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Krieg in Syrien

Türkei beendet Militäreinsatz in Syrien

Sieben Monate dauerte der Militäreinsatz der Türkei im Norden Syriens. Nun hat Ankara die Operation für beendet erklärt. Ob die Soldaten auch abgezogen werden, bleibt allerdings offen.

Der nationale Sicherheitsrat unter Führung von Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, die Offensive gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und kurdische Milizen sei "erfolgreich abgeschlossen" worden. Unklar blieb, ob die Türkei ihre Soldaten aus dem Nachbarland abziehen wird. Regierungschef Binali Yildirim schloss weitere Einsätze der türkischen Armee in Syrien nicht aus.

IS und Kurden im Visier

Die türkische Armee war im vergangenen August im Norden des Nachbarlandes interveniert, um die IS-Miliz von der türkischen Grenze zurückzudrängen. Im Visier hatte die türkische Armee aber auch die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die eng mit der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden sind. Die Regierung in Ankara betrachtet die PKK und die YPG als terroristische Vereinigungen.

Die türkische Armee und verbündete syrische Rebellen hatten die IS-Miliz im Zuge des Einsatzes "Schutzschild Euphrat" aus mehreren Städten im Grenzgebiet verdrängt. Sie erzielten mit der Eroberung der Grenzstadt Dscharablus und anderer Orte zunächst rasche Erfolge, doch geriet die Offensive vor al-Bab ins Stocken. Nach wochenlangen Kämpfen drangen die türkischen Soldaten mit Unterstützung syrischer Rebellen schließlich im Februar in die letzte IS-Hochburg in der Provinz Aleppo ein.

Evakuierung von vier Städten

Derweil wurde bekannt, dass nach mehr als zwei Jahren der Belagerung vier Städte in Syrien evakuiert werden sollen. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, gilt die am Dienstagabend erzielte Vereinbarung für die von Regierungstruppen belagerten Städte Sabadani und Madaja bei Damaskus sowie die von bewaffneten Aufständischen umzingelten schiitischen Ortschaften Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib.

Die Einigung sei auf Vermittlung Irans und Katars erfolgt, erklärte die Beobachtungsstelle. Vorgesehen sei auch, dass die syrische Regierung die Freilassung von 1500 "politischen" Gefangenen veranlasst, die seit Beginn des Bürgerkriegs vor sechs Jahren inhaftiert wurden. Ein Zeitrahmen dafür wurde allerdings nicht genannt. Katar unterstützt im syrischen Bürgerkrieg die Rebellen, der Iran die Regierung von Staatschef Baschar al-Assad.

Die Evakuierung werde voraussichtlich erst ab dem 4. April beginnen, als Zeichen des guten Willens sei aber bereits in der Nacht eine Waffenruhe in Kraft getreten, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. "Es ist dort jetzt ruhig", fügte er hinzu. Der Syrische Arabische Rote Halbmond ist in die Evakuierungsaktionen einbezogen. 

Warnung der UN

Die UN hatte im Februar vor einer humanitären Katastrophe in den vier Städten gewarnt. Die Lage in Sabadani, Madaja, Fua und Kafraja sei verheerend, dort seien "60.000 unschuldige Menschen" eingeschlossen, die dringend Hilfe benötigten.

Die den Rebellen nahestehende  Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien stützt sich nach eigenen Angaben auf ein Netz von Informanten in Syrien. Ihre Angaben gelten als glaubhaft.

cr/kle (afp, dpa)