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Nahost

Türkei und Iran rücken enger zusammen

Bei einem Besuch in Teheran hat der türkische Ministerpräsident Erdogan Irans Atomambitionen und Ahmadineschads Kurs unterstützt. Welche gemeinsamen Interessen stehen hinter dem türkisch-iranischen Schulterschluss?

Recep Tayyip Erdogan Mahmoud Ahmadinejad

Es waren überschwängliche Worte, die der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan fand: "Es gibt keinen Zweifel daran, dass er unser Freund ist", hatte Erdogan der britischen Zeitung "Guardian" gesagt und den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad gemeint. Der wiederum bedankte sich auf seine Weise und lobte Erdogan für seine "klare Haltung" gegen das "zionistische Regime" in Israel.

Es sind Sätze, die besonders in Israel und den USA mit Besorgnis aufgenommen werden. Eigentlich gilt dort die Türkei als treuer Partner in der islamischen Welt. Doch Tayyip Erdogan und seine AKP-Partei kritisierten in letzten Jahren ungewöhnlich scharf die Politik Israels. Gleichzeitig verstärkten sie die Beziehungen zu Syrien und dem Iran.

Verhältnis zwischen Israel und der Türkei belastet

An diesem Mittwoch (28.10.2009) endete Erdogans dreitägige Iran-Reise, auf der eine künftig enge Zusammenarbeit beschlossen wurde: Die türkisch-iranischen Pläne sehen unter anderem eine gemeinsame Industriezone an der Grenze der beiden Länder und die Gründung einer gemeinsamen Fluggesellschaft vor. In den letzten zwei Jahren versechsfachten Iran und die Türkei das gemeinsame Handelsvolumen. Bis 2011 soll es auf 20 Milliarden US-Dollar anwachsen.

Zudem verteidigte Erdogan auch Irans Urananreicherung: Diese sei friedlich und für die Menschen da, sagt er und warnte vor einem israelischen Militärschlag gegen iranische Anlagen: Solch ein Angriff wäre "verrückt" und werde nicht nur für Iran schlimme Folgen habe, sagte er. "Wir sind gegen Atomwaffen im Nahen Osten. Aber es gibt im Nahen Osten ein Land mit Atomwaffen, Israel. Der Unterschied ist, Iran ist Mitglied der Internationalen Atomenergieagentur, Israel ist es nicht", sagte Erdogan.

Die Uranaufbereitungsanlage in Isfahan, Foto: ap

Weltweit umstritten, von der Türkei unterstützt: Die Uranaufbereitungsanlage in Isfahan

Traditionell gelten Israel und die Türkei als befreundet, es gibt viele Kooperationen im wirtschaftlichen, touristischen und sogar im militärischen Bereich. Nach Israels Angriffen auf den Gaza-Streifen im Januar 2009 reagierte die Türkei jedoch ungewöhnlich scharf. Auf dem Wirtschaftsforum in Davos Anfang des Jahres verließ Tayyip Erdogan die aus Protest die Bühne, die er sich mit Israels Präsident Schimon Peres teilen sollte. Anfang der Woche behauptete Erdogan dann, Israel habe den Bewohnern von Gaza mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. Das israelische Außenministerium dementierte das.

Erdogan: Keine neuen Allianzen auf Kosten des Westens

Die Türkei bemüht sich nun, die Wogen zu glätten. "Jeder weiß, wie wichtig das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel ist", sagte der neue türkische Botschafter in Israel am Donnerstag, "man muss aber auch die besondere Rolle der Türkei in der Region berücksichtigen." Auch Erdogan fand schließlich mildere Worte: Man werde weiter die Verbindung zu Israel suchen, sagte er in Teheran, und dabei "fair sein." Niemand müsse sich sorgen, dass die Türkei ihre Zusammenarbeit mit dem Westen aufkündige, um sie gegen neue Allianzen mit dem Osten auszutauschen.

Autor: Benjamin Hammer (dpa/ap)
Redaktion: Ina Rottscheidt

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