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Politik

Tödliches Neujahr in Thailand

Thailändische Neujahrsfeste sind nicht nur geprägt von großen Wasserschlachten - auch übermäßiges Trinken gehört dazu. Deshalb führt das Land jedes Jahr wieder einen Kampf gegen den Verkehrstod.

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Es herrscht Ausnahmezustand im Königreich: Sperren verwandeln die Hauptstraβen Thailands in Schleichwege, Autofahrer werden vor jeder gröβeren Stadt aus ihren Wagen gezerrt und überprüft, jüngst installierte Überwachungskameras kontrollieren die Schnellstraβen, Freiwillige stehen an Tankstellen bereit, um Wagen zu inspizieren. Was Gesamtdeutsche an düstere Bilder an der deutsch-deutschen Grenze erinnert, dient nur der Sicherheit der Bevölkerung – am Wochenende (10./11.04.) begannen die zehn gefährlichsten Tage des Landes: Songkhran, das thailändische Neujahr.

Zu Silvester wird hier geböllert, während des Chinesischen Neujahrsfestes wird gefeiert, und über Songkhran wird gespritzt. Traditionell begehen die Thailänder ihr neues Jahr mit jeder Menge Wasser. Geschädigt durch die Hitze des Frühlings, führt das Land tagelang aberwitzige Wasserschlachten. Da muss alles herhalten, von einfachen Eimern bis hin zu übergroβen Wasserpistolen, und niemand entgeht dem Nass. Karneval? Fasnacht? Nicht zu vergleichen mit dem Wasserfest dieser Woche.

Gefährliche Tage

Drei Feiertage sind es eigentlich nur, aber kaum jemand arbeitet diese Woche. Viele nutzen die Zeit, um ihre Familien zu besuchen, und auf den Straβen um Bangkok herum geht nichts mehr: Massenstau. Und weil die Thais gerne trinken, wenn sie feiern, sterben jährlich Hunderte in Verkehrsunfällen während der tollen Tage. Letztes Jahr wiesen die Bilanzen in einer Woche mehr als 36.000 Verletzte und 650 Tote auf; fast alle davon saβen auf Motorrädern, ohne Helm, ohne Licht und vollkommen betrunken.

Alljährlich bereitet Thailand sich auf wildgewordene Verkehrsteilnehmer vor. Krankenhäuser bestellen Blutkonserven vor. Die Polizei droht, Promille-Kriminelle einzukerkern. Jeder Arzt schiebt freiwillig Notdienst. 15.000 Rettungskräfte stehen an 500 Erste-Hilfe-Stationen bereit. Tankstellen verkaufen keine alkoholischen Getränke. Das alles, um die Zahl der Verkehrstoten zu senken. Dieses Jahr hat das Verkehrsministerium die öffentlichen Fernbusunternehmen zum ersten Mal gezwungen, ihre Preise um 40 Prozent zu senken, damit mehr Menschen ihr Auto in der Garage lassen.

Geld über Leben

Aber all das hilft nur bedingt. Wen kümmern die grässlichen Plakate an den Ausfallstraßen Bangkoks, wenn es zum Familientreffen geht? Am Wochenende starben bereits 80 Menschen im Feierverkehr, fast 2.000 wurden verletzt. Zwar liegen die Zahlen damit ein wenig niedriger als im Vorjahr, aber 80 Alkoholopfer sind 80 zuviel.

Laut der Regierungspartei aber scheint dies völlig akzeptabel zu sein. Sie warf letzte Woche der Nationalen Stiftung zur Gesundheitsförderung, die indirekt dem Gesundheitsministerium untersteht, vor, Gelder zu verprassen. Die Stiftung hatte umgerechnet 560.000 Euro für die gefährliche Neujahrzeit zur Seite gelegt. Damit wurden Alkoholtests, Geschwindigkeitsmesser und Helme gekauft und Plakate gedruckt, die die Auto- und Motorradfahrer davor warnen, sich alkoholisiert ans Steuer zu setzen. Der stellvertretende Premierminister beklagte die hohen Summen und will zusehen, dass nächstes Jahr deutlich weniger Geld zur Verfügung stehen wird. Soll die Bevölkerung sich doch selbst um ihre Sicherheit auf den Straβen kümmern. Wenn der gute Mann schon kein Herz hat, sollte er wenigstens fähig sein zu rechnen – immerhin führten die Straβentode 2004 zu einem wirtschaftlichen Schaden von 64 Millionen Euro.