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Reise

Türkei: Der Konflikt und die Touristen

Viele Urlauber sind aus Angst vor Terror nicht gekommen. Der Putschversuch und die Verhängung des Ausnahmezustands lassen die Verunsicherung weiter wachsen. Das ist für die türkischen Urlaubsgebiete verheerend.

Leere Strände sind in diesem Jahr traurige Wirklichkeit in der Türkei. Das Land kommt nicht zur Ruhe: Auf Terroranschläge folgte ein Putschversuch - und nun auch noch der Ausnahmezustand. Pralle Sonne, stahlblauer Himmel, funkelndes Meer und gewaltige Berge: Weder die perfekte Urlaubskulisse noch die günstigen Preise oder der gute Service in den Hotels am Mittelmeer können so viele Touristen nach Antalya locken wie in den vergangenen Jahren.

"Der Tourismus in Antalya ist am Boden", sagt Basak Yilmaz. An ihrer Bar am sonst so beliebten Lara Beach wartet alles auf die Besucher: Der Rasen wird gesprenkelt, die hölzernen Wege über dem heißen Sand sind gefegt. Die Liegen stehen bereit, mt Handtuch reserviert ist keine. Die Sonnenschirme bleiben zusammengefaltet.

Wie soll das weitergehen?

"Schade", sagt Celal Kaya. Er wiederholt es immer wieder. Jedes Jahr kommt er mit seiner Frau Hafise her. Auch dieses Jahr sei das keine Frage gewesen, obwohl er am vergangenen Samstag beim Kofferpacken die Nachrichten sah und hörte: Teile der Streitkräfte in der Türkei haben geputscht. "In Antalya ist alles okay, alles ruhig", sagt er mit fester Stimme und blickt aufs Meer. "Wenn man europäisches Fernsehen sieht, sieht man nur Krieg, nur Militär. Hier ist kein Krieg!" Die Familie wohnt seit Jahren in der Schweiz, kommt aber aus der Türkei. Hier wird sie von Kellnern am Strand umgarnt: Es gibt Erdnüsse und Bier unterm Sonnenschirm. Die wenigen Kunden sind Könige.
Besucher Celal Kaya weiß, wie hart die Katastrophen-Nachrichten aus der Türkei die Branche getroffen haben. Seine Brüder leben wie viele Menschen an der Riviera im Süden des Landes vom Tourismus. Wie es weitergeht, wüssten sie nicht.

06.04.2016 DW Made in Germany Antalya

Hotelanlage in Antalya

Für Birol Baykal bedeutet das Wegbleiben der Gäste: "30 Prozent weniger Lohn in diesem Monat." Wenn er nicht gerade mit Touristen spricht, hat er Sorgenfalten im Gesicht. Er wirbt wie der 27-jährige Halil für Wassersport. Für Halil ist es der Job für die heiße Jahreszeit, im Sommer hält er es in Istanbul nicht aus. Jetzt schlägt er mit seinen zwei Kollegen am Stand die Zeit tot. "Die Situation ist echt schlecht." Der junge Mann mit seinen Tattoos am Arm und den bunten Klamotten fällt auch Vanja und Gert Wöllhaf auf. Sie faulenzen in ihren Liegestühlen. Ihnen täten die Leute leid, die den Touristen alles böten, was das Herz begehre. "Das ist eine Katastrophe für das Land, eine Katastrophe für die Leute", sagt Gert Wöllhaf. Die deutschen Touristen lassen es sich gutgehen. Verunsichert seien sie nicht - irritiert habe lediglich, als in der Nacht von Freitag auf Samstag plötzlich das Internet weg war. "Einfach stillgelegt", sagt Wöllhaf. Dann kamen die SMS aus Deutschland. "Wie geht's euch? Wir haben unseren Freunden geantwortet: Uns geht es gut, Panzer sind auch noch keine durchgefahren." Wöllhaf lacht, als er das sagt.

Angst lähmt das Geschäft

Die, die am Strand relaxen, sind entspannt. Doch viele sind gar nicht erst gekommen: Die staatliche Flughafenbehörde meldete für die erste Hälfte des laufenden Jahres einen Rekordrückgang der Zahl der Passagiere in Antalya von 47 Prozent im Vergleich zu 2015. Und auch eine Umfrage unter Deutschen spricht Bände: Die wenigsten geben an, dass sie die Türkei für ein sehr sicheres Reiseland halten. Jeder dritte Befragte sagt sogar: Die Türkei sei "sehr gefährlich".

"Antalya ist sexy - aber nicht nach einem versuchten Putsch oder Anschlägen", sagt Sefa Altinay, Vorsitzender des Verbands der türkischen Reiseveranstalter. Der Rückgang an Gästen betreffe vor allem die großen Anbieter. "Aber uns macht Sorgen, dass die Leute sich nicht trauen rauszugehen, Touren zu machen. Das ist für das Kleingewerbe tödlich."

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Türkische Rivera

Helena Schönbaum, Vorsitzende des Antalya Business Networks, ein Netzwerk deutschsprachiger Geschäftsleute in Antalya, hat einen guten Überblick, wie es der Branche geht. "Aber es war ja immer irgendwas. Wir hangeln uns von Monat zu Monat." Spricht man mit den Menschen in Antalya, hört man eines immer wieder: Dass sie erwartet hätten, dass sich Deutschland solidarischer zeigt. "Einen Freund lässt man nicht im Stich", sagt etwa Hotelbesitzerin Hamamcioglu. Viele fühlen sich im Stich gelassen - von der deutschen Politik, aber auch von den einstigen Touristen. Aber nur wenige leugnen, dass die Probleme auch im eigenen Land zu suchen sind. Dass es die angespannten Umstände und die politische Lage ist, die Touristen in diesem Sommer eher nach Griechenland oder Spanien treiben. Offen wollen aber die meisten nicht darüber sprechen.

is/at (dpa)