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Aktuell Europa

Türkei spricht Armeniern in Genozid-Debatte Beileid aus

Im Streit um die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich geht die Türkei einen kleinen Schritt auf die Nachfahren zu. "Wir teilen den Schmerz ihrer Kinder und Enkel", so Regierungschef Davutoglu.

In einer Erklärung des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu heißt es aus Anlass des 100. Jahrestags des Beginns der Ereignisse am 24. April: "Mit Respekt gedenken wir ein weiteres Mal der osmanischen Armenier, die bei den Deportationen 1915 ihr Leben verloren, wir teilen den Schmerz ihrer Kinder und Enkel." Der osmanischen Armenier werde am kommenden Freitag mit einer religiösen Zeremonie im Armenischen Patriarchat in Istanbul gedacht werden.

Der Forderung der Armenier, ihre Verfolgung 1915/1916 während des Ersten Weltkriegs durch osmanische Truppen als Völkermord anzuerkennen, verschloss sich die türkische Regierung aber erneut. "Alles auf ein einziges Wort zu reduzieren", und die Verantwortung pauschal "nur auf die türkische Nation" abzuwälzen, sei "rechtlich und moralisch problematisch", heißt es in Davutoglus Erklärung.

Doch der vergleichsweise versöhnliche Ton der Erklärung hebt sich ab von Ankaras scharfer Reaktion auf Papst Franziskus, der in seiner Messe im Petersdom zum 100. Jahrestag des Massenmords am Sonntag vor einer Woche Armenier als Opfer des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts bezeichnet hatte.

Während des Ersten Weltkriegs waren bei Massakern und Todesmärschen nach Erkenntnissen von Historikern bis zu 1,5 Millionen christliche Armenier ums Leben gekommen. Die damalige osmanische Führung unterstellte den Armenieren mangelnde Loyalität und Verbindungen zum Kriegsgegner Russland. Die Armenier selbst sprechen von einer gezielten Vernichtungskampagne des Osmanischen Reiches. Die Türkei, Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, spricht hingegen von einigen Hunderttausend Toten infolge von Kämpfen und Hungersnöten während des Krieges.

Deutsche Regierungsparteien einigen sich auf Formulierung

Das Europaparlament bezeichnet die Ereignisse schon seit 1987 offiziell als Völkermord. Die EU-Kommission vermeidet dagegen den Begriff Völkermord. Die Bundesregierung vermied bisher ebenfalls die Bewertung der Massenmorde als Genozid. In einem am Montag bekannt gewordenen Resolutionstext Text einigten sich die Spitzen von Union und SPD nun aber auf eine Formulierung, die den Begriff Völkermord enthält. In dem Antragsentwurf, über den der Bundestag am Freitag erstmals beraten soll, heißt es, das Schicksal der Armenier stehe "beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von denen das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist". Auch die Bundesregierung unterstützt den Antrag.

qu/wl (dpa, afp, APE)