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Aktuell Welt

Tödliche Anschläge in Damaskus

Die syrische Hauptstadt ist von den verheerendsten Bombenanschlägen seit Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime erschüttert worden. Rund 70 Menschen wurden getötet.

Drei Autobomben explodierten in Damaskus kurz hintereinander vor Einrichtungen des Sicherheitsapparates und der Regierungspartei. Nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London wurden mindestens 72 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Es habe Hunderte von Verletzten gegeben.

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Bomben im Machtzentrum

Allein durch die Explosion einer Bombe an einer Straßensperre vor der Zentrale der Baath-Partei von Präsident Baschar Al-Assad im Innenstadtviertel Al-Masraa starben nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter 59 Menschen. Das staatliche Fernsehen sprach von 53 Toten. Unter den Opfern seien Schulkinder und 16 Angehörige der Sicherheitskräfte, hieß es. Der Sprengsatz, der in der Umgebung mehrere Autos in Brand setzte, wurde wahrscheinlich von einem Selbstmordattentäter gezündet. Im syrischen Fernsehen waren zerstörte und brennende Autos (siehe Artikelbild) und beschädigte Gebäude sowie blutüberströmte Opfer zu sehen. Eine Rauchwolke stand über dem Anschlagsort.

Kurz nach diesem Anschlag explodierten zwei weitere Autobomben im nördlichen Stadtteil Birsa. Dabei seien 13 Menschen getötet worden, zehn davon Mitglieder der Sicherheitskräfte, teilte die Beobachtungsstelle weiter mit. Die Menschenrechtler stützen ihre Angaben auf ein Netz von Aktivisten in Syrien. Von unabhängiger Seite können diese Berichte nicht überprüft werden. Wie die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti meldete, wurde die russische Botschaft in Damaskus durch eine der Explosionen beschädigt.

Opposition distanziert sich

Bislang bekannte sich keine Gruppe oder Organisation zu den Anschlägen. Die Nationale Syrische Koalition, das größte Oppositionsbündnis, verurteilte die Anschläge als "terroristisch". Alle Aktionen, die gegen Zivilisten gerichtet seien oder die Menschenrechte verletzten, seien kriminelle Handlungen und müssten verurteilt werden - egal wer die Täter seien oder womit die Taten begründet würden, erklärte die Nationale Koalition. Die Regierung machte das Terrornetzwerk Al-Kaida für die Anschläge verantwortlich.

Die Innenstadt von Damaskus blieb bislang vom Bürgerkrieg weitgehend verschont. Zuletzt waren im Mai bei einem Doppelanschlag vor einem Geheimdienstgebäude 55 Menschen getötet worden. Die Rebellen versuchen seit Monaten, den Kampf gegen die Regierung nach Damaskus zu tragen. Nun scheinen sie mit Guerilla-Taktiken das Machtzentrum destabilisieren zu wollen.

Brahimi macht weiter

Die Vereinten Nationen und die Arabische Liga haben unterdessen das Mandat des Sondergesandten für Syrien, Lakhdar Brahimi, bis zum Ende des Jahres verlängert. Dies teilte ein UN-Sprecher in New York mit. Bislang sind alle Versuche der internationalen Gemeinschaft gescheitert, das Blutvergießen in Syrien zu beenden. Nach UN-Schätzungen wurden seit dem Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 rund 70.000 Menschen getötet.

wl/SC (dpa, rtrr, afp)

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