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Politik

Szenen einer Präsidentschaft

Horst Köhler war als Bundespräsident schwer einzuordnen. Er war kein Statthalter der CDU, obwohl er deren Parteibuch trug. Er war oft unauffällig und doch stieß er unbequeme Debatten an. Am Ende überraschte er alle.

Horst Köhler in Afghanistan (Foto: AP)

Unbequem, unauffällig, überraschend: Horst Köhler.

Nein, ein ganz normaler Bundespräsident war er nicht. Als Horst Köhler 2004 zum ersten Mal ins Amt gewählt wurde, da kannte ihn kaum ein Bundesbürger. Kein Wunder, hatte Köhler zuvor alles andere als eine klassische Politikerkarriere hingelegt.

1943 geboren, studierte Köhler Wirtschaft und stieg im Bundesfinanzministerium bis zum Staatssekretär auf. 1992 wechselte er an die Spitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Ein Job, der ihm später Häme von Kritikern einbrachte, er sei kaum mehr als ein "Sparkassendirektor". Gemeint war damit das eher unauffällige und niemals polternde Auftreten des Bundespräsidenten.

Hochbeliebter Präsident

Seiner Beliebtheit beim Volk tat das jedoch keinen Abbruch. Köhler gilt als einer der beliebtesten Bundespräsidenten der Geschichte. So rechnete man ihm hoch an, dass er nicht bloße Parteipolitik für die CDU machte, deren Parteibuch er trägt. Vor allem in seiner ersten Amtszeit mischte Köhler sich in die Tagespolitik ein und ärgerte damit manchmal auch Unions-Politiker.

Am 23. Mai 2009 wurde Köhler von einem Bündnis aus CDU, CSU und FDP wiedergewählt. Doch mit seiner zweiten Amtszeit wuchs die Kritik. Köhler lasse sich kaum blicken, halte keine wegweisenden Reden mehr. Überschattet wurde das vergangene Jahr außerdem von einem Machtkampf zwischen Köhlers Sprecher Martin Kothé und dem Chef des Bundespräsidialamtes, Hans-Jürgen Wolff. Die beiden Männer stritten halb öffentlich darüber, wie man Köhler inszenieren solle, am Ende kündigte Kothé seinen Job.

Keine Orientierung vom Ökonom Köhler

Horst Köhler nach seiner erneuten Wahl zum Bundespräsidenten (Foto: dpa)

Da strahlte er: Horst Köhler nach seiner Wiederwahl 2009

Er wolle ein „unbequemer Präsident“ sein, hatte Horst Köhler einmal gesagt. Während seiner ersten Amtszeit war ihm das nach Einschätzung der meisten gelungen. Seit ein paar Monaten war es jedoch ruhig um das Schloss Bellevue. Dem Ökonom Horst Köhler gelang es nicht, in der Griechenland- und Euro-Krise eine Leitposition einzunehmen und Orientierung zu geben.

Vielleicht wollte er mit seinen Äußerungen zu den Bundeswehr-Einsätzen einmal wieder unbequem werden, vielleicht dachte er beim Interview im Flugzeug von Afghanistan aber auch einfach nicht an die Tragweite seiner Äußerungen.

Dass Köhler die Kritik der vergangenen Wochen nahe ging, zeigt die Begründung seines Rücktrittes. Köhler spricht von "Unterstellungen", die den "notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermissen" ließen. Zumindest den Vorwurf, er sei zu unauffällig, hat Köhler mehr als entkräftet. Mit seinem Rücktritt hat er alle überrascht.

Autor: Benjamin Hammer
Redaktion: Martin Schrader