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Nachrichten

Tödliche Schweinegrippe

In Mexiko sind vermutlich 68 Menschen an einer von Schweinen auf den Menschen übergesprungenen Grippeinfektion gestorben. Wissenschaftler vermuten, dass es sich um einen neuen Stamm von Erregern handeln könnte.

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Aus Angst vor einer Ansteckung tragen viele Mexikaner einen Mundschutz

Mindestens 1004 Personen sind an der gefährlichen Grippe erkrankt. In dem neuen Erregerstamm vermischt sich genetisches Material von Schweinen, Vögeln und Menschen. "Wir sind sehr, sehr besorgt", sagte ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag (24.04.2009) in Genf. "Wir scheinen ein neuartiges Virus zu haben, und es hat sich von Mensch zu Mensch verbreitet." Die Behörde erforscht Wechselwirkungen zwischen der Schweinegrippe, der zuletzt stark beachteten Vogelgrippe und den Grippeerkrankungen beim Menschen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch neue Subtypen der Erreger auch eine erhöhte Gefahr für eine tödliche Grippe-Epidemie bei Menschen entsteht.

US-Wissenschaftler erklärten, einige der Toten seien dem selben neuen Stamm von Schweinegrippe-Erregern zum Opfer gefallen, an dem auch in Texas und Kalifornien mindestens acht Menschen erkrankt sind. Ein Sprecher des Instituts für Gesundheitsvorsorge in Washington zeigte sich "sehr besorgt". Das Weiße Haus verfolge die Entwicklung "aufmerksam", sagte Sprecher Reid Cherlin. Präsident Barack Obama sei über den Stand der Dinge vollständig informiert worden. In den USA waren Ausbrüche der Schweine-Influenza bereits in den Jahren 1976, 1986 und 1988 registriert worden.

Experten befürchten Pandemie

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Der mexikanische Gesundheitsminister Jose-Cordova spricht bereits von 60 Todesfällen

Die WHO befürchtet den Beginn einer weltweiten Epidemie. Falls eine internationale Verbreitung bestätigt werde, würde dies die WHO-Kriterien für einen Pandemie-Alarm erfüllen. Bei dem Virus handelt es sich um eine unbekannte Mutation des H1N1-Virus. Bisher konnte der Virus, der in den 70er Jahren zum ersten Mal aufgetaucht war, lediglich bei 20 Toten nachgewiesen werden. Allein 13 der bestätigten Todesfälle wurden in Mexiko-Stadt registriert. Vier Fälle gab es in der zentral gelegenen Stadt San Luis Potosi, zwei nahe der US-Grenze in Baja California und einen Fall im südmexikanischen Staat Oaxaca. In den übrigen Todesfällen konnte nach Angaben des mexikanischen Gesundheitsministeriums der Virus noch nicht eindeutig identifiziert werden. Gesundheitsminister José Córdova Villalobos sagte, es handele sich um eine "kontrollierte Epidemie".

In der Hauptstadt Mexiko-Stadt mit ihren rund 20 Millionen Einwohnern wurde am Freitag vorsorglich der Schulunterricht abgesagt. Um die weitere Ausbreitung der Epidemie aufzuhalten, ordneten die Behörden zudem die Schließung aller Museen, Büchereien und der staatlichen Theater in der Millionenmetropole an. Die Regierung hält 500.000 Impfeinheiten bereit. Sie sind für Mitarbeiter im Gesundheitsdienst vorgesehen, die das höchste Ansteckungsrisiko haben.

Zu wenig Impfstoff

Für die allgemeine Bevölkerung stehen keine Impfstoffe parat. Die Behörden riefen die Menschen auf, Krankenhäuser zu meiden. Auch sollte man auf die sonst zur Begrüßung üblichen Küsse und das Händeschütteln verzichten. Sicherheitskräfte am internationalen Flughafen von Mexiko-Stadt befragten Passagiere, um damit zu verhindern, dass möglicherweise infizierte Personen an Bord gehen und die Krankheit weiter verbreiteten. Präsident Felipe Calderon sagte eine geplante Reise ab und traf sich mit dem Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung.

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Vorerst keine Massenimpfung! Wer sich sich schützen will, muss Menschenansammlungen meiden

Die US-Gesundheitsbehörden erklärten, die Bürger bräuchten nicht auf Reisen in das Nachbarland zu verzichten, solange gängige Vorsichtsmaßnahmen wie häufiges Händewaschen eingehalten würden. Auch für Deutschland besteht offenbar keine akute Gefahr. Wie das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) auf der Insel Riems erläuterte, habe es in Deutschland in den vergangenen Jahren keinen Fall von Schweinegrippe gegeben. Die Krankheit ist hierzulande nicht meldepflichtig. Auffällig ist, dass der neue Erreger seine Opfer bislang in einer Bevölkerungsgruppe gefunden hat, die normalerweise eher weniger anfällig ist: junge Leute und Erwachsene mittleren Alters. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die üblicherweise anfälligsten Gruppen - Alte und Kleinkinder - gegen andere Grippeviren geimpft worden sind und das diese Impfungen auch etwas Schutz vor dem neuen Erreger bieten.

Spanische Grippe kostete 40 Millionen Menschenleben

Wissenschaftler warnen schon seit längerem davor, dass ein neues Grippevirus eine Pandemie, eine weltweite Ausbreitung der Infektion, auslösen könnte. Bei der Spanischen Grippe 1918/19, der schwersten bislang bekannt gewordenen weltweiten Erkrankungswelle, starben mindestens 40 Millionen Menschen. Der Erreger war ursprünglich ein reines Vogelvirus.

Pandemien variieren in ihrer Stärke. Die letzten beiden, 1957 und 1968, waren relativ mild, dabei starben zwei beziehungsweise eine Million Menschen. Was aber bei einer weiteren weltweiten schweren Erkrankungswelle tatsächlich passieren würde, ist auch für die Forscher derzeit nur schwer abzusehen. Im Schnitt liegen nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO 27,5 Jahre zwischen zwei Pandemien.(fg/AP/AFP)


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