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Asien

Tödliche Anschläge in Kundus und Kabul

Wenige Tage nach dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Afghanistan sind in Kundus und in der Hauptstadt Kabul Selbstmordanschläge verübt worden. Mehrere Menschen wurden dabei getötet.

Afghanische Soldaten bringen ein Opfer des Anschlags in einen Krankenwagen (Foto: AP)

Beim Anschlag in der Hauptstadt Kabul starben mindestens fünf Menschen

Im nordafghanischen Kundus, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Feldlager der Bundeswehr besucht hatte, rissen Selbstmordattentäter am Sonntag (19.12.2010) fünf afghanische Soldaten und Polizisten mit in den Tod. In Kabul griffen zur gleichen Zeit Taliban-Extremisten einen Armee-Bus an. Dabei wurden dem afghanischen Verteidigungsministerium zufolge fünf Soldaten getötet, neun weitere wurden verletzt. Es war der erste schwere Anschlag in der afghanischen Hauptstadt seit sieben Monaten.

Anschlag im Ausbildungscamp

Der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid bekannte sich im Namen der Aufständischen zu dem Angriff in Kundus. Dort attackierte ein Selbstmordkommando der Taliban ein Ausbildungslager der afghanischen Armee. "Drei Armeesoldaten und zwei Polizisten wurden bei dem Schusswechsel mit den Selbstmordattentätern getötet", sagte der Polizeichef der nordafghanischen Provinz Kundus, Abdul Rahman Sayedkhili, nach einem Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa). Auch mindestens drei Angreifer seien bei den Kämpfen ums Leben gekommen.

Vier Angreifer drangen nach Sayedkhilis Worten am frühen Morgen in das Ausbildungslager ein. Zwei der Aufständischen hätten ihre Sprengstoffwesten bei den anschließenden Gefechten gezündet, ein weiterer sei erschossen worden. Ein dpa-Reporter berichtete, wie aus dem Lager Schüsse und Explosionen zu hören gewesen waren. Das angegriffene Camp liegt in der nordafghanischen Provinz Kundus, in der auch die Bundeswehr im Einsatz ist.

Afghanische Soldaten suchen Deckung während der Schießerei mit den Attentätern (Foto: AP)

Afghanische Soldaten in Kabul weichen zurück, als die Attentäter ihre Bomben zünden

Attentat auf Armeebus

In Kabul attackierten zwei Selbstmordattentäter nach Angaben der Regierung einen Bus der afghanischen Armee. Dabei seien fünf Armee-Angehörige getötet worden, wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Mohammed Sahir Asimi, der Nachrichtenagentur AFP sagte. Zwei Selbstmordattentäter hätten das Feuer auf einen mit afghanischen Rekruten besetzten Bus eröffnet. Einer der beiden Angreifer sei erschossen worden, der zweite habe seinen Sprengstoffgürtel zünden können und fünf Soldaten mit in den Tod gerissen.

Auch zu diesem Anschlag bekannten sich die Taliban. Die Angreifer schlugen an einer Straße zu, die von Kabul aus über die östlichen Provinzen an die pakistanische Grenze führt. Entlang der Strecke kommt es immer wieder zu Anschlägen. Dort liegen mehrere von ausländischen Truppen unterhaltene Ausbildungszentren für afghanische Soldaten.

Auch Angriffe im Süden und im Osten

Weitere Anschläge gab es auch in anderen Teilen des Landes. Am Samstag hatte ein Selbstmordattentäter in der südafghanischen Stadt Kandahar zwei Menschen mit in den Tod gerissen, darunter ein Kind. Neun weitere Zivilpersonen wurden bei dem Anschlag auf das Auto eines ranghohen Regierungsmitarbeiters verletzt. Der oberste Regierungsvertreter der Provinz Kandahar, Ahmadullah Nasak, blieb jedoch unverletzt, wie ein Sprecher der Provinzregierung mitteilte. Der Anschlag ereignete sich in einem Wohn- und Einkaufsbezirk der Stadt, als Nasak gerade auf dem Weg zu einem Treffen war.

US-Soldaten untersuchen den Ort des Anschlags in Kandahar (Foto: AP)

US-Soldaten untersuchen den Ort des Anschlags in Kandahar

Auch ein NATO-Soldat wurde am Samstag bei einem Angriff Aufständischer im Osten Afghanistans getötet, wie die NATO mitteilte. Ein zweiter sei bei einem Bombenanschlag im Süden ums Leben gekommen. Nähere Einzelheiten zu den beiden Todesfällen wurden nicht genannt. Erst einen Tag zuvor war ein Bundeswehrsoldat einer Schussverletzung erlegen.

Opfer-Bilanz 2010

Dieses Jahr sind in Afghanistan mindestens 700 ausländische Soldaten getötet worden. So viele Ausländer sind bislang in keinem Jahr des 2001 begonnen Kriegs umgekommen. Im vergangenen Jahr waren es 521. Insgesamt wurden 2270 ausländische Soldaten am Hindukusch getötet, darunter 45 Bundeswehr-Soldaten. Unklar ist, wie viele afghanische Sicherheitskräfte und Zivilisten bei Kämpfen und durch Anschläge ums Leben kamen.

Bundeskanzlerin Merkel besuchte am Samstag die im Norden Afghanistans stationierten Bundeswehr-Einheiten. Sie sprach erstmals von einem Krieg, in den die Bundeswehr verwickelt sei.

Autor: Martin Schrader (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Nicole Scherschun

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