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Aktuell Nahost

Türkei räumt Verletzung von Syriens Luftraum ein

Ankara versucht bislang, zurückhaltend auf den Abschuss eines türkischen Kampfjets durch die syrische Armee zu reagieren. Der Zwischenfall soll allerdings Thema bei einem NATO-Treffen werden.

Ein Kampfflugzeug vom Typ Phantom F4 der türkischen Luftwaffe bei der Landung (Foto: dpa)

Phantom F4 der türkischen Luftwaffe

Die Türkei hat eingeräumt, dass ihr am Freitag (22.06.2012) von der syrischen Luftabwehr abgeschossener Kampfjet den Luftraum des Nachbarlandes verletzt habe. Das sei ein Versehen gewesen, erklärte Außenminister Ahmet Davutoglu in Ankara. Es habe sich nicht um einen Spionageeinsatz gehandelt, betonte er im staatlichen Fernsehsender TRT.

Damaskus: Keine Entschuldigung gegenüber Ankara

Die Maschine vom Typ F-4 "Phantom" sei auf einem Trainingsflug in den syrischen Luftraum geraten, bei dem es einzig darum gegangen sei, die türkischen Radareinrichtungen zu testen. Die Piloten hätten schnell abgedreht, nachdem sie von der eigenen Flugkontrolle über den Fehler informiert wurden. Der Abschuss sei dann wenige Minuten später "in internationalem Luftraum" erfolgt, sagte Davutoglu weiter.

Der Luftzwischenfall belastet das ohnehin gereizte Verhältnis zwischen der Türkei und Syrien. Die Regierung in Damaskus wies inzwischen Medienberichte zurück, sie habe sich in Ankara entschuldigt. "Die syrischen Streitkräfte befanden sich auf syrischem Territorium, als sie den Jet abgeschossen haben", versicherte ein Sprecher des Außenministeriums in Damaskus nach Angaben der regierungsnahen Internetseite "Syria Now". "Wir hegen keine feindlichen Absichten gegen die Türkei", fügte der Sprecher demnach hinzu. Vielmehr habe die syrische Luftwaffe lediglich die Souveränität des Landes verteidigt. Das Militärflugzeug war vor der syrischen Küste abgeschossen worden und ins Meer gestürzt. Von den beiden Piloten fehlt bisher jede Spur. #video

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Türkei: Nach Kampfjet-Abschuss durch Syrien

Die Türkei reagierte bislang sehr zurückhaltend auf den Zwischenfall. Staatspräsident Abdullah Gül erklärte, bei Hochgeschwindigkeitsflügen sei es Routine, dass der Luftraum von Nachbarstaaten für kurze Zeit verletzt werden könne. "Diese Zwischenfälle geschehen nicht in böser Absicht, sie passieren wegen der Geschwindigkeit." Über eine Reaktion auf den Vorfall werde die Türkei entscheiden, wenn alle Details untersucht seien. Die NATO kündigte inzwischen an, zu einer Krisensitzung zusammenkommen kommen zu wollen. Der Nordatlantikrat werde am Dienstag (26.06.2012) in Brüssel auf der Grundlage von Artikel 4 des NATO-Vertrags über den Fall beraten, sagte eine Sprecherin des Bündnisses am Sonntag.

Ban begrüßt Zurückhaltung der Türkei

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte in einem Telefongespräch mit Minister Davutoglu die Zurückhaltung der Regierung in Ankara und forderte nach Angaben eines UN-Sprechers beide Seiten auf, die Angelegenheit auf diplomatischem, nicht auf militärischem Weg zu klären.

Vor Beginn der Protestbewegung gegen die autokratische Herrschaft des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im März 2011 galten Ankara und Damaskus als Verbündete. Inzwischen aber gehört die Türkei zu den schärfsten Kritikern des gewaltsamen Vorgehens des syrischen Regimes gegen die Opposition. Angesichts der anhaltenden Gewalt hat auch die Türkei den Rücktritt Assads gefordert.

Nach Angaben der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden am Samstag bei Angriffen der Armee und Gefechten zwischen Regierungstruppen und Aufständischen mindestens 97 Menschen getötet. Die meisten der Opfer seien Zivilisten. Bei Kämpfen mit Aufständischen seien 19 Soldaten der Regierungsarmee getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle weiter mit. Nach Schätzungen der UN sind seit Beginn des Aufstands gegen Assad mehr als 10.000 Menschen getötet worden.

sti/wl (dpa, dapd, afp)

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