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Politik

Szenen einer Ehe

Das europäisch-amerikanische Verhältnis ist derzeit nicht frei von Irritationen. Von einer Krise kann aber keine Rede sein, meinen amerikanische Politik-Experten.

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Condolezza Rice, Vordenkerin der amerikanischen Außenpolitik

So viel Einigkeit war selten zwischen der letzten verbliebenen Supermacht und ihrem ehemaligen Konkurrenten: Vergangene Woche verkündeten die USA und Russland, sie wollten binnen zehn Jahren zwei Drittel ihrer strategischen Nuklearwaffen abbauen.

Neue Achse der Guten?

Europäische Politiker betrachteten den Schulterschluss zwischen dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush und seinem russischen Kollegen Wladimir Putin mit gemischten Gefühlen: Führt die neue starke Achse in der Weltpolitik über die Köpfe der Europäer hinweg direkt von Washington nach Moskau? Bleiben die traditionellen Bündnispartner der USA in Zukunft außen vor?

Und noch ein weiteres Schreckgespenst spukt durch die Köpfe der westeuropäischen, insbesondere deutschen Gastgeber: Wenn der US-Präsident in Berlin europäischen Boden betritt, erwartet ihn ein Empfangskomitee von Steine werfenden Demonstranten. Über Fähnchen schwenkende Massen kann er sich erst während der zweiten Station seiner Europareise freuen, in der russischen Hauptstadt.

Europa spricht mit vielen Stimmen

In den USA selbst halten sich die Befürchtungen in Grenzen. Die zwiespältige Haltung der Europäer gegenüber dem amerikanischen Präsidenten werde in der amerikanischen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, betont Jeffrey Anderson, Politik-Professor und Programmverantwortlicher am renommierten Forschungszentrum American Institute for Contemporary German Studies im Interview mit DW-WORLD. "Verschiedene Meinungen sind Teil einer Demokratie, dazu gehören auch Demonstrationen - solange sie nicht gewalttätig werden", sagt Anderson.

Allerdings seien die Erwartungen auch nicht besonders hoch, betont Robin Niblett, Außenpolitik-Experte und Vizepräsident des Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington im Gespräch mit DW-WORLD: "Europa wird hier als vielstimmig, wenn nicht sogar dysfunktional wahrgenommen. Die Erfolgsgeschichte des Euro war hier beispielsweise kaum ein Thema, wohl aber die Meinungsverschiedenheiten der Europäer in der Außenpolitik."

Clinton war die Ausnahme, nicht Bush

Die Bush-Regierung sehe Europa vor allem unter den Gesichtspunkten des Eigeninteresses, sagt Niblett. Die Berater von Bushs Vorgänger Clinton seien dagegen für amerikanische Verhältnisse sehr europafreundlich gewesen.

Für Europa sei der Verlust an Aufmerksamkeit eine schmerzliche Erfahrung, konstatiert Niblett: "Die Frustration auf Seiten der Europäer wächst. Der moralische Anspruch der US-Außenpolitik wird in Europa als Heuchelei empfunden, wenn die USA gleichzeitig durch Protektionismus Handelskonflikte riskieren und sich aus internationalen Verträgen zurückziehen."

Leichte Verstimmung

Von einer Krise kann nach Ansicht des Politik-Experten Anderson dennoch keine Rede sein: "Es gibt eine ganze Reihe von Problemen, durch die sich die Delegationen arbeiten müssen, aber es gibt keine Krise." Auch sein Kollege Niblett sieht keine Anzeichen für einen neuen Isolationismus der USA: "Die US-Außenpolitik will den Fortgang der Dinge in ihrem Sinne beeinflussen und ihre nationalen Interessen wahren. Das ginge nicht, wenn sich die USA auf sich selbst zurückziehen würden."

Die amerikanische Annäherung an Moskau bewerten beide Experten positiv. Und auch der Fahrplan des Bush-Besuches mache Sinn: Bush würdige die Rolle Deutschlands bei der Vereinigung Europas, indem er seine Reise in Berlin beginne, dem ehemaligen Brennpunkt des Ost-West-Konfliktes. Anschließend erweise er der gestiegenen Bedeutung Russlands seine Referenz, um schließlich in Paris französisch-amerikanische Unstimmigkeiten aus dem Weg zu räumen. Dass Präsident Bush auf seiner Reise keinen Zwischenstopp in London einlegt, ist nach Einschätzung der Experten nicht außergewöhnlich. Schließlich sei das britisch-amerikanische Verhältnis ohnehin so eng, dass es keiner gesonderten Bestätigung bedürfe.

Das transatlantische Beziehungsgeflecht ist vielschichtig: Neben der "special relationship" mit Großbritannien und den eher wechselhaften Beziehungen zu den EU-Staaten heben die Experten die freundschaftliche Athmosphäre zwischen US-Präsident Bush und seinem russischen Kollegen Putin hervor. Heißt die Reihenfolge beim nächsten Europa-Besuch dann Moskau-Berlin-Paris? "Vielleicht", sagt Jeffrey Anderson, "aber so weit denkt die US-Außenpolitik im Moment ohnehin nicht voraus."

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