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Nahost

Syrische Kurden gegen Assad

Kurdische Aktivisten unterstützen den Aufstand gegen Syriens Präsidenten Baschar al-Assad. Aber sie befürchten, ihre Forderungen für Autonomie werden in diesem Kampf auf der Strecke bleiben.

Balo und ihr Vater im Moqebleh Flüchtlingslager (Foto: Reese Erlich)

Balo und ihr Vater im Moqebleh Flüchtlingslager

Barkhodan Balo flüchtete 2005 in das kurdische Flüchtlingslager an der syrisch-irakischen Grenze. Die 20-Jährige lebt mit ihrer Familie unter 300 Flüchtlingen in Häusern aus Plastikplanen und mit provisorischen Toiletten an der Straße. "Im Winter ist es sehr, sehr kalt", sagt Balo. "Im Sommer wird es sehr, sehr heiß."

Die Kurden in Syrien sind die größte ethnische Minderheit des Landes. Sie machen circa acht Prozent der syrischen Bevölkerung von 22 Millionen Menschen aus. Kurden in Syrien haben bereits seit langer Zeit Diskriminierung und Unterdrückung erlebt. Sie leben hauptsächlich entlang der strategischen Grenzen zur Türkei und zum Irak - hier ist auch Syriens Ölproduktion ansässig.

Der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad in Syrien dauert bereits seit über sieben Monaten an, und weder die Regierung noch die Opposition haben es geschafft, einen Sieg zu erringen. Syriens kurdische Minderheit hat das Potenzial, in der politischen Zukunft des Landes eine wichtige Rolle zu spielen. Aber die Kurden selbst sind politisch gespalten.

Autonomie oder Unabhängigkeit?

Flüchtlinge (Foto: Reese Erlich)

Nach Jahren der Diskriminierung und Unterdrückung wählen viele syrische Kurden das Leben im Flüchtlingslager

Wie viele junge Kurden ist Balo eine große Anhängerin des gegenwärtigen Aufstands. Sie möchte Demokratie für alle Syrer, aber auch mehr Rechte für die Kurden. Balo befürchtet, dass die Opposition - die von Islamisten geführt wird - die kurdischen Autonomieforderungen für ihre Region nicht unterstützen.

"Nachdem Syrien seine Unabhängigkeit von Frankreich bekommen hat, gab die arabische Regierung den Kurden keine Rechte", sagt sie. "Sie machte sich Sorgen um kurdischen Separatismus. Wenn das Regime in Syrien fällt, werden wir für unsere Rechte arbeiten. Wir werden unser Kurdistan befreien."

Für Balo bedeutet "unser Kurdistan befreien" politische Autonomie innerhalb des syrischen Staates. Aber der Begriff könnte auch ein Ruf nach Unabhängigkeit sein - und das verunsichert viele syrische Araber. "Man kann die Frage der Kurden in Syrien nicht trennen von der der Kurden im Iran, in Irak oder in der Türkei", sagt Nabil Sukkar, Gründer und Geschäftsführer der Wirtschaftsberatung SCB in Damaskus. "Wie weit geht man vor bei der Frage der Autonomie? Führt es dazu, dass irgendwann in 20 oder 30 Jahren die Kurden sagen, wir wollen einen eigenen Staat in der Südtürkei, Nordirak oder Nordsyrien?"

Ein politischer Schachzug

Kurdische Aktivisten argumentieren, dass die syrische Regierung die Befürchtung des Separatismus als Teil einer Strategie des Teilens und Herrschens eingesetzt hat. Hassan Saleh ist ein führendes Mitglied der Yeketi-Partei, die den Aufstand in den kurdischen Regionen mitorganisiert. Er sagt, dass alle zwölf syrischen Kurdenparteien den Separatismus ablehnen.

Kurdisches Kind (Foto: Reese Erlich)

Die kurdischen Kinder im Flüchtlingslager müssen in einfachsten Verhältnissen leben

Saleh sagt, die Regierung habe eine Kultur geschaffen, um "Araber zu überzeugen, dass die Kurden Separatisten sind und eine Bedrohung für die Araber und den Staat darstellen. Das ist die Ideologie des Regimes, die benutzt wird, um mehr Spannungen zwischen Kurden und Arabern zu erzeugen."

Kurden, wie auch andere Syrer, sind geteilter Meinung, wie ein parlamentarisches System eingeführt werden soll und freie Wahlen in Syrien stattfinden könnten. Viele sind nach dem monatelangen Kampf frustriert. Manche Bürger, besonders die Exil-Syrer, rufen bereits nach einer Libyen-ähnlichen Militärintervention.

Militärintervention als Alternative?

Menschen vor einem Lebensmittelgeschäft im Flüchtlingslager (Foto: Reese Erlich)

Die Kurden hoffen, der Aufstand in Syrien bringt ihnen Demokratie und nicht einen neuen Diktator

Aktivistin Balo befürwortet eine beschränkte Intervention, wie die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien. "Als Syrerin fordere ich eine internationale militärische Intervention", sagt Balo. "Aber wir brauchen sie nicht nachhaltig, sondern nur, um dieses hier abzuschließen."

Der kurdische Führer Saleh, der im Ausland lebt, hält eine solche Intervention jedoch für gefährlich. "Eine Militärintervention führt zu mehr Opfern, mehr Blut und mehr Leuten, die sterben und leiden werden wie im Irak", sagt Saleh. "Wir unterstützen solche Methoden daher nicht."

Saleh sagt, militärisches Eingreifen bedeutet zwangsläufig, dass Auslandsmächte ihren eigenen Mann aufstellen werden, um Assad zu ersetzen. Die Syrer, sagt er, wollen jedoch Demokratie - und keinen neuen Diktator.

Autor: Reese Erlich, Damaskus, Nordirak / sac

Redaktion: Rob Mudge

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