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Aktuell Welt

Türkei wirft Papst "Kreuzzug-Mentalität" vor

Der diplomatische Zwist zwischen dem Vatikan und der Türkei geht weiter. Ankara fühlt sich von den "Völkermord"-Äußerungen des Papstes in Armenien erneut provoziert - und schlägt verbal zurück.

Es ist ein verschärfter Schlagabtausch, der sich zwischen dem Vatikan und der Türkei zum Ende des Armenien-Besuchs von Papst Franziskus abspielt. Die Erklärung des Pontifex, die Gräueltaten an den Armeniern seien als "Genozid" zu verurteilen, sei nicht objektiv und entspräche nicht der Realität, echauffierte sich der türkische Vize-Regierungschef Nurettin Canikli. Die Erklärung sei vielmehr "sehr unglücklich" und zeuge von einer "Kreuzfahrer-Mentalität" des Vatikans. Aus Sicht der Türkei handelt es sich bei den Vertreibungen und Ermordungen von Hunderttausenden Armeniern im Ersten Weltkrieg nicht um einen Völkermord.

"Papst baut Brücken, nicht Mauern"

Den "Kreuzfahrer"-Vorwurf wies der Vatikan prompt zurück. Franziskus sei kein Kreuzfahrer, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. "Der Papst versucht nicht Kriege zu organisieren, sondern Frieden zu schaffen", so Lombardi vor Journalisten im armenischen Etschmiadzin, wo sich das katholische Kirchenoberhaupt derzeit aufhält. Franziskus versuche vielmehr "Brücken, nicht Mauern" zu bauen. Mit keinem Wort habe er sich gegen die Türken geäußert.

Der Papst hatte den Begriff "Völkermord" bereits im April 2015 bei einer Gedenkmesse für die Armenier verwendet und damit heftige türkische Proteste ausgelöst. Damals drohte Staatspräsident Erdogan mit den Worten "Der geehrte Papst wird diese Art von Fehler höchstwahrscheinlich nicht wieder begehen". Er wolle ihn dafür "rügen und warnen".

Nun hat Franziskus beim Besuch des nationalen Genozid-Mahnmals in der armenischen Hauptstadt Eriwan erneut von "Völkermord" gesprochen, was nicht im Protokoll vorgesehen war. "Ich bete darum, dass es nie wieder Tragödien wie diese gibt und dass die Menschheit nicht vergisst", schrieb er ins Gästebuch der Gedenkstätte.

Papst Franziskus und Karekin II. Nersissian in Etschmiadsin, Armenien (Foto: Getty Images/AFP/T. Fabi)

Papst Franziskus (re.) und das armenische Kirchenoberhaupt fordern mehr Einsatz für Minderheiten

Die Reise nach Armenien stand ganz im Zeichen des Massakers an den Armeniern und dem Schutz von Minderheiten. Kurz vor Ende des Aufenthalts unterzeichnete Franziskus zusammen mit dem Oberhaupt der armenisch-apostolischen Kirche, Karekin II., eine gemeinsame Erklärung, die an den Völkermord am armenischen Volk erinnert. Sie spannten auch den Bogen zur aktuellen Flüchtlingskrise: Alle Menschen sollten "ihre Herzen und ihre Hände den Opfern von Krieg und Terrorismus, den Flüchtlingen und ihren Familien öffnen." Von der internationalen Gemeinschaft verlangten sie größere Anstrengungen zum Schutz von Rechtsstaatlichkeit und von religiösen sowie ethnischen Minderheiten.

vk/kle (kna, afp, dpa)

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