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Politik

Türkei setzt auf Versöhnung mit USA

Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdoğan hat sich am Mittwoch zu Gesprächen mit US-Präsident George W. Bush getroffen. Wichtigstes Ziel der USA-Reise ist die Verbesserung der türkisch-amerikanischen Beziehungen.

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Eine Zweckgemeinschaft: Tayyip Erdoğan (li.) und George W. Bush

Die USA und die Türkei wollen nach den Spannungen der letzten beiden Jahre ihre strategische Partnerschaft
fortsetzen. US-Präsident Bush bezeichnete am Mittwoch (8.6.2005) in Washington nach Gesprächen mit dem türkischen Ministerpräsidenten die Demokratie in der Türkei als wichtiges Vorbild für die Länder im Nahen und Mittleren Osten. Erdogan sagte auf einer kurzen gemeinsamen
Pressekonferenz, die Türkei sei zufrieden, dass Bush die strategische Partnerschaft auch für die Zukunft bekräftigt habe.

Verlässlicher Partner ungehorsam

Das Verhältnis zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten war in der jüngsten Vergangenheit alles andere als entspannt. An vielen Stellen kriselte es zwischen Washington und Ankara.

Schuld an der Misere war in erster Linie die überraschende Entscheidung des türkischen Parlaments vom 1. März 2003, den US-Truppen die Südosttürkei als Aufmarschzone gegen den Irak zu verweigern. Für die Amerikaner war dieses Abstimmungsergebnis nicht nur eine militärische Niederlage, sondern auch eine große Enttäuschung, weil der bisher gehorsame Partner Türkei sich plötzlich gegen die USA stellte.

Unterschiedliche Vorstellungen

Für die Bonner Politik-Wissenschaftlerin Asiye Öztürk ist die Entscheidung im türkischen Parlament dadurch erklärbar, dass die USA und die Türkei unterschiedliche Ziele verfolgten: "Die Vorstellungen von Demilitarisierung und Regimewechsel im Irak glichen sich lediglich oberflächlich, da die Türkei als direkter Nachbarstaat langfristige Interessen hatte. Ihr Fokus lag auf der Erhaltung der nationalen und territorialen Integrität des Irak", schreibt die Autorin in einem Fachartikel.

Gleichzeitig sei der Bush-Administration nicht bewusst gewesen, "wie tief noch in der türkischen Bevölkerung die Frustration über die Folgen des Zweiten Golfkriegs verwurzelt war", so die Türkei-Expertin weiter.

Bis zur Parlamentsentscheidung war die Türkei aus Sicht der USA ein verlässlicher Partner im Nahen Osten. Gestärkt wurde das Bündnis zudem durch die Solidaritätsbekundungen der Türkei nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York im September 2001.

Wächterfunktion im Nahen Osten

Türkei - Istanbul

Die Kemal-Atatürk-Brücke in Istanbul

Beide Länder hatten ihre Ziele innerhalb einer gut funktionierenden Zweckgemeinschaft definiert: Die Türkei unterstützte die USA bei der Terrorbekämpfung und übernahm eine Wächterfunktion in der Region. Die Vereinigten Staaten wiederum stellten sich als große Schutzmacht hinter ihren Partner und waren einflussreicher Lobbyist für eine EU-Mitgliedschaft der Türkei.

US-Präsident Bush sah in der Türkei zudem einen Vorzeigestaat, mit dem er der Welt beweisen konnte, dass der Islam und eine demokratische Gesellschaft keineswegs widersprüchlich sind.

Neue Vertrauensbasis

Bei seinen Gesprächen mit dem amerikanischen Präsidenten wird Ministerpräsident Erdoğan sicher versucht haben, die ursprüngliche Vertrauensbasis zwischen beiden Ländern wieder herzustellen. Dies scheint gerade in Hinblick auf den wackeligen EU-Beitritt der Türkei besonders wichtig zu sein, denn die Türkei wünscht sich einen verlässlichen Partner:

"In einer Welt, in der niemand weiß, was mit der Europäischen Union geschieht, ist die USA der wichtigste Verbündete", kommentierte der Autor einer türkischen Tageszeitung den USA-Besuch Erdoğans.

Der türkische Ministerpräsident wollte gegenüber Bush insbesondere die Zypern-Frage ansprechen und die USA um Unterstützung in der Sache bitten. Er betonte, dass es an der Zeit sei, die Isolation der Zyperntürken so bald wie möglich aufzuheben. Als weitere Gesprächsthemen wurden die Bekämpfung der PKK, die Situation im Irak, der Kaukasus und Armenien genannt.

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