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Top-Thema – Podcast

Töchter unerwünscht

In vielen Ländern wollen Eltern vor allem männlichen Nachwuchs und verhindern die Geburt weiblicher Babys. Dort gibt es mittlerweile zu wenige Frauen. Wissenschaftler untersuchen, zu welchen Problemen das führen kann.

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Töchter unerwünscht - das Top-Thema als MP3

Seit etwa zwanzig Jahren kann man durch Ultraschall und frühe Blutuntersuchungen schon in der Schwangerschaft das Geschlecht oder gesundheitliche Probleme des Kindes feststellen. Immer mehr Eltern entscheiden bereits vor der Geburt, ob sie ihr Baby wirklich bekommen wollen. In vielen Ländern treiben Frauen weibliche Föten ab, weil sie lieber einen Sohn haben möchten.

Söhne können zu Hause bleiben und sich um die Eltern kümmern, erklärt Christophe Guilmoto vom französischen Forschungsinstitut für Bevölkerung und Entwicklung in Paris. Außerdem führen sie den Familiennamen weiter. Töchter hingegen heiraten in eine andere Familie hinein. Die Kosten für eine spätere Mitgift der Töchter sind meist höher als die für eine Abtreibung. „Eltern wollten einfach der Natur ein Schnippchen schlagen, um die Geburt von Töchtern zu vermeiden“, meint Guilmoto. „Nur wussten sie nicht, dass Millionen von anderen Paaren die gleiche Idee hatten!“

In der Folge gibt es allein in Asien 117 Millionen mehr Männer als Frauen, schätzt der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, UNFPA. Den größten Zahlenunterschied gibt es in den beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde, Indien und China. Doch auch in Aserbaidschan und Armenien oder in Albanien und Mazedonien ist der Jungenanteil bei den Geburten viel zu hoch.

Die schwedische Soziologin Lisa Eklund hat sich mit den negativen Folgen des Männerüberschusses beschäftigt. Sie glaubt, dass es in Ländern mit großen Einkommensunterschieden für Männer am unteren Soziallevel immer schwieriger werden wird, eine Ehefrau zu finden. Außerdem warnt sie vor den Konsequenzen für die Frauen: „Gesellschaften mit einem Männerüberschuss neigen eher dazu, Frauen unter einer strengen Kontrolle zu halten“, sagt sie.


Glossar

unerwünscht – nicht gewollt

Ultraschall, (m.) – hier: Kurzform für „die Ultraschalluntersuchung“; eine Technik in der Medizin, mit der man z.B. ein Baby vor der Geburt untersuchen kann

ab|treiben – eine Schwangerschaft vor der Geburt des Kindes durch jemanden (z. B. einen Arzt) beenden lassen (Substantiv: die Abtreibung)

Fötus, Föten (m.) – das ungeborene Kind; die Bezeichnung für das Baby ab der neunten Schwangerschaftswoche

einen Namen weiter|führen – hier: seinen Familiennamen behalten, wenn man heiratet und ihn an seine Kinder weitergeben

in eine Familie hinein|heiraten – Teil der Familie des Ehepartners werden

Mitgift, -en (f.) – das (z. B. Geld), was Eltern einer zukünftigen Ehefrau mit in die Ehe geben

jemandem ein Schnippchen schlagen – umgangssprachlich für: absichtlich etwas tun, das jemand anders nicht erwartet hat und das gegen dessen Pläne ist

etwas schätzen– hier: eine ungefähre Zahl sagen; vermuten

Fonds, - (m.) – das Geld, das für einen bestimmten Zweck zur Verfügung gestellt wird

bevölkerungsreich – mit vielen Einwohnern

Anteil, -e (m.) – hier: ein bestimmter Teil von einem Ganzen

Überschuss, Überschüsse (m.) – die Tatsache, dass es mehr von etwas gibt, als nötig ist

Einkommensunterschied, -e (m.) – die Situation, in der manche Leute viel weniger/mehr Geld verdienen als andere

am unteren Soziallevel – nicht sehr reich; unten in der Gesellschaft

zu etwas neigen – meistens etwas tun; etwas häufiger tun

jemanden unter Kontrolle halten – jemandem wenig Freiheit geben; jemanden stark kontrollieren


Fragen zum Text

1. Welche Aussage ist richtig? In manchen Ländern wünschen sich die Eltern Söhne, weil sie …

a) glauben, dass Jungen intelligenter sind.
b) denken, dass man mit einer Tochter finanzielle Nachteile hat.
c) befürchten, dass ihre Tochter niemanden findet, der sie heiratet.

2. Welche Aussage ist richtig? Christophe Guilmoto glaubt, dass …
a) es besser wäre, wenn sich die Töchter um ihre Eltern kümmern würden und nicht die Söhne.
b) sich die Situation von alleine wieder verbessern wird.
c) die meisten Eltern gar nicht darüber nachdenken, dass es zu wenige Mädchen gibt.

3. Welche Aussage stimmt nicht? Es könnte sein, dass in manchen Ländern in Zukunft …
a) das gesellschaftliche Leben für Frauen schwieriger wird, wenn es mehr Söhne gibt.
b) das Heiraten für manche Männer schwierig wird.
c) Jungen abgetrieben werden müssen, weil die Regierung den Männerüberschuss ausgleichen will.

4. Wissenschaftler vermuten, … der Männerüberschuss in manchen Ländern zu Problemen führen wird.
a) das
b) dass
c) dieses

5. Eine Ultraschalluntersuchung ist ein Verfahren, … es ermöglicht, das Geschlecht eines Babys schon vor der Geburt festzustellen.
a) das
b) dass
c) dieses

Arbeitsauftrag
Wie denkt ihr über die Auswahl der Kindes vor der Geburt? Wie könnte man die Situation in den im Text erwähnten Ländern ändern? Was könnten die Regierung, die Medien oder die Familien tun, um die Situation zu verbessern?

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