Syrische Armee verkündet volle Kontrolle über Ost-Ghuta | Aktuell Nahost | DW | 14.04.2018
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Syrienkrieg

Syrische Armee verkündet volle Kontrolle über Ost-Ghuta

Baschar al-Assads Truppen haben nach eigenen Angaben die einstige Rebellenenklave Ost-Ghuta vollständig zurückerobert. Auch die letzten Aufständischen haben die Stadt Duma, ihre letzte Bastion in der Region, verlassen.

Syrien Staatliche Polizeieinheiten übernehmen Douma (picture alliance/AP Photo/SANA)

Staatliche Polizeieinheiten fahren in Duma ein und schwenken die syrische Nationalflagge

Ost-Ghuta, das seit 2013 von der Regierung belagert worden war, sei von "Terroristen" befreit, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf die Führung der Streitkräfte. Am Samstag hatte der letzte Konvoi mit Kämpfern der Islamistengruppe Dschaisch al-Islam und ihren Angehörigen die Stadt Duma in Ost-Ghuta verlassen, um sie in rebellengeführte Gebiete nahe der türkischen Grenze zu bringen. Nun müssten Sprengstoffspezialisten Minen und Sprengsätze entfernen, damit andere Einheiten die Region vollständig sichern und die Rückkehr von Zivilisten in ihre Häuser vorbereiten könnten, sagte ein Armeesprecher.

Mitte Februar hatten die syrischen Streitkräfte eine beispiellose Militäroffensive auf die vor den Toren von Damaskus gelegene Rebellenenklave gestartet. Die verschiedenen Rebellengruppen stimmten nach und nach zu, Ost-Ghuta zu verlassen. Insgesamt wurden bei heftigen Kämpfen und Luftangriffen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 1600 Zivilisten getötet. Das Leid der Zivilbevölkerung sorgte international für Entsetzen und scharfe Kritik, UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach von der "Hölle auf Erden".

Letzte Rebellen kapitulierten nach Chemiewaffenangriff

In der Stadt Duma soll auch vor einer Woche der Giftgasangriff erfolgt sein, für den der Westen die Regierung von Baschar al-Assad verantwortlich macht, und den die USA, Großbritannien und Frankreich zum Anlass für die Bombardierung von Zielen in Syrien genommen haben. Die islamistischen Rebellen der Gruppe Dschaisch al-Islam hatten wenige Stunden nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff kapituliert und zugestimmt, aus Ost-Ghuta abzuziehen.

Nach ihren schweren Militärschlägen in der Nacht von Freitag auf Samstag gaben sich die Westmächte diplomatisch und betonten, dass keine weiteren Attacken geplant seien. Es habe sich um gezielte Angriffe auf Gebäude gehandelt, die das syrische Regime zur Produktion von Chemiewaffen nutze. Die USA machten deutlich, dass sie eine Konfrontation mit russischen Kräften verhindern wollten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron telefonierte mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan. Macron wolle die Kooperation zwischen beiden Ländern - auch mit Blick auf eine politische Lösung für Syrien - vertiefen, teilte sein Büro mit. 

OPCW braucht mehrere Wochen für Untersuchung

Indessen haben Experten der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) ihre Untersuchungen in Duma aufgenommen. Sie wollen herausfinden, welcher Kampfstoff bei dem mutmaßlichen Giftgasanschlag vor einer Woche eingesetzt wurde. Die Untersuchung werde aber sicherlich mehrere Tage dauern und die Analysen der Proben in Labors dann noch zwei Wochen, sagte der deutsche OPCW-Berater und Chemiker Ralf Trapp.

Am Samstagabend kam es derweil nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte in der nordsyrischen Provinz Aleppo zu einer heftigen Explosion. Die Detonation habe sich nahe eines Stützpunktes zugetragen, in dem iranische Einheiten und verbündete schiitische Milizen stationiert seien. Was die Explosion auslöste, blieb zunächst unklar.

ie/mak (dpa, afp, rtr)

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