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Welt

Tödliche Anschlagsserie in Bagdad

Kurz nach Abzug der US-Soldaten brechen im Irak die Spannungen zwischen den Religionsgruppen offen aus. Bei offenbar koordinierten Anschlägen in Bagdad wurden fast 60 Menschen getötet.

Explosionen am frühen Donnerstag (22.12.2011) in der irakischen Hauptstadt, Berichte über Tote und Verletzte, die Stadt erlebt die folgenschwersten Anschläge seit der Verschärfung des Machtkampfes zwischen Schiiten und Sunniten im Irak.

Schiitische Stadtteile als Ziel

US-Soldaten steigen aus einem Flugzeug aus (Foto: dapd)

Zu Wochenbeginn kehrten die letzten Soldaten in die USA zurück

Bereits zu Wochenbeginn war der Streit zwischen dem schiitischen Regierungschef Nuri al-Maliki und dem sunnitischen Vizepräsidenten Tarik al Haschimi eskaliert. Damit wuchs auch die Furcht vor einem Wiederaufflammen der religiös motivierten Gewalt.

Nun scheint die Furcht zur Realität geworden zu sein: Die BBC berichtete, im Stadtteil Halawi seien zwei Sprengsätze explodiert. Im Viertel Karrada sei eine Autobombe hochgegangen. Auch in Bab al-Moadam im Norden der Stadt habe es Explosionen gegeben. Medien berichten von mindestens zwölf Explosionen in neun Vierteln der irakischen Hauptstadt. Bei den Stadtteilen handelt es sich hauptsächlich um schiitische Gegenden. Aber auch in der Nähe der eher von Sunniten bewohnten Gegend Adhamija explodierte eine Bombe an einer Straße. Auch dabei gab es Opfer.

Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums bezifferte die Zahl der Verletzten mit mindestens 179. Nach Behördenangaben wurden mindestens 57 Menschen getötet.

Rauchsäulen über Bagdad

Mann steht am Autowrack (Foto: dapd)

Autobomben detonierten in Bagdad

Der größte Anschlag, bei dem mindestens 18 Menschen getötet wurden, wurde von einem Selbstmordattentäter verübt. Dieser sprengte sich in einem Krankenwagen nahe einem Regierungsgebäude in die Luft. Die Autoteile, die dabei durch die Luft gewirbelt wurden, beschädigten auch einen benachbarten Kindergarten, wie ein Anwohner sagte.

"Wir haben gehört, wie sich ein Auto näherte, bremste und dann gab es eine gewaltige Explosion, all unsere Fenster und Türen sind herausgestürzt, unsere Wohnung füllte sich mit Rauch", sagte ein Anwohner aus Karrada, wo sich der Selbstmordattentäter in die Luft sprengte. Zwei Sprengsätze detonierten nach Angaben aus Sicherheitskreisen in der Nähe eines Kinos. Aufsteigende Rauchsäulen bestimmten das Stadtbild.

Wer steckt hinter dem Terror?

Tarik al Haschimi am Rednerpult (Foto: pa/dpa)

Auf der Flucht: Tarik al Haschimi

Fast neun Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins buhlen in dem tief gespaltenen Land Schiiten und Sunniten erbittert um die Macht. Die irakische Justiz hatte - vermutlich auf Betreiben Malikis - Haftbefehl gegen Haschimi erlassen, weil er in Terroranschläge verwickelt sein soll. Er floh daraufhin in die halbautonome Kurdenregion.

Haschimi gilt als scharfer Kritiker und Rivale Malikis. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton äußerte sich am Mittwoch besorgt über den Konflikt und rief die Kontrahenten zu einem Dialog auf.

Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Es wird aber vermutet, dass Mitglieder der Terrorgruppe Al-Kaida im Irak verantwortlich sein könnten.

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Thomas Grimmer

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