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Europa

Tödliche Schüsse vor jüdischer Schule in Toulouse

Vor einer jüdischen Schule in Toulouse hat ein Unbekannter mehrere Menschen niedergeschossen. Mindestens vier Menschen wurden dabei getötet. Offenbar hat der Täter in der Region bereits mehrere Morde begangen.

Ein Unbekannter hat vor einer jüdischen Schule in der südfranzösischen Stadt Toulouse nach Angaben der Polizei mehrere Menschen getötet oder verletzt. Darunter seien ein Religionslehrer und seine beiden Kinder im Alter von drei und sechs Jahren, teilte der zuständige Staatsanwalt Michel Valet nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP mit. Das vierte Todesopfer sei zehn Jahre alt gewesen. Weitere Menschen seien verletzt worden, hieß es. Der Täter floh den Augenzeugen zufolge auf einem Motorroller. Nach Angaben der Polizei hatte er 15 Schüsse abgegeben.Dabei benutzte er dieselbe Waffe wie bei vorangegangenen Anschlägen auf Soldaten.

Mehrere Soldaten ermordet

In Toulouse war vor gut einer Woche ein Fallschirmjägersoldat von einem Unbekannten erschossen worden, der ebenfalls mit einem Motorroller unterwegs gewesen war.

Wenige Tage später waren im 50 Kilometer entfernten Montauban zwei weitere Fallschirmjäger von einem Motorrollerfahrer erschossen worden. Die Polizei suchte in den vergangenen Tagen intensiv nach dem Täter. Die Armee wies die Soldaten an, nur noch in Zivil die Kasernen zu verlassen und verstärkte die Kontrollen.

Die Hintergründe der Bluttat sind noch völlig unklar. Wegen der Mordanschläge auf Soldaten wurde eine Sonderkommission eingerichtet. Die drei Getöteten sollen nordafrikanischer Abstammung sein. Das noch in Lebensgefahr schwebende vierte Opfer ist ein Franzose schwarzer Hautfarbe von der Karibikinsel Guadeloupe. Die Gewalttaten bringen das Thema Sicherheit im laufenden Präsidentenwahlkampf höher auf die Tagesordnung.

Präsident Nicolas Sarkozy und der Vorsitzenden des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich, Richard Prasquier (links), in der jüdischen Schule in Toulouse (Foto: ap/dapd)

Präsident Nicolas Sarkozy und der Vorsitzenden des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich, Richard Prasquier (links), in der jüdischen Schule in Toulouse

Sarkozy und Hollande am Anschlagsort

Präsident Nicolas Sarkozy, der sich noch am Vormittag in Toulouse einfand, sprach von einer "nationalen Tragödie". Er versicherte, es werde "absolut alles" unternommen, um den Täter zu finden. "Wir dürfen angesichts des Terrors nicht klein beigeben", fügte Sarkozy hinzu, der vom Vorsitzenden des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich (Crif), Richard Prasquier, begleitet wurde. Für Dienstag ordnete der Präsident eine Schweigeminute in den Schulen des Landes an, die um 11.00 Uhr eingelegt werden soll. Jüdische Einrichtungen werden nun verschärft überwacht. Frankreich hat mit mehr als 500.000 Mitgliedern die größte jüdische Gemeinde in Westeuropa.

Der sozialistische Präsidentschaftsbewerber François Hollande besuchte wenige Stunden nach Sarkozy die Schule. "Wir müssen alles tun, damit antisemitische Taten und Rassismus zu einer gemeinsamen und entschlossenen Antwort der ganzen Republik führen", sagte Hollande.

re/sti/as (dapd, afp, rtr, dpa)