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Es wird weiter gemordet: Diplomatie am Ende?

Türkei: Autopsie bestätigt Einsatz von Chemiewaffen in Syrien

Immer mehr Indizien deuten auf eine Verantwortung des Assad-Regimes für das Blutbad in der Provinz Idlib hin. Der Westen schlägt härtere Töne an, gegen den syrischen Staatschef und auch gegen Russland.

Türkei WHO Experten in Adana (picture-alliance/AP Photo/DHA-Depo)

WHO-Experten in Schutzanzügen bei den Autopsien in einer Klinik im türkischen Adana

Die Untersuchung von Opfern des Bombardements in der syrischen Provinz Idlib hat nach Angaben der türkischen Regierung die Bestätigung erbracht, dass Chemiewaffen zum Einsatz kamen. Die Freisetzung von Giftgas am 4. April in der nordsyrischen Provinz Idlib sei durch die Autopsien nachgewiesen worden, sagte der türkische Justizminister Bekir Bozdag laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Anadolu. Man habe zudem ermittelt, dass die C-Waffen von der syrischen Führung unter Machthaber Baschar al-Assad eingesetzt worden seien.

Die Autopsie mehrerer Leichen fand in der südtürkischen Stadt Adana statt. Dorthin waren nach dem Luftangriff vom Dienstag insgesamt 32 Verletzte gebracht worden, drei von ihnen starben jedoch im Krankenhaus. Nach Angaben Bozdags nahmen Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen die Autopsie vor (Artikelfoto).

Bei dem Angriff auf die von Rebellen kontrollierte Kleinstadt Chan Scheichun waren nach Angaben von Aktivisten mindestens 86 Menschen getötet worden, viele weitere Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der WHO zeigten die Verletzten typische Symptome, die bei Kontakt mit sogenannten Nervenkampfstoffen auftreten.

Russen und Iraner am Pranger 

Westliche Vertreter, unter ihnen US-Präsident Donald Trump, beschuldigten Assad. Die Außenministerien in London und Paris machten deutlich, dass man den Staatschef früher oder später zur Verantwortung ziehen müsse. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Assad als "Mörder".

Nach dem verheerenden Angriff stehen auch Moskau und Teheran als Unterstützer Assads wieder verstärkt am Pranger. Nach Darstellung des Syrien-Verbündeten Russland setzten die syrischen Regierungstruppen in Chan Scheichun nicht selbst Giftgas ein: Die syrische Luftwaffe habe vielmehr ein von Rebellen genutztes Lager mit Giftstoffen getroffen, so die Darstellung des Verteidigungsministeriums in Moskau. Kremlsprecher Dmitri Peskov räumte immerhin ein, dass es sich um ein "abscheuliches Verbrechen" handele, warnte aber erneut vor voreiligen Schlüssen über die Täter. Syrische Oppositionsgruppen wiesen die russischen Erklärungen als "Lüge" zurück. 

Das syrische Außenministerium ließ verbreiten, die syrische Armee sei nicht im Besitz chemischer Waffen und man habe auch nicht die Absicht, diese zu bekommen oder zu verwenden. Außenminister Walid Muallem wiederholte vor der Presse in Damaskus, der Luftschlag habe einem Waffendepot der islamistischen Fateh al-Sham-Front gegolten, früher bekannt als Al-Nusra-Front. 

USA | Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen Nikki Haley mit Fotos syrischer Opfer (Reuters/S. Stapelton)

US-Botschafterin Haley präsentiert bei den UN in New York Fotos der syrischen Opfer

US-Außenminister Rex Tillerson reist am kommenden Dienstag nach Moskau. Er sagte, Russland solle wegen des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien seine Unterstützung für Assad überdenken. Die USA hätten "keine Zweifel" daran, dass die syrische Regierung für die "schreckliche Attacke" verantwortlich sei. Tillerson hatte Moskau eine "moralische Verantwortung" für die Toten gegeben. 

Trumps "Problem" Russland 

Präsident Trump sieht Russland laut seiner Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, als "Problem" an. Die US-Regierung mache der russischen Seite deutlich, was sie von deren Handeln halte, so Haley in einer Rede beim Women in the World Summit in New York. Am Vortag hatte sie angesichts der Blockade im Weltsicherheitsrat einen Alleingang der USA gegen Assad angedeutet.

Der Präsident selbst hatte gesagt, Assad habe "viele, viele Linien" überschritten, aber nicht erklärt, wie eine mögliche Strategie Washingtons aussehen könnte. Er deutete aber wieder einmal militärische Schritte an mit der Floskel, er werde solche Schritte natürlich nicht im Voraus verraten. Die syrische Führung werde ein Zeichen erhalten, drohte Trump. 

SC/gri (afp, APE, rtre, Botschaft SAR Berlin)

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