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Kultur

Systemfehler im US-Stromnetz?

Einer der größten Stromausfälle in der Geschichte Nordamerikas hat den Nordosten der USA und Kanadas ins Chaos gestürzt. Grund könnten Mängel bei den Reformen des US-Strommarktes sein, glauben Kritiker.

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Ungewohnt: Lichterlose Skyline in Manhattan

49 Millionen Haushalte in den USA und Kanada haben seit Donnerstag Abend (14.8.2003) keinen Strom. Der New Yorker Gouverneur George Pataki und der Stromversorger Niagara Mohawk Power teilten mit, der Grund für den Stromausfall sei noch immer unklar. US-Präsident George W. Bush hatte zuvor betont, es habe sich bei dem Zusammenbruch des Stromnetzes nicht um einen Terroranschlag gehandelt.

Schuldfrage unklar

Zwischen Kanada und den USA gab es in den ersten Stunden nach dem Stromausfall gegenseitige Schuldzuweisungen, wobei Politiker und Stromversorger jeweils der anderen Seite die Verantwortung für den riesigen Stromausfall zuschoben. Kanada liefert erhebliche Mengen Strom an die USA. Das Büro des kanadischen Premierministers Jean Chretien hatte die Stromausfälle auf einen Blitzschlag in einem Kraftwerk in Niagara Falls im US-Bundesstaat New York zurückgeführt. Später hieß es, das Problem habe in einem Kraftwerk in Pennsylvania begonnen.

Die Firma SoftSwitching Technologies, die mit ihrem I-Grid-System das US-Stromnetz beobachtet, verwies auf fast gleichzeitige Stromausfälle in New York und Michigan um 16.10 Uhr Ortszeit. Der Blackout habe sich dann über den Nordosten der USA verbreitet, wobei es in den ersten zwei Minuten 200 Zwischenfälle gegeben habe.

Sicherheitssystem hat versagt

Das amerikanische Stromnetz ist so geschaltet, dass von Überlastung betroffene Kraftwerke bei Netzwerk-Problemen sofort abschalten, um schwerwiegende Schäden an ihren Anlagen zu vermeiden. Das Stromversorgungssystem ist aber auch so ausgelegt, dass

Stromausfall in New York Freiheitsstatue

Freiheitsstatue mit Notstrom

Blackouts eigentlich sofort eingegrenzt und damit auf ein kleines Gebiet beschränkt bleiben sollten. Dies ist offensichtlich nicht gelungen. Bisher ist noch völlig offen, warum es zu dem riesigen und sich rasant über den gesamten Nordosten der USA und Kanadas ausbreitenden Stromausfall kommen konnte.

Der Blackout reichte von Toronto über New York bis nach Detroit. Das Stromnetz im Nordosten der USA wird von fünf unabhängigen Betreibern gehandhabt, die die Strom-Leitungssysteme von Dutzenden von Elektrizitätsgesellschaften kontrollieren. Das System habe den ersten richtigen Stress-Test nicht geschafft, urteilte das "Wall Street Journal" am Freitag (15.8.) in seiner Onlineausgabe. Die fünf Stromnetz-Betreiber seien verwirrt worden, was zu dem weit verbreitetsten Stromausfall seit Jahren geführt habe.

Deregulierung steigert Konkurrenzdenken

Der Zwischenfall werfe mit Sicherheit ein neues Licht auf das Deregulierungsexperiment im Strombereich, schrieb die Zeitung. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die kalifornische Energiekrise des Jahres 2001 und den Enron-Skandal. Branchenkenner hoben hervor, dass die früher teilweise in öffentlicher Hand befindlichen Stromversorger durch die Deregulierung des US-Strommarktes zu Konkurrenten werden und deshalb nicht mehr so eng kooperieren wie früher. Dies könne zu Problemen und Stromausfällen führen.

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