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Aktuell Welt

Türkei: Keine Schule für hunderttausende Flüchtlingskinder

Zwei Drittel der syrischen Flüchtlingskinder in der Türkei gehen nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nicht zur Schule. Gründe dafür sind nicht nur ihre mangelnden Sprachkenntnisse.

Unterricht an türkischen Schulen findet meistens ohne syrische Flüchtlingskinder statt. Obwohl sie darauf eigentlich ein Anrecht haben, besuchen die meisten der fast 700.000 Kinder keine Schule. In ihrem aktuellen Bericht schätzt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) ihre Zahl auf mehr als 400.000. Während in den Flüchtlingslagern immerhin fast 90 Prozent der Schulpflichtigen ein Lernangebot bekommen, ist die Situation der Kinder, die außerhalb dieser Camps leben, deutlich schlechter. Von ihnen sind nur 25 Prozent an einer Schule angemeldet.

Formal erlaubt, praktisch schwierig

Zwar räumt die türkische Regierung einem Besuch formal keine Hindernisse in den Weg. Jedoch verfügen die meisten Kinder über keine ausreichenden Sprachkenntnisse und in der Praxis erhielten Nicht-Muttersprachler kaum Unterstützung. Der Zugang zu Bildungszentren in arabischer Sprache wiederum sei begrenzt. Freie Schulen werden nach Angaben syrischer Aktivisten von türkischen Behörden in ihrer Arbeit behindert.

Hinzu kommt noch die schwierige materielle Situation vieler Familien. So müssten Kinder arbeiten oder betteln, um zum Familienunterhalt beizutragen, heißt es in dem 62-seitigen Bericht.

Verheerrende Folgen für eine ganze Generation

Der Mangel an Schulbildung könnte verheerende Auswirkungen auf eine ganze Generation haben, warnte HRW. "Die Kinder werden auf der Straße landen oder zurück nach Syrien gehen, um zu kämpfen; sie werden zu Extremisten radikalisiert oder sie sterben auf dem Weg nach Europa im Meer", warnen die Autoren des Berichts. Die Türkei und die internationale Gemeinschaft müssten Schulunterricht für syrische Kinder in der Türkei sicherstellen, forderte die Organisation.

bri/sti (dpa, afp)