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Kultur

Tödliches Ende der "Operation Hoffnung"

Die weltweit erste Trennung erwachsener Siamesischer Zwillinge hat ein tragisches Ende gefunden. Die iranischen Schwestern starben kurz nacheinander an den Folgen des spektakulären Eingriffs.

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Der Tod der beiden Zwillingsschwestern Ladan und Laleh Bijani beendete die unkalkulierbare Operation, in der ein internationales Ärzteteam versuchte, die eng aneinanderliegenden Gehirne und Blutgefäße der Schwestern zu trennen. Die 29-jährigen Iranerinnen starben am Dienstag (8. Juli 2003) im Abstand von eineinhalb Stunden in Singapur. Nach Krankenhausangaben hatten die Zwillinge extrem viel Blut verloren. Die Ärzte versuchten vergeblich, ihren Kreislauf zu stabilisieren. Die iranische Regierung drückte ihre Trauer über den Tod der Schwestern aus.

Noch am Dienstagvormittag (Ortszeit) war Hoffnung auf einen erfolgreichen Ausgang der Operation aufgekeimt, nachdem die Klinik von der erfolgreichen Trennung der eng miteinander verwachsenen Gehirne der Schwestern berichtet hatte. Am frühen Nachmittag versagte dann bei Ladan der Kreislauf, woraufhin sie gegen 14.30 Uhr starb. Laleh habe sich zu diesem Zeitpunkt noch in kritischem Zustand befunden, hieß es vom Krankenhaus. Etwa eine Stunde später brach auch ihre Blutzirkulation zusammen. Gegen 16.00 Uhr gaben die Mediziner schließlich ihre Versuche auf, sie zu retten.

Operation unter allen Umständen

Ernste Probleme hatte es nach Angaben des Vorsitzenden der Raffles-Klinik, Loo Choon Yong, bereits am Montag gegeben, als ein in den Köpfen eingepflanzter Bypass verstopfte. Daraufhin sei den Angehörigen angeboten worden, die Operation abzubrechen. "Wir haben sie gefragt, was der Wunsch von Ladan und Laleh wäre. Da wurde uns gesagt, ihr Wunsch sei es, unter allen Umständen fortzufahren."

Hätte man den Eingriff gestoppt und die Schwestern auf die Intensivstation gebracht, hätte es ein großes Infektionsrisiko gegeben, sagte Loo. "Wir wussten, dass das Risiko groß sein würde. Wir wollten helfen, die Wünsche der Zwillinge zu erfüllen."

Internationales Ärzteteam

Singapur siamesische Zwillinge

Dr. Keith Goh, leitender Chirurg der riskanten Operation

An der Operation, die am Sonntag begonnen hatte, waren 28 Spezialisten aus aller Welt und rund 100 Assistenten beteiligt. Die Ärzte hatten schon früh darauf hingewiesen, dass eine oder beide Schwestern den Eingriff nicht überleben oder auch bleibende Schäden davontragen könnten. Der Leiter des Eingriffs, der Singapurer Neurochirurg Keith Goh, hatte nach wochenlangen Tests den Eingriff für machbar gehalten. Noch nie zuvor waren am Kopf verbundene Siamesische Zwillinge im Erwachsenenalter getrennt worden.

Unmittelbar vor der Operation hatten sich die Zwillinge noch sehr zuversichtlich gegeben und mit Begleitern viel gelacht und Witze gemacht. Mehrfach hatten sie betont, dass eine Trennung ihr Lebenstraum sei und sie dafür auch das Risiko in Kauf nehmen wollten. Auf die Frage während einer Pressekonferenz, wie sie über die Möglichkeit dächten, dass eine von beiden den Eingriff nicht überleben könnte, sagte Ladan: "Darüber denken wir nicht nach."

Sie wollten eigenständige Persönlichkeiten sein

Beide Schwestern haben trotz ihres gemeinsamen Lebens unterschiedliche Persönlichkeiten und Vorlieben entwickelt. Während Laleh gerne Journalistin werden wollte, wollte Ladan als Anwältin arbeiten. "Wir sind zwei komplett verschiedene Individuen, die aneinander gebunden sind. Wir haben unterschiedliche Lebensstile und sehen die Welt auch sehr verschieden", sagte sie vor dem Eingriff. "Wir möchten uns endlich ansehen, ohne einen Spiegel zu brauchen."

Ladan und Laleh Bijani waren auf Singapur aufmerksam geworden, nachdem dort im Frühjahr 2001 ebenfalls unter der Leitung von Keith Goh erfolgreich ein ebenfalls an den Köpfen verbundenes Siamesisches Zwillingspaar getrennt worden war. Die beiden aus Nepal stammenden Mädchen waren zum Zeitpunkt des Eingriffs elf Monate alt. (pf)