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Aktuell Nahost

Syrien verliert sein Gedächtnis

Nicht nur die Menschen in dem Bürgerkriegsland müssen sterben. Auch das wertvolle kulturelle Erbe geht unter. Trauriger Höhepunkt bislang: die Vernichtung eines Teils des mittelalterlichen Basars von Aleppo.

In der nordsyrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo dauern die Kämpfe zwischen Armee und Rebellen an. Nach Auskunft der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte beschossen Regierungstruppen wieder mehrere Stadtteile Aleppos. Die Regierungsgegner hatten am Donnerstag eine Offensive gestartet, um die strategisch wichtige Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. In der Nacht zum Sonntag lieferten sich Rebellen und Soldaten in der gesamten Provinz heftige Kämpfe, hauptsächlich am Militärflughafen al-Nairab.

Armee hindert Händler an Begutachtung der Schäden

Derweil wird das Ausmaß der Schäden im weltbekannten mittelalterlichen Basar Aleppos immer deutlicher. Fünf der rund 20 einzelnen Märkte, die zusammen den Großen Basar, den Frauenbasar sowie den Gold- und Kleidermarkt bilden, wurden durch die Kämpfe vom Samstag komplett zerstört. Die früher als Touristenattraktion bekannten Marktstände, die in der zum Weltkulturerbe gehörenden Altstadt stehen, seien "ein Opfer der Flammen" geworden, erklärte auch die Beobachtungsstelle. Händler wurden nach eigenen Angaben von der Armee daran gehindert, den Schaden zu begutachten.

Der Basar von Aleppo auf einem Foto von 2007 (Foto: AP)

Ein Bild aus besseren Tagen des UNESCO-Weltkulturerbes: Der Basar auf einem Foto von 2007

Bombardements der Armee gab es laut der Beobachtungsstelle wieder in den Provinzen Daraa im Süden, Homs und Hama im Zentrum sowie in Idlib im Nordwesten Syriens. In der östlichen Provinz Deir Essor seien bei einem Luftangriff vier Menschen getötet worden. In der Stadt Kamischli im Kurdengebiet im Norden Syriens wurde ein Selbstmordanschlag verübt, bei dem laut Staatsfernsehen mindestens vier Menschen getötet und mehrere weitere verletzt wurden. Es war das erste derartige Attentat in dieser Stadt. Es richtete sich gegen eine Kaserne der Armee.

Leichen von 30 Vermissten in Damaskus gefunden

In Damaskus startete die Armee derweil eine Offensive im östlichen Sektor Ghuta. Nach Auskunft eines in der syrischen Hauptstadt lebenden Journalisten richteten die Regierungstruppen auch zahlreiche Menschen hin. Ghuta und Umgebung gelten als eine Hochburg der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA).

In Kamischli verübte ein Attentäter einen Selbstmordanschlag (Foto: AP)

In Kamischli verübte ein Attentäter einen Selbstmordanschlag

Ebenfalls in Damaskus fanden Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad die Leichen von 30 Vermissten. Der sogenannte Rat der Führung der Revolution in Damaskus teilte mit, die Toten seien in einem Kellergewölbe im Stadtteil Asali entdeckt worden. Sie seien alle exekutiert worden. Es handele sich um Bewohner des Viertels sowie um einige Männer, die an verschiedenen Straßensperren festgenommen worden seien und seither als vermisst gegolten hätten.

sti/kle (afp, dapd, dpa)