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Asien

Tödlicher NATO-Luftangriff in Afghanistan

Bei einem Luftschlag im Osten Afghanistans sind offenbar Kinder getötet worden. Die Hintergründe des Vorfalls sind noch unklar. Der Einsatz wird nun untersucht - es ist nicht der erste Zwischenfall solcher Art.

Soldat mit Maschinenpistole, im Hintergrund verschleierte Frauen (Foto: AP)

Zum wiederholten Mal innerhalb kurzer Zeit wurden Zivilisten Opfer von NATO-Angriffen

Es steht Aussage gegen Aussage. Wie so oft. Die ISAF nimmt den Vorfall nach eigenen Angaben sehr ernst und will ihn untersuchen. In einer ersten Stellungnahme der Afghanistan-Schutztruppe heißt es, dass ein Außenposten in Kunar mit zwei Raketen beschossen worden sei. Daraufhin hätten die ISAF-Soldaten das Feuer erwidert und Luftunterstützung angefordert. Dass durch den Beschuss aus der Luft Kinder ums Leben gekommen sein sollen, habe man über die Medien erfahren. Es werde jetzt eine schnelle gemeinsame Untersuchung mit den afghanischen Behörden geben.

Nicht der erste Vorfall

Nach Angaben des örtlichen Polizeichefs sollen insgesamt neun Kinder getötet worden sein, als sie gerade dabei waren, Holz zu sammeln. Ein weiteres Kind sei verletzt worden. Die Provinz Kunar liegt im Osten Afghanistans direkt an der Grenze zu Pakistan. Dort siedelt vor allem die Bevölkerungsgruppe der Paschtunen, in der die Taliban ihre Wurzeln haben. Es ist ein Gebiet, in dem die Islamisten mit ihren Ansichten auf Zustimmung stoßen und leicht untertauchen können, während die westlichen Truppen von vielen als Besatzer empfunden werden.

Landschaft in der Provinz Kunar (Foto: DW)

Landschaft in der Provinz Kunar

Schon vor knapp zwei Wochen war es in Kunar zu einem schweren Zwischenfall gekommen, bei dem ebenfalls Aussage gegen Aussage steht. Bei einer mehrtägigen Offensive der ISAF wurden nach lokalen Angaben 65 Zivilisten getötet, vor allem Frauen und Kinder. Auch hier soll es zu Luftangriffen gekommen sein.

Sinkendes Image

Ein direkt von Präsident Karsai eingesetztes Untersuchungsteam hat diese Angaben inzwischen bestätigt, während die NATO ihre eigenen Ermittlungen noch nicht vollständig abgeschlossen hat. Gegenüber den Medien ist nach wie vor davon die Rede, dass bei der Operation ausschließlich Aufständische getötet worden seien. Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Organisation "Afghan Rights Monitor" mehr als 2400 Zivilisten getötet worden. Das sind so viele wie noch nie seit Kriegsbeginn 2001. Und auch wenn die Anschläge der Taliban für die meisten zivilen Opfer verantwortlich sind: Das Ansehen der Schutztruppe in der Bevölkerung sinkt mit jedem Vorfall.

Autorin: Sandra Petersmann
Redaktion: Esther Felden