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Kultur

Szentei-Heise: "Wieso eigentlich erst jetzt?"

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf hat die Toten Hosen mit der Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet. Im Gespräch mit der DW erklärt Geschäftsführer Michael Szentei-Heise, warum die Punkrockband Preisträger wurde.

DW: Herr Szentei-Heise, seit 1991 verleiht die Jüdische Gemeinde Düsseldorf die Josef-Neuberger-Medaille. Wen zeichnen Sie für welche Leistung damit aus?

Michael Szentei-Heise: Die Medaille wird verliehen an eine Person oder an eine Institution der nichtjüdischen Öffentlichkeit, die sich um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht hat.

In diesem Jahr haben Sie die Punkrock-Band Die Toten Hosen zusammen mit Thomas Leander, dem Prorektor der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule, geehrt. Welches Projekt würdigen Sie damit?

Im Oktober 2013 fanden drei denkwürdige Konzerte in der Tonhalle in Düsseldorf statt. Unter dem Titel "Willkommen in Deutschland" spielten auf Anregung von Thomas Leander die Toten Hosen zusammen mit Solisten der Robert-Schumann-Musikhochschule Lieder und Musikstücke von so genannten "verfemten Künstlern" - also "entartete Musik", wie die Nationalsozialisten das nannten.

Das war Musik von jüdischen und nichtjüdischen Komponisten, die damals nicht gespielt werden durfte. Campino Lieder von den Comedian Harmonists singen zu hören, war eine grandiose Sache. Darüber hinaus war beeindruckend, dass man beobachten konnte, wie sich Hunderte von Toten-Hosen-Fans während des Konzertes wandelten und sich auf das Thema des Konzertes einließen.

Die Toten Hosen kommen aus der linksalternativen Szene und sind seit vielen Jahren dafür bekannt, dass sie sich politisch engagieren. Welche Rolle spielte das für Ihre Auswahl?

Nach diesem Konzert kam der Vorschlag, die Toten Hosen mit der Josef-Neuberger-Medaille auszuzeichnen. Wir haben uns dann über die Band informiert und haben dabei entdeckt, dass sich die Toten Hosen bereits seit Jahrzehnten gegen Rechts, gegen Faschismus, gegen Rassismus engagieren. Dann fragten wir uns, als Verleiher des Preises: "Wieso eigentlich erst jetzt?"

Herr Szentei-Heise, wissen Sie, welche Bedeutung der Preis für die Toten Hosen hat?

Campino hat gesagt, dass es für ihn eine ganz große Ehre ist, dass die Band für ihr "Engagement aus Überzeugung" ausgezeichnet wird.

Unter den Preisträgern sind ehemalige Bundespräsidenten. Wer gehört denn sonst noch dazu?

Unter anderem die Bundeskanzlerin Angela Merkel, Rita Süssmuth als Bundestagspräsidentin - aber auch der Kölner Bildhauer Gunter Demnig, der die Stolpersteine-Aktion erfunden hat und betreibt. Oder Menschen, die sich in Düsseldorf und Umgebung um jüdische Dinge bemüht haben. Dazu gehört auch der Biograf von Josef Neuberger, Bernd Schmalhausen. Die Reihe der Preisträger ist ziemlich bunt.

Sie haben gerade den Namensgeber der Auszeichnung erwähnt…

Deutschland Bahn Michael Szentei-Heise Zug der Erinnerung

Michael Szentei-Heise

Josef Neuberger war ein Jurist und Rechtsanwalt, der schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Düsseldorf praktiziert hat. Er wurde in der Reichspogromnacht von den Nazi-Schergen krankenhausreif geschlagen und floh anschließend mit seiner Frau nach Palästina. Nach Kriegsende kam er wieder nach Düsseldorf zurück und wurde Vorstandsvorsitzender der hiesigen Jüdischen Gemeinde. Später war er viele Jahre Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen.

Michael Szentei-Heise ist der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Der Jurist und Rechtsanwalt bezeichnet sich selbst als "Kind der Jüdischen Gemeinde" und setzt sich schon seit 28 Jahren in leitender Funktion für die jüdischen Belange in seiner Heimatstadt ein.

Das Gespräch führte Conny Paul.

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