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Aktuell Nahost

Türkei rechnet mit bis zu 600.000 Flüchtlingen

Die türkische Regierung rechnet wegen der heftigen Kämpfe in der syrischen Provinz Aleppo mit einer neuen großen Fluchtwelle. Bundeskanzlerin Merkel verurteilt die Luftangriffe Russlands.

Der türkische Vizeregierungschef Numan Kurtulmus sagte nach einer Kabinettssitzung in Ankara, man müsss sich wegen der Kämpfe um Alepppo auf bis zu 600.000 weitere Flüchtlingen einstellen. Dies wäre dann aber der "schlimmste anzunehmende Fall".

Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad hatten in den vergangenen Tagen mit Unterstützung durch russische Luftangriffe eine Großoffensive gegen die bisherige Rebellenhochburg Aleppo gestartet. Nach Korrespondentenberichten sind die Truppen des Regimes inzwischen auch bis auf wenige Kilometer auf Tal Rifaat vorgerückt. Diese von Rebellen gehaltene Stadt ist etwa 20 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Grenze geschlossen

Zehntausende Syrer sind angesichts der Kämpfe an die Grenze geflohen. Die Türkei will die Menschen aber nichts ins Land lassen, sondern hat damit begonnen, die Flüchtlinge auf der syrischen Seite zu versorgen. Angesichts von 2,5 Millionen Syrern, die die Türkei aus dem Nachbarland aufgenommen hat, sieht sie sich durch den neuen Flüchtlingsansturm überfordert.

Bundeskanzlerin Merkel und der türkische Regierungschef Davutoglu in Ankara (Foto: Getty Images/AFP)

Bundeskanzlerin Merkel und der türkische Regierungschef Davutoglu in Ankara

Merkel kritisiert Russland

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die die Flüchtlingskrise am Montag bei einem Besuch der Türkei erörterte, verurteilte die russischen Luftangriffe in Syrien scharf. "Wir sind in den letzten Tagen nicht nur erschreckt, sondern auch entsetzt, was an menschlichem Leid für Zehntausende Menschen durch Bombenangriffe entstanden ist, vorrangig von russischer Seite", sagte Merkel in Ankara nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsident Ahmet Davutoglu.

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Endstation griechisch-mazedonische Grenze?

Die Kanzlerin kündigte an, das deutsche Technische Hilfswerk (THW) werde die Versorgung der im türkisch-syrischen Grenzgebiet gestrandeten Flüchtlinge unterstützen.

Merkel bemühte sich bei ihren Gesprächen mit der türkischen Führung, eine stärkere Kooperation zur Bewältigung der Flüchtlingskrise in Gang zu bringen. Wichtig sei, dass der Weg der Flüchtlinge aus Syrien über die Türkei nach Europa nicht illegal verlaufe, sondern "kontrolliert, legal und von uns organisiert", erklärte die Kanzlerin.

Ankara hat der EU zugesagt, die Grenzen besser zu schützen und die Flüchtlinge von der Weiterreise nach Europa abzuhalten. Im Gegenzug hat die EU der Türkei mindestens drei Milliarden Euro für die Versorgung der Flüchtlinge versprochen.

Deutsche Polizisten in die Türkei

Merkel kündigte gemeinsame Einsätze deutscher und türkischer Polizisten gegen den "illegalen Grenzübertritt" in der Türkei an. Auch die Zusammenarbeit bei der Aufdeckung von Schlepperringen werde fortgesetzt. Zudem müsse geprüft werden, wie die Arbeit der türkischen Küstenwache und der EU-Grenzschutzagentur Frontex in den Gewässern zwischen der Türkei und Griechenland koordiniert werden könne.

Außerdem wollen Deutschland und die Türkei die NATO in den Kampf gegen Schlepper in der Ägäis einbinden. Es müsse erörtert werden, inwieweit die Allianz die Überwachung des Seegebiets unterstützen könne, sagte die Bundeskanzlerin. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks gelangten seit Jahresbeginn 68.000 Flüchtlinge über die Türkei in den EU-Staat Griechenland.

wl/cw (dpa, afp, rtr)

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