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Syrien

Syrische Regierung: Auch tote Zivilisten

Die USA haben erstmals im syrischen Bürgerkrieg die Regierungstruppen des Machthabers Assad attackiert. Die Darstellungen über die Folgen gehen auseinander.

Video ansehen 01:29

USA feuern mehr als 50 Raketen auf Syrien

Es ist ein weiterer Kurswechsel in der amerikanischen Syrien-Politik: Als Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgasangriff vom Dienstag hat US-Präsident Donald Trump in der Nacht eine Luftwaffenbasis der syrischen Armee mit Raketen angreifen lassen. Die syrische Armee sprach zunächst von sechs Toten. Später wurde ein Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana verbreitet, in dem die Rede davon war, dass in umliegenden Dörfern neun Zivilisten getötet wurden, darunter vier Kinder. 

Nach US-Regierungsangaben wurden 59 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk auf die Luftwaffenbasis Al-Schairat in der Provinz Homs abgefeuert. Dies sei der Stützpunkt, von dem aus der Giftgasangriff geflogen worden sei, sagte Trump.

Die US-Raketen wurden nach den Worten eines Regierungsvertreters von den US-Kriegsschiffen "USS Porter" und "USS Ross" abgefeuert, die im östlichen Mittelmeer stationiert sind. Die Marschflugkörper beschädigten oder zerstörten mehrere Kampfjets, die Luftabwehr und andere Einrichtungen auf dem Stützpunkt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, nur 23 Marschflugkörper hätten ihr Ziel erreicht. Nach den anderen Tomahawk werde gesucht. 

USA Statement Donald Trump zum Luftangriff auf Syrien (Reuters/C. Barria)

Präsident Trump erläutert den Raketenangriff auf Syrien

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in England, deren Angaben von unabhängiger Seite kaum überprüft werden können, wurde die Luftwaffenbasis bei dem Angriff fast vollständig zerstört.

Aus syrischen Militärkreisen hieß es, bei dem Angriff seien zwei Start- und Landebahnen zerstört worden. Auch Treibstofflager seien getroffen worden. Die meisten Kräfte seien vor der Bombardierung von der Basis abgezogen worden. Der regierungsnahe TV-Kanal Al-Mayadeen meldete, Syriens Luftwaffe habe auch die meisten Jets auf dem Flugplatz vor dem Angriff in Sicherheit gebracht.

Nach Darstellung des Verteidigungsministeriums in Washington wurden russische Militärs vor dem Militärschlag informiert. Damit habe ausgeschlossen werden sollen, dass russische Soldaten Opfer des Raketenangriffes werden. Das US-Militär habe darauf geachtet, keine Bereiche des Stützpunktes zu treffen, in denen sich Russen aufhielten oder gelagerte chemische Waffen vermutet würden, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Russland zählt neben dem Iran zu den wichtigsten Verbündeten des Präsidenten Baschar al-Assad. Nach Angaben des russischen Außenministers Sergej Lawrow wurden keine Russen bei dem Angriff getötet. Als Reaktion soll die syrische Luftabwehr verstärkt werden. "Um die syrische Infrastruktur besser zu schützen, werden in Kürze mehrere Maßnahmen zur Stärkung und Verbesserung der Luftabwehr der syrischen Streitkräfte getroffen", kündigte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow an.

Die Bundeswehr erklärte, nichts mit dem Luftangriff zu tun zu haben. Dies wäre nicht mandatskonform gewesen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Die im türkischen Incirlik stationierten deutschen Tornado-Jets machen in Syrien und im Irak hochauflösende Bilder von IS-Stellungen zur Identifizierung von Angriffszielen. Die Bilder müssen laut Mandat dem Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" dienen.

Trump begründete den Angriff in einer kurzen Ansprache in seinem Privatdomizil Mar-a-Lago in Florida damit, dass es im "grundlegenden nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten" liege, die Verbreitung von chemischen Waffen zu verhindern. Der US-Präsident appellierte an alle "zivilisierten Nationen", das Blutvergießen in Syrien zu stoppen.

Bei der Giftgas-Attacke in der nordsyrischen Stadt Chan Scheichun waren am Dienstag nach Angaben der Beobachtungsstelle mindestens 86 Zivilisten getötet worden.

Video ansehen 01:31

USA greifen syrische Armee an – die ersten Reaktionen

Das Weiße Haus betonte, der Einsatz habe der Abschreckung gedient und sei nicht der Beginn einer großangelegten Offensive zum Sturz Assads. Pentagon-Sprecher Jeff Davis sagte, Hauptziel sei es gewesen, die syrische Regierung von weiteren Chemiewaffenangriffen abzuhalten.

Damaskus bestreitet, Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Nach russischer Darstellung soll das Giftgas bei einem Angriff der syrischen Regierungstruppen auf ein Waffenlager der Rebellen freigesetzt worden sein.

Die US-Regierung hat mit dem Angriff eine erneute Kehrtwende in der Syrien-Politik vollzogen. US-Außenminister Rex Tillerson hatte vor einer Woche bei einem Besuch in der Türkei gesagt, das Schicksal Assads werde vom syrischen Volk entschieden. Das war eine Abkehr von der Linie der Vorgängerregierung, die dem Machthaber in Damaskus die Hauptverantwortung für den blutigen Konflikt in dem Bürgerkriegsland zuschob und auf seinen Sturz hinarbeitete.

Trump hatte zudem nach einem wesentlich massiveren Chemiewaffenangriff mit hunderten Toten im August 2013, für den ebenfalls die Regierungstruppen verantwortlich gewesen sein sollen, den damaligen Präsidenten Barack Obama eindringlich vor einer Vergeltungsaktion gegen Assad gewarnt.

stu/wo/ml (afp, dpa, rtr)

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