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Aktuell Nahost

Türkei bombardiert Kurden in Nordsyrien

Die türkische Armee hat im Norden Syriens Gebiete unter kurdischer Kontrolle beschossen. Die kurdischen Einheiten gehören im Kampf gegen die Terrororganisation IS in Syrien zum wichtigsten Verbündeten des Westens.

Ein türkischer F-16-Kampfjet (Foto: Reuters)

Ein türkischer F-16-Kampfjet

Die türkischen Streitkräfte haben der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge die Angriffe auf Kurdenstellungen in der nordsyrischen Provinz Aleppo bestätigt. Man habe Ziele in den von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollierten Gebieten nahe der Stadt Asas bombardiert, zitierte Anadolu Militärkreise. Bei einem weiteren Angriff sei der Beschuss eines türkischen Postens in der südlichen Region Hatay durch syrische Regierungstruppen erwidert worden.Die oppositionsnahe Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte teilte mit, dass die türkische Armee offenbar schon den zweiten Tag in Folge die Stellungen der Kurden-Miliz beschossen hätte. Dabei seien zwei kurdische Kämpfer getötet worden.

Ähnlich wie die Militärkreise äußerte sich Regierungschef Ahmet Davutoglu, der von Anadolu mit den Worten zitiert wurde: "Im Rahmen der Einsatzregeln haben wir auf Kräfte in Asas und Umgebung geantwortet, die eine Bedrohung darstellten." Offenbar mit Blick auf die Partei der Demokratischen Union (PYD), deren bewaffneter Ableger die YPG sind, sprach Davutoglu von einer "Terrorgruppe, die ein Arm des syrischen Regimes ist" und die bei den "russischen Luftangriffen gegen Zivilisten kollaboriert".

Zuvor hatte schon die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien von den Bombardierungen berichtet. Demnach richteten sich die Angriffe gegen den Luftwaffenstützpunkt Minnigh, der erst vor wenigen Tagen von den YPG eingenommen wurde. Die Angaben der den Rebellen nahestehenden Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite allerdings nur schwer zu überprüfen. Die syrischen Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad hatten die Kontrolle über den Flughafen bereits im August 2013 verloren.

Verbündete im Kampf gegen den IS

Die YPG kontrollieren große Teile der kurdischen Siedlungsgebiete im Norden Syriens. Für Washington sind die Kurden wichtige Verbündete im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien. Washington unterstützt die PYD militärisch. Aus Sicht der türkischen Führung sind die PYD und die YPG hingegen "terroristische Organisationen" und stehen auf einer Stufe mit der von ihr bekämpften, in der Türkei aktiven Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

"Die Führungsstruktur und die Ideologie von PKK und PYD sind identisch", sagte Regierungschef Davutoglu. "Diejenigen, die sagen, sie seien keine Terrorgruppen, kennen entweder die Region nicht oder haben schlechte Absichten", betonte er mit Blick auf die Haltung Washingtons.

Abgeriegelter Korridor

Die USA riefen die Türkei zum Stopp der Angriffe in Nordsyrien auf. Ankara müsse "den Beschuss beenden", sagte US-Außenamtssprecher John Kirby. Zugleich rief er die Kurden auf, kein Kapital aus den Kämpfen zwischen syrischen Truppen und Rebellen zu schlagen.

Die Stadt Asas liegt in dem von Rebellen wie der islamistischen Nusra-Front kontrollierten Korridor, der von der türkischen Grenze bis nach Aleppo führte. Die syrischen Regierungstruppen haben ihn bereits vor Tagen abgeriegelt. Der Korridor grenzt auch an das Kurdengebiet im Norden Syriens. Dort haben kurdische Kämpfer mit Unterstützung der russischen Luftwaffe die Rebellen von dem Militärflughafen Minnigh und aus einem Dorf südlich von Asas vertrieben.

pab/haz (afpd, dpa, rtrd)