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Aktuell Nahost

Syrien spaltet den Libanon

Droht im Libanon erneut ein Krieg der Religionsgemeinschaften? Nach der Explosion einer Autobombe am Freitag gibt es gewalttätige Demonstrationen. Viele Libanesen machen Syrien verantwortlich für das Attentat.

Zur Beerdigung des getöteten Chefs des Polizeigeheimdienstes, Wissam al-Hassan, reisten Tausende Libanesen aus allen Landesteilen nach Beirut. In der Hauptstadt wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die Menschen, mehrheitlich Sunniten, hielten Schilder, auf denen sie Al-Hassan als "Märtyrer der Souveränität und Unabhängigkeit" des Libanon würdigten.

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Antisyrische Demonstrationen in Beirut

Der hochrangige Geheimpolizist wurde am Freitag getötet, als eine Autobombe in einem christlichen Viertel der Hauptstadt Beirut explodierte. Außer ihm starben sieben weitere Menschen, mehr als 80 wurden verwundet. Al-Hassan war Sunnit und stand der anti-syrischen "Zukunftsbewegung" des Oppositionspolitikers Saad Hariri nahe.

Sunnitische Demonstranten machen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad und die mit dem Regime in Damaskus verbündete schiitische Hisbollah-Miliz für das blutige Attentat verantwortlich. Sowohl Syrien als auch die Hisbollah bestreiten jede Verwicklung in das Attentat. Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt.

Schüsse aus Syrien

Die Wut der Sunniten ist groß: Seit Freitag fanden mehrere Demonstrationen im ganzen Land statt. Die Polizei sperrte Straßen in Beirut, Autoreifen brannten. In Tripoli, im Norden der Stadt, schossen bewaffnete Demonstranten in die Luft. In der ostlibanesischen Stadt Mardsch versuchten Demonstranten ein Büro der pro-syrischen Organisation Itihad zu stürmen und an der Grenze zu Syrien wurden Teilnehmer einer Kundgebung von Syrien aus beschossen.

Unterstützer der Anti-Syrien Opposition demonstrieren gegen die Ermordung al-Hassans. (Foto: AFP)

Unterstützer der anti-syrischen Opposition im Libanon demonstrieren gegen die Ermordung al-Hassans

Regierung bleibt vorerst im Amt

Die Opposition forderte angesichts der Aufstands die von der Hisbollah gestützte Regierung zum Rücktritt auf. Nach einer Krisensitzung des Kabinetts sagte Ministerpräsident Nadschib Mikati, er habe Präsident Michel Suleiman seine Demission angeboten. Der Präsident bat Mikati jedoch, vorerst im Amt zu bleiben, um ein "Machtvakuum" im Libanon – und damit möglicherweise ein noch größeres Chaos - zu verhindern.

Ban mahnt zu Distanz zu Syrien

Es gibt im Libanon 18 anerkannte Religionsgemeinschaften. Die Frage nach der Verteilung der Regierungsmacht zwischen ihnen führte in der Vergangenheit zu einem langen Bürgerkrieg und vielen Konflikten. Seit Beginn des Syrienkonflikts vor mehr als einem Jahr nehmen die Spannungen zwischen den Angehörigen verschiedener Glaubensrichtungen erneut zu. Der Grund: Sunniten unterstützen mehrheitlich die sunnitischen Rebellen in Syrien, während viele Schiiten, allen voran die radikalislamische Hisbollah, Assad unterstützen. Jetzt geht die Sorge um, das Land könnte erneut ins Chaos verfallen. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon appellierte daher an den Libanon, sich nicht in den Bürgerkrieg des benachbarten Syrien hineinziehen zu lassen.

nem/wl (dpa, dapd)

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