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Welt

Syrien: Patriarch Gregorios warnt vor Teilung des Landes

Der ranghöchste katholische Geistliche im Nahen Osten hat vor einer Teilung Syriens gewarnt. Es müsse darum gehen, "die Einheit des Landes“ zu wahren, sagte Patriarch Gregorios III. Laham in einem Interview der DW.

Die Kirche setze nach wie vor auf einen Dialog zur Versöhnung. Der 79-Jährige, der aus einem Dorf bei Damaskus stammt, ist als Patriarch von Antiochien das Oberhaupt der mit Rom vereinigten griechisch-katholischen Kirche. Sein erster Amtssitz ist in Damaskus (Syrien).

Falls es gelinge, in Syrien Demokratie, Laizismus und das Miteinander von Religion und Staat diplomatisch zu wahren oder zu erreichen, wäre das "eine Rettung für den ganzen Nahen Osten", so der Patriarch. Jedes gewaltsame Vorgehen sei ein Drama. Er forderte die USA, Russland und die Europäische Union auf, "eine gemeinsame Lösung für Syrien" zu finden. Daran könnten sich Bemühungen um eine Lösung der Palästinafrage anschließen. Gregorios: "Ich bin zuversichtlich, dass die Zeit dafür reif ist."

Neue Rechte-Charta

Der Geistliche kritisierte, dass die Europäer in Zeiten des arabischen Frühlings "keine echte Vision" für die arabischen Länder gehabt hätten. Wenn aber "Revolution nicht mit Vision und Entwicklung zusammengeht, entsteht daraus nur Zerstörung". Das zeige sich jetzt in Ägypten und Libyen. Die arabischen Staatschefs sollten deshalb aus den Slogans der Jugend beispielsweise vom Kairoer Tahrir-Platz "eine neue Rechte-Charta des Menschen im Nahen Osten" erarbeiten. Die Europäer sollten sie dabei unterstützen.

Gregorios sprach sich "für die Einheit Syriens, aber auch für die Einheit der arabischen Staaten“ aus. Eine Teilung wäre nicht nur für die arabische Welt, sondern auch für Europa die größte Gefahr. Eine Zersplitterung würde Gegensätze zwischen den religiösen Gruppen wie Sunniten oder Schiiten vertiefen.

Kritik an Waffenlieferungen

Die Verantwortung für die Gewalt in Syrien trage Präsident Bashar al-Assad nicht allein. Vor allem Waffenlieferungen von außen hätten Gregorios zufolge die Eskalation des Konflikts ausgelöst und die Zahl der Toten ansteigen lassen. Seitdem sei die Opposition "nicht mehr nur eine Opposition"; es seien jetzt auch "Banditen“ dabei, "Fremde, fremde Religionen, Kämpfer aus der ganzen Welt, auch aus Europa". Bewaffnete Gruppen, die nichts mit Demokratie zu tun hätten, sorgten letztlich dafür, dass der Islam in einem schlechten Licht erscheine.

Der Bundesregierung gebühre Dank für ihre Absage an Waffenlieferungen nach Syrien. Weitere Waffenlieferungen wären "kriminell und bedeuten mehr Opfer und eine größere Gefahr für die kleine Gruppe der Christen und Drusen und Alewiten", sagte Gregorios. Es gebe trotz der Fernsehbilder in Syrien einen Willen zum Aufbau. Er setze nach wie vor auf "die Hoffnung, zusammenleben zu können, neue Akzente zu setzen an Stelle von Hass, Trennung und Auseinandergehen".