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Aktuell Nahost

Syriens Rebellen fordern Rache für neues Massaker

Nicht einmal 14 Tage ist es her, seit die Welt geschockt von einem Massaker in Syrien erfuhr. Jetzt gibt es Berichte über ein zweites Blutbad. Regimegegner fordern Vergeltung und ein militärisches Eingreifen der UN.

Nach den Meldungen über ein weiteres Massaker an Zivilisten hat der oppositionelle Nationalrat eine Verstärkung der Militäraktionen gegen die Truppen von Präsident Baschar al-Assad gefordert. In einer sonst nur selten zu hörenden Aufforderung zu direkten Kampfaktionen rief der Oppositionsrat die Kämpfer der Freien Syrischen Armee auf, ihre Kampfaktionen zu verstärken, um den Druck von Zivilisten in den Provinzen Hama, Latakia und Homs zu nehmen. Außerdem forderten die Regimegegner die Vereinten Nationen auf, militärisch einzugreifen.

Zuvor hatten Oppositionelle und Menschenrechtler von einem neuen Massaker berichtet. In dem Dorf Masraat-al-Kabir hätten Soldaten und mit der Armee verbündete Schabiha-Milizen mindestens 78 Menschen getötet, darunter auch Kinder. Regierungseinheiten hätten das Dorf zunächst mit Granaten beschossen, dann seien die Milizionäre marodierend durch die Straßen gezogen. Einige der Opfer seien erstochen und mindestens zwölf Leichen verbrannt worden. Das Dorf liegt in der Provinz Hama, wo bereits vor knapp zwei Wochen ein Blutbad mit mindestens 100 Toten verübt worden war.

Syriens Regierung: "Verbrecher und Terroristen"

Überprüfen ließen sich diese Berichte zunächst nicht: Die UN-Beobachter versuchten zwar, sich vor Ort ein Bild zu machen. Sie seien aber von Regierungstruppen gestoppt worden, teilte Missionschef Robert Mood mit. Journalisten können sich ohnehin nicht frei in Syrien bewegen.

Das syrische Staatsfernsehen meldete, "Verbrecher" seien für die Ermordung der Zivilisten in der Provinz verantwortlich. Das Verbrechen sei bewusst vor einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates und anderen internationalen Treffen begangen worden, um Druck auf Syrien auszuüben.

Ähnlich ging die amtliche Nachrichtenagentur SANA vor. Sie berichtete über einen Zusammenstoß zwischen Ordnungskräften und sogenannten Terroristen in der betreffenden Region. Bei dem Gefecht seien - so die regierungsamtliche Nachrichtenagentur - alle Mitglieder der Terrorgruppe getötet worden. Damit ist auf Kämpfe mit der Opposition hingewiesen, denn mit "Terroristen" bezeichnet die syrische Regierung üblicherweise ihre Gegner.

Neuer Plan Annans

Angesichts des weitgehenden Scheiterns seiner Friedensinitiative will der internationale Syrien-Gesandte Kofi Annan laut Diplomaten eine Kontaktgruppe zur Beilegung des seit 15 Monaten andauernden Konflikts einrichten. Der Gruppe sollen Weltmächte und regionale Akteure wie der Iran angehören, wurde in New York bekannt. Annan wird der UN-Vollversammlung an diesem Donnerstag zunächst einen Bericht zur Lage geben.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich besorgt über die Meldungen aus Syrien. Dies beweise, wie dringend das Handeln der internationalen Gemeinschaft sei, sagte er bei einem Besuch in der Türkei. Westerwelle warnte vor einem Übergreifen des Konflikts auf den Libanon. Er zeigte sich aufgeschlossen für die neuen Vorschläge Annans.

haz/sc/re (rtr,ape,afpe,dpa, dapd)