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Aktuell Nahost

Türkei zögert mit Hilfe für Kurden gegen IS

Der Lage für die Kurden im nordsyrischen Kobane im Kampf gegen die IS-Terroristen wird immer bedrohlicher. Die Türkei verspricht Hilfe, greift aber bislang nicht ein.

Die Türkei hat einem raschen Einsatz von Bodentruppen gegen die Terrormiliz "Islamischer Stadt" (IS) im Norden Syriens eine Absage erteilt. Dort setzen sich kurdische Kämpfer in der Enklave Kobane unter Aufbietung aller Kräfte dem Ansturm des IS zur Wehr. IS-Kämpfen gelang es trotzdem, in Kobane einzudringen. Sie lieferten sich in zwei östlichen Stadtvierteln heftige Kämpfe mit den Kurden, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London mitteilte. Mehr als 2000 Menschen seien aus der Stadt in Sicherheit gebracht worden, berichtet die Agentur Reuters. In Sichtweite der Enklave fuhren auf der anderen Seite der Grenze erneut türkische Panzer auf (Artikelbild).

"Wir werden alles nur Mögliche unternehmen, um den Menschen in Kobane zu helfen", sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu dem US-Sender CNN. "Doch Bodentruppen zu schicken, ist selbstverständlich eine andere Entscheidung." Wenn man in Kobane eingreife, müsse man in ganz Syrien intervenieren.

Nähe zur PKK

Kobane ist die letzte Bastion in einer Enklave, die von den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) kontrolliert wird. Deren Kämpfer sind mit dem syrischen Ableger der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden.

Die IS-Dschihadisten haben bereits mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobane eingenommen. Die Terrormiliz rückt immer näher heran. Erstmals hissten die Dschihadisten nach kurdischen Angaben ihre schwarze Fahne an einem verlassenen Wohngebäude der Stadt. Etwa 5000 Kurden stellen sich nach eigenen Angaben derzeit den IS-Extremisten entgegen.

Aus Hasaka, einer anderen kurdischen Enklave im Nordosten Syriens, werden neue Anschläge gemeldet. Innerhalb weniger Minuten hätten Selbstmordattentäter zwei Kontrollpunkte der Kurden am Stadtrand angegriffen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Dabei seien mindestens 30 kurdische Kämpfer und Sicherheitskräfte getötet worden.

"NATO sichert territoriale Unversehrtheit"

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte bei einem Besuch in Polen, sollte es Anzeichen geben, dass die Türkei bedroht sei, bestehe auch die Möglichkeit, Truppen zu entsenden. Die "Sicherung der territorialen Unversehrtheit der Mitglieder, auch der Türkei" sei die Hauptaufgabe des Bündnisses. Immer wieder schlagen Geschosse aus der umkämpften syrischen Grenzregion auf dem Terrain des Nachbarlandes ein.

Unterdessen berichtet die britische Zeitung "The Times", die

im September aus der Geiselhaft des IS freigekommenen Türken

seien gegen Dschihadisten ausgetauscht worden. Unter Berufung auf eine ihm vorliegende Liste schreibt das Blatt, es seien bis zu 180 gefangene Terroristen freigelassen worden. Der IS hatte im Juni fast 50 türkische Staatsbürger im Irak verschleppt und diese über mehrere Monate festgehalten.

jj/wl (dpa, afp, rtr)