtreibung Ende Mai als Mord bezeichnet und seine Minister angewiesen, einen Gesetzentwurf zur Verschärfung der bestehenden Abtreibungsregeln auszuarbeiten. Vorgesehen ist offenbar, Abtreibungen nach der vierten Schwangerschaftswoche zu verbieten. Laut Gesundheitsministerium in Ankara soll das neue Gesetz noch vor der parlamentarischen Sommerpause im Juli beschlossen werden. Nach Ansicht vom Beobachtern verfolgt Erdogan mit der Reform bevölkerungspolitische Ziele. Der Premier habe aber auch religiös-moralische Motive.

Abtreibungen sind in der Türkei seit dem Jahr 1983 legal. Nach der derzeit geltenden Fristenregelung kann eine Frau eine Abtreibung bis zur zehnten Schwangerschaftswoche ohne Angabe von Gründen vornehmen lassen. Bei Gefahr für das Leben oder die Gesundheit der Mutter oder Behinderungen des Kindes sind Abtreibungen auch über diese Frist hinaus möglich.

wl/wa (dapd, afp, kna)