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Syrien

Syrische IS-Kämpfer räumen ehemalige Hochburg Al-Rakka

Das Regime der Terrormiliz im nordsyrischen Al-Rakka neigt sich dem Ende zu. Laut Aktivisten verließen die IS-Kämpfer aus Syrien die Stadt. Majadin, eine weitere Hochburg, konnte den Dschihadisten schon entrissen werden.

In der Nacht zum Samstag habe auch die letzte Gruppe von einheimischen Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) die Stadt geräumt, sagte der Leiter der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. In den vergangenen Tagen seien die Männer und ihre Familien mit Bussen aus der Stadt gebracht worden. Wohin sie gelangten, ist unklar. Die Evakuierung beruhe auf einer Abmachung zwischen den kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), der von den USA geführten internationalen Anti-IS-Koalition und den Extremisten. Die Anti-IS-Koalition erklärte, es hätten sich binnen 24 Stunden etwa 100 IS-Mitglieder ergeben.

Bis zu 150 ausländische IS-Dschihadisten verharren allerdings weiter im schwer umkämpften Al-Rakka. Derzeit liefen Verhandlungen über ihren Abzug, teilte die Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien mit. "Sie möchten die Stadt in einer Gruppe in Richtung der Gebiete verlassen, die in der Provinz Deir Essor im Osten des Landes noch unter IS-Kontrolle stehen."

Verzögerung wegen Bataclan?

Die Verhandlungen über ihren Abzug stocken nach Darstellung der Aktivisten, weil der Drahtzieher des schweren Anschlages auf die Konzerthalle Bataclan in Paris 2015 unter den Verbliebenen sein soll. Er soll sich weigern aufzugeben. Bei der koordinierten Anschlagsserie in Paris im November 2015 töteten IS-Extremisten insgesamt 130 Menschen, davon allein 90 in der Konzerthalle.

Ein Sprecher der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die die SDF dominieren, sagte hingegen, es gebe weder Gespräche noch einen Deal über den Abzug des IS. Die Kämpfe gegen die Terrorgruppe gingen weiter. Man erwarte für die nächsten Tage weiter schwere Gefechte, sagte der Sprecher der Koalition, Ryan Dillon. Er nannte keinen Termin, an dem der IS in der Stadt endgültig besiegt sei. In der vergangenen Woche sei es 1500 Zivilisten gelungen, die Linien der SDF zu erreichen. Die Vereinten Nationen hatten erst am Freitag berichtet, dass etwa 8000 Zivilisten weiterhin in Al-Rakka eingeschlossenen seien. Wasser, Nahrung und Medikamente seien knapp.

Weitere IS-Hochburg Majadin bereits gefallen

Die IS-Kämpfer hatten Al-Rakka im Januar 2014 unter ihre Kontrolle gebracht und später zur inoffiziellen Hauptstadt ihres selbsternannten "Kalifats" in Syrien gemacht. Seit vergangenem Jahr ist die sunnitische Extremistengruppe jedoch in der Defensive und hat den Großteil der Städte und Gebiete unter ihrer Kontrolle verloren. Al-Rakka galt lange neben Mossul im Nordirak als wichtigste Stadt in den Händen des IS. Das SDF-Bündnis hatte den Marsch auf Al-Rakka im November 2016 begonnen. Nachdem die Stadt eingekreist war, begannen die SDF-Einheiten im Juni 2017 mit deren Erstürmung. Sie haben inzwischen 90 Prozent des Stadtgebiets unter ihre Kontrolle gebracht. Die von den USA geführte internationale Anti-IS-Koalition unterstützt die Offensive aus der Luft.

Unterdessen fiel mit der Stadt Majadin eine weitere IS-Hochburg in Syrien. Nach Angaben der Regierung in Damaskus konnte die syrische Armee Majadin aus den Händen der Dschihadistenmiliz zurückerobern. Die Stadt liegt 420 Kilometer östlich von Damaskus. Bei ihrem Vorrücken gegen die Islamisten seien die Regierungseinheiten von der russischen Luftwaffe unterstützt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Das am westlichen Euphratufer gelegene Majadin war 2014 vom IS eingenommen worden.

sti/kle/jj (dpa, afp, rtre, ape)