1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

WM-Qualifikation

Syrien träumt von WM-Teilnahme

Während in Syrien immer noch der Bürgerkrieg tobt, könnte sich die syrische Nationalmannschaft zum ersten Mal für eine Fußball-WM qualifizieren. Die Playoffs gegen Australien stehen an. Nicht alle Syrer sind begeistert.

Syriens Team bejubelt in Teheran den Einzug in die Playoffs gegen Australien. Foto: dpa-pa

Syriens Team bejubelt in Teheran den Einzug in die Playoffs gegen Australien

Ausgerechnet Omar al-Soma. Fünf Jahre lange durfte der Stürmerstar aufgrund seiner Sympathien zur Opposition nicht in der syrischen Fußball-Nationalmannschaft spielen. Doch mit seinem späten Treffer zum 2:2 gegen den Iran hielt der 28-Jährige im September die WM-Hoffnungen am Leben. Vier Spiele trennen die Syrer noch davon, im kommenden Jahr tatsächlich bei der Endrunde in Russland dabei zu sein. An diesem Donnerstag steht das erste der beiden Playoffspiele gegen Australien an (Anpfiff 14.30 Uhr MESZ). Nicht alle Syrer finden das gut. Das Duell mit dem Iran, der im blutigen Bürgerkrieg Seite an Seite mit Syrien kämpft, hat der fußballverrückte Flüchtling Ajaz Ali mit nur wenigen Freunden in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern geschaut. "Es gibt hier nicht so viele, die sich für Fußball interessieren", sagt der 23-Jährige, der auf Facebook eine Fanseite für den syrischen Sport mit mehr als 100.000 Abonnenten betreibt. "Und unter den Syrern sagen viele: Das ist nicht meine Mannschaft, sondern das sind die Spieler des Regimes." Es gebe nicht wenige, die hofften, dass Syrien ausscheide.

Stars spielen im Ausland

Denn der Fußball ist und war in Syrien immer schon hochpolitisch. Jahrelang machten die Mannschaften des Militärs und der Polizei die Meistertitel unter sich aus. Die besten Talente wurden eingezogen. Heute spielen viele Stars der syrischen Nationalmannschaft im Ausland: in Kuwait, den Emiraten oder in Katar. Auch al-Soma und Firas al-Khatib haben Syrien verlassen und waren lange nicht für die Nationalmannschaft aktiv. Die beiden Spieler aus Dair as-Saur bzw. der früheren Rebellenhochburg Homs galten als Helden der Opposition - bis sie zurückkamen, um ihre Mannschaft zur WM zu bringen. "Ich kenne einige Spieler, die immer noch für die Opposition sind", sagt Flüchtling und Fußballexperte Ajaz Ali. "Öffentlich würden sie das aus Angst nie sagen und loben in Interviews Präsident Assad. Sie wollen, dass Syrien bei der WM dabei ist, deswegen machen sie da mit."

Fussball Iran - Syrien | Porträt des syrischen Präsidenten Assad (picture alliance/dpa/AP/V. Salemi)

Linientreu: Ein syrischer Fan hält in Teheran ein Porträt von Präsident Assad hoch

Angeblich 30 getötete Fußballer

Entsprechend euphorisch - und im Sinne der Regierung in Damaskus - geben sich die Verantwortlichen. "Syriens Mannschaft ist großartig, weil sie um die Verantwortung weiß, den Traum von 23 Millionen Syrern zu erfüllen", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana kurz vor dem Spiel Mannschaftskapitän Ahmed al-Saleh. Aber es gibt auch Berichte, die davon sprechen, dass Spieler und deren Familien in Syrien unter Druck gesetzt werden. Vor zwei Jahren reichte der inzwischen nach Schweden geflohene ehemalige syrische Fußballspieler Aiman Kaschiet ein 20-Seiten langes Dossier bei der FIFA ein. Darin warf er der syrischen Regierung Kriegsverbrechen gegen Fußballspieler und Stadien vor. Mehr als 30 syrische Fußballprofis seien von der Regierung getötet worden, schriebt Kaschiet. Mit dem Bericht wollte er erreichen, dass der Fußball-Weltverband Syrien sperrt, weil politische Einflussnahme unter den FIFA-Statuten verboten ist.

FIFA feiert syrisches Team

Syrischer Torwart jubelt in Teheran. Foto: dpa-pa

Geht die Erfolgsgeschichte weiter?

Aber die FIFA feierte die Erfolgsgeschichte des syrischen Teams mit und berichtete auf ihrer Internetseite über den Höhenflug der "Kassiun-Adler", die nach dem Gebirgszug am Rande der Hauptstadt Damaskus benannt sind. In mehreren Berichten zitierte die FIFA syrische Nationalspieler, die es unter anderem positiv sahen, dass so viele junge Talente im Ausland spielen: "Davon profitiert das Spiel unserer Mannschaft", sagte Stürmerstar Firas al-Khatib in einem FIFA-Artikel. Und der gerade erst ins Team berufene, 30-jährige Hadi al-Masri befand: "Syrien erlebt gerade die beste Periode seiner Geschichte."

"Heimspiele" in Malaysia

Dabei sind die Umstände schwierig. Ihre Heimspiele trägt die syrische Mannschaft wegen des Kriegs in Malaysia aus, mehr als 8 000 Kilometer von der Heimat entfernt. Das Abbasiden-Stadion im Herzen von Damaskus, in dem früher viele Länderspiele ausgetragen worden sind, lag lange direkt an der Front. Die umliegenden Hochhäuser weisen heute Einschusslöcher auf. Der Rasen wurde gerade erst frisch verlegt, bis vor kurzem zeigten Satellitenbilder und und Internetvideos, dass das Stadion militärisch genutzt wurde.

Im Falle eines Erfolgs gegen Australien stünde die Mannschaft in der letzten Qualifikationsrunde. Dort träfe sie auf den Viertplatzierten des Verbandes von Nord- und Mittelamerika (CONCACAF). Als Gegner könnten dann ausgerechnet die USA warten, die in Syrien die Opposition gegen Assad unterstützen.

Simon Kremer (dpa)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema